Den Kormoran als Wintergast beobachten wir noch nicht lange. Erst in den letzten Jahren ist er als solcher an und in der Limmat aufgetaucht.
Darum bleiben wir sofort stehen, wenn er anfliegt und im Wasser landet. Primo wundert sich jedesmal über die Veränderung des Vogelkörpers, wenn er schwimmt. War er vorher der pfeilschnelle, langgezogene Vogel, verliert seine Erscheinung die vorher wahrgenommene Eleganz. Es ist, wie wenn er Steine in sich hätte, die beim Aufsetzen aufs Wasser nach hinten rutschten und ihn dort in die Tiefe zögen. Aber er bleibt auch auf dem Wasser der Schnelle, der Gradlinige, ein tauchender Jäger. So sahen wir am letzten Sonntagmorgen 3 Kormoranen zu, wie sie sich tauchend verköstigten und dann aufflogen. Danach setzten wir unsere Wanderung am Flussufer fort.
Kurz danach regnete es Kot über mich. Es fühlte sich an, wie wenn ich nach einer Regennacht als erste unser Gartentor unter dem Rosenhag öffne und das Regenwasser aus den Blättern auf mich niedergeht. Ich sah an mir herunter, bemerkte aber weder Wasser noch Kot. Ganz anders aus Primos Sicht. Er riet, die Parka auszuziehen und die Flecken am nahen Brunnen auszuwaschen. Eine schöne Bescherung! Viele weisse Spritzer auf einem dunkelbraunen Stoff. Auch Primos Jacke war betroffen. Nur verschwanden die Ablagerungen dort im hellen Gewebe. Vorübergehende Spaziergänger schauten etwas scheel nach uns aus. Niemand stellte aber Fragen. Darüber war ich froh. Glücklicherweise hatte ich ein Taschentuch aus Stoff bei mir. So liessen sich die Kotspritzer alle auswaschen. Als ich die Parka wieder angezogen hatte und Primo mich musterte, sagte er mit dem ihm eigenen Schalk: „Und jetzt ziehst du noch das Béret aus und betrachtest das Medaillon.“ Ja, ein runder Fleck am rechten Ort platziert, wies mich beinahe als Mitglied eines militärischen Corps aus.
Auch die schwarze Hose war von diesem Überfall betroffen. Aber das bemerkte ich erst viel später. Da hatte das Gewebe diesen ätzenden Dünnpfiff schon richtig aufgesogen. Nur mit Hilfe eines Microfaser-Reinigungstuchs und viel klarem Wasser konnte ich auch diese Flecken zum grössten Teil noch auswaschen.
Das war also der Dank dieser Vögel für unsere Bewunderung.
Dieser Gedanke ist falsch, drückt nur meine Betroffenheit aus. Auf dem Heimweg über die Brücke beim Wehr schauten wir zurück und erspähten nämlich in jener mächtigen Baumkrone, die ihre Äste über den Wanderweg ausbreitet, eine grosse Kormoran-Kolonie. Da wird wohl noch manche Entleerung auf Fussgänger niederprasseln. Ich bin sicher kein Einzelfall.
Das heute im Alltag oft gehörte Wort „Scheisse!“ hat für mich jetzt einen Erfahrungswert. Das Zischen in seinem Klang entspricht exakt meiner Erfahrung.
Geschichten von Rita Lorenzetti-Hess aus Zürich-Altstetten und
Archiv sämtlicher Blog-Beiträge aus der Zeit beim Textatelier Hess von Biberstein
Sonntag, 11. März 2007
Montag, 5. März 2007
Vom Warten, Beobachten, Tram fahren und Erschrecken
An der Tramhaltestelle Bahnhofstrasse in Zürich stehen und warten, ist für mich ein Freilicht-Schauspiel. Der Bahnhof spuckt die Reisenden aus, gleichgültig ob sie in der grossen Halle oder im Untergrund angekommen sind. Viele spült es über den Bahnhofplatz Richtung Paradeplatz. Und immer sind es andere Gruppen mit anderen Merkmalen.
Um halb 9 Uhr am Morgen sind es die Angestellten, die mit Taschen und Mappen daher kommen und ihren Arbeitsplätzen zuströmen. Später sind es Flanierende und jene, die ihre Einkäufe und Geschäfte tätigen. Jetzt begegne ich mehrfach Einzelgängern, die ganz auf ihre Ziele ausgerichtet sind. Sehr viele lesen die kleinformatige Gratis-Zeitung im Gehen. Einige halten das Handy am Ohr. Wie konnten sie auch alle leben, als es dieses Kommunikationsmittel noch nicht gab? Es fällt mir auf, dass der Mann, der hier tagsüber die Zeitung der Arbeitslosen verkauft, noch nicht anwesend ist. Keine günstige Zeit für ihn, wenn alle zügig ausschreiten.
Manchmal schaue ich in die Gesichter und möchte wissen, ob sie sich den Aufgaben gewachsen fühlen, denen sie zustreben. Und ich schaue auf Kleider oder auf Schuhe. So auch heute wieder. Es sind viele Grössen vertreten, klassische und sportliche Form. Die spielerische Eleganz ist um diese Zeit eher nicht vertreten. Auf dem Weg zur Arbeit sind jene Schuhe passend, die eine richtige Bodenhaftung und ein selbstsicheres Auftreten unterstützen. Und die Mäntel variieren zwischen Grau und Schwarz.
Ich stehe selbstverständlich nicht alleine an der Station. Zu dieser Zeit warten viele. Jene, die dann im eingefahrenen Tram einen Sitzplatz ergattern, können sich entspannt der Zeitung zuwenden. Wie überall läuten auch hier die Handys. Am Morgen jedoch viel weniger als in den Feierabendstunden. Da wird dann gemeldet, dass die Heimkehr bevorstehe und dass das Essen in den Ofen geschoben werde könne. Es gibt am Morgen und am Abend auch Humoristen, die andere necken. Aber das ist eher selten. Heute habe ich 2 Männern, die neben mir standen, zugehört, wie sie über Kündigungen sprachen. Sie nannten Namen, auch von solchen, die am besten selber noch kündigen würden. Ich folgerte, dass diese Personen entweder unbeliebt oder unfähig sind. Aber welche Machtkämpfe im Arbeitsleben heute ausgetragen werden, das kann ich mir nicht vorstellen. Als die erwähnten Männer Richtung Ausgang gingen, sagte der eine: „Los, das isch halt kein Sandstrand.“ Diese Aussage belustigte mich. Da wird also noch in Bildern gesprochen. Das gefällt mir. Doch gleich danach musste ich feststellen, dass die Herren das Thema gewechselt hatten und jetzt von ihren realen Ferien redeten.
Wie immer leert sich das Tram dann an der Station Uetlihof, im Umfeld einer Grossbank. Alle strömen dorthin, nur ich marschiere Richtung Altersheim Laubegg. Es ist gar nicht so einfach, aus einem breiten und reissenden Menschenstrom auszuscheren.
Bei Celeste verlief dann alles wie üblich. Sie hatte ein paar Anliegen, die ich erfüllen konnte. Als ich mich verabschiedet hatte, war das ein Schlusspunkt, und ich dachte bereits ans Kochen für das Mittagsmahl. Aber oha. Mit dem zufälligen Zusammentreffen mit Frau N. hatte ich nicht gerechnet. Wir wohnen in der Nähe, sehen uns selten. Nun packte sie die Gelegenheit, wollte mir alle Neuigkeiten aus ihrem Leben und jenem ihres Hundes ausbreiten. Sie lud zum Znüni-Kaffee in den Brunaupark ein. Ich konnte nicht nein sagen.
Diese halbe Stunde, die ich ihr dann widmete, wurde zum Horror für mich. Frau N. hat einen seltsamen Schönheitssinn. Heute trug sie einen Kunstfaser-Schal mit aufgedrucktem Ringelnatter-Muster. Da sich das Material dieser Halsschleife auf natürliche Art rollte, konnte man meinen, sie habe eine Schlange um ihren Hals gelegt. Frau N. ist eine nervöse Person. Sie zog dauernd an dieser Schlange herum, die mich verwirrte.
Die gemeinsame Heimfahrt in ihrem Auto konnte ich dann glücklicherweise verhindern.
Um halb 9 Uhr am Morgen sind es die Angestellten, die mit Taschen und Mappen daher kommen und ihren Arbeitsplätzen zuströmen. Später sind es Flanierende und jene, die ihre Einkäufe und Geschäfte tätigen. Jetzt begegne ich mehrfach Einzelgängern, die ganz auf ihre Ziele ausgerichtet sind. Sehr viele lesen die kleinformatige Gratis-Zeitung im Gehen. Einige halten das Handy am Ohr. Wie konnten sie auch alle leben, als es dieses Kommunikationsmittel noch nicht gab? Es fällt mir auf, dass der Mann, der hier tagsüber die Zeitung der Arbeitslosen verkauft, noch nicht anwesend ist. Keine günstige Zeit für ihn, wenn alle zügig ausschreiten.
Manchmal schaue ich in die Gesichter und möchte wissen, ob sie sich den Aufgaben gewachsen fühlen, denen sie zustreben. Und ich schaue auf Kleider oder auf Schuhe. So auch heute wieder. Es sind viele Grössen vertreten, klassische und sportliche Form. Die spielerische Eleganz ist um diese Zeit eher nicht vertreten. Auf dem Weg zur Arbeit sind jene Schuhe passend, die eine richtige Bodenhaftung und ein selbstsicheres Auftreten unterstützen. Und die Mäntel variieren zwischen Grau und Schwarz.
Ich stehe selbstverständlich nicht alleine an der Station. Zu dieser Zeit warten viele. Jene, die dann im eingefahrenen Tram einen Sitzplatz ergattern, können sich entspannt der Zeitung zuwenden. Wie überall läuten auch hier die Handys. Am Morgen jedoch viel weniger als in den Feierabendstunden. Da wird dann gemeldet, dass die Heimkehr bevorstehe und dass das Essen in den Ofen geschoben werde könne. Es gibt am Morgen und am Abend auch Humoristen, die andere necken. Aber das ist eher selten. Heute habe ich 2 Männern, die neben mir standen, zugehört, wie sie über Kündigungen sprachen. Sie nannten Namen, auch von solchen, die am besten selber noch kündigen würden. Ich folgerte, dass diese Personen entweder unbeliebt oder unfähig sind. Aber welche Machtkämpfe im Arbeitsleben heute ausgetragen werden, das kann ich mir nicht vorstellen. Als die erwähnten Männer Richtung Ausgang gingen, sagte der eine: „Los, das isch halt kein Sandstrand.“ Diese Aussage belustigte mich. Da wird also noch in Bildern gesprochen. Das gefällt mir. Doch gleich danach musste ich feststellen, dass die Herren das Thema gewechselt hatten und jetzt von ihren realen Ferien redeten.
Wie immer leert sich das Tram dann an der Station Uetlihof, im Umfeld einer Grossbank. Alle strömen dorthin, nur ich marschiere Richtung Altersheim Laubegg. Es ist gar nicht so einfach, aus einem breiten und reissenden Menschenstrom auszuscheren.
Bei Celeste verlief dann alles wie üblich. Sie hatte ein paar Anliegen, die ich erfüllen konnte. Als ich mich verabschiedet hatte, war das ein Schlusspunkt, und ich dachte bereits ans Kochen für das Mittagsmahl. Aber oha. Mit dem zufälligen Zusammentreffen mit Frau N. hatte ich nicht gerechnet. Wir wohnen in der Nähe, sehen uns selten. Nun packte sie die Gelegenheit, wollte mir alle Neuigkeiten aus ihrem Leben und jenem ihres Hundes ausbreiten. Sie lud zum Znüni-Kaffee in den Brunaupark ein. Ich konnte nicht nein sagen.
Diese halbe Stunde, die ich ihr dann widmete, wurde zum Horror für mich. Frau N. hat einen seltsamen Schönheitssinn. Heute trug sie einen Kunstfaser-Schal mit aufgedrucktem Ringelnatter-Muster. Da sich das Material dieser Halsschleife auf natürliche Art rollte, konnte man meinen, sie habe eine Schlange um ihren Hals gelegt. Frau N. ist eine nervöse Person. Sie zog dauernd an dieser Schlange herum, die mich verwirrte.
Die gemeinsame Heimfahrt in ihrem Auto konnte ich dann glücklicherweise verhindern.
Sonntag, 25. Februar 2007
Seen, Stege, Wanderwege und ein persönlicher Kraftort
Auch ich lese gerne Bücher über Kraftorte und deren spirituellen Hintergrund. Gerade bin ich auf einen Hinweis über eine diesbezügliche Neuerscheinung gestossen. Im AT Verlag, Baden, sei das Buch „Magisches Zürich“ erschienen. Autorin: Barbara Hutzl-Ronge. Ich habe es noch nicht gesehen, bin gespannt, was ich noch nicht weiss.
Mehr noch als die in Büchern beschriebenen Orte der Kraft bewegen mich Orte, die mich persönlich angesprochen haben. Besser würde ich jetzt in der Mehrzahl reden, denn meist ist Primo dabei, wenn uns eine Landschaft verzaubert. Ist so etwas geschehen, vergessen wir das nicht und kommen sicher eines Tages zurück. Aber erst, wenn wir lange genug davon geschwärmt haben.
Den ersten tiefen Landschaftseindruck habe ich als 6-jähriges Kind erhalten, als ich zum ersten Mal nach Rapperswil kam und dort die Weite des Sees und den offenen Himmel sah. Noch heute kann ich mich an die überwältigenden Gefühle von damals und auch an die Angst vor dem grossen Wasser erinnern. Wir lebten noch in Wald ZH. Das Dorf liegt in einem Kessel. Weite gibt es dort nicht, wohl aber Hügel und Berge, die den Horizont begrenzen. Wer sie besteigt, kann aus der Vogelperspektive den Zürichsee erblicken. Ihm aber ganz persönlich begegnen und in einem kleinen Motorboot zur Insel Ufenau übersetzen, das war ein prägender Eindruck für mich.
Dieser Raum, ausgehend von Rapperswil mit dem Zürich- und dem Obersee, mit den Hügelzügen auf Schwyzerboden und dem Blick zu den Glarner-Alpen hin, haben noch immer eine magische Wirkung auf mich. Hier nehme ich feinste Energien wahr. Hier verweile ich gerne. Hier tanke ich auf. Jede Jahreszeit beschenkt uns da mit Farbklängen nach eigener Art. Und im Winter, wenn die Berge verschneit sind und sie noch niemand entjungfert hat, lässt uns ihr Anblick ehrfürchtig werden. Am liebsten verweile ich dann am frühen Morgen in ihrer Umgebung, einfach zu Zeiten, wenn es nicht laut ist und nicht viele Mitmenschen unterwegs sind.
Früher war es nur der Strandweg, dem Naturschutzgebiet entlang nach Busskirch, den ich immer wieder ging. Seit 2001 hat er Konkurrenz bekommen. Der neue, eichene Holzsteg über die engste Stelle im Zürichsee ist zum Liebling für Ausflügler geworden. Mit seinen 481 Metern Länge ist er eine Art Riviera und führt von Rapperswil nach Hurden. Von dort führt ein Wanderweg auf dem Land nach Pfäffikon, neuerdings an einem abgetrennten Vogelschutzgebiet vorbei. Lukarnen mit Ausblicken im Bretterverschlag, auf verschiedene Körpergrössen eingerichtet, geben Aussicht auf seltene Vögel, aber auch auf den unverbauten Rand des Zürichsees. Hier haben wir am vorletzten Sonntag wieder einmal einen bewegenden Sonnenuntergang erlebt.
Die Geschichte des Steges geht bis ins 14. Jahrhundert zurück und ist im Internet gut dokumentiert.
Wer wissen will, was Schwingung ist, begebe sich auf den von andern Menschen benützten Steg, setze sich auf eine Bank, lasse mit sich geschehen, was das Holz will. Es ist selbstverständlich ungefährlich, aber bewegend im eigentlichen Wortsinn.
Sowohl in Busskirch wie in Hurden treffen Wanderer und Spaziergänger auf alte, gut gepflegte Kapellen. Und an beiden Orten gibt es Speis und Trank. In Hurden sind es vornehme Gasthäuser. In Busskirch ein gemütlicher Gasthof. Es sind eigentliche Stationen, denn über Rapperswil führte der alte Pilgerweg (hier auch Schwabenweg genannt) nach Einsiedeln und als fernstes Ziel nach Santiago de Compostela. Hier haben die Pilger von einst Rast gemacht. Darüber zu sinnieren, lässt mich an ihrer langen Reise ein kurzes Stück teilhaben.
Die Verfasser von „Magic Places of Switzerland“ sprechen mir aus der Seele, wenn sie im Internet schreiben: „Kraftplätze sind nicht in erster Linie spektakuläre Orte, an denen die grossen Wunder geschehen, sondern Orte, an denen relativ ungefiltert Schwingungen ausströmen, die in allen Wesen der Natur eine Antwort auslösen.“
So treffend hätte ich es nicht sagen können.
Mehr noch als die in Büchern beschriebenen Orte der Kraft bewegen mich Orte, die mich persönlich angesprochen haben. Besser würde ich jetzt in der Mehrzahl reden, denn meist ist Primo dabei, wenn uns eine Landschaft verzaubert. Ist so etwas geschehen, vergessen wir das nicht und kommen sicher eines Tages zurück. Aber erst, wenn wir lange genug davon geschwärmt haben.
Den ersten tiefen Landschaftseindruck habe ich als 6-jähriges Kind erhalten, als ich zum ersten Mal nach Rapperswil kam und dort die Weite des Sees und den offenen Himmel sah. Noch heute kann ich mich an die überwältigenden Gefühle von damals und auch an die Angst vor dem grossen Wasser erinnern. Wir lebten noch in Wald ZH. Das Dorf liegt in einem Kessel. Weite gibt es dort nicht, wohl aber Hügel und Berge, die den Horizont begrenzen. Wer sie besteigt, kann aus der Vogelperspektive den Zürichsee erblicken. Ihm aber ganz persönlich begegnen und in einem kleinen Motorboot zur Insel Ufenau übersetzen, das war ein prägender Eindruck für mich.
Dieser Raum, ausgehend von Rapperswil mit dem Zürich- und dem Obersee, mit den Hügelzügen auf Schwyzerboden und dem Blick zu den Glarner-Alpen hin, haben noch immer eine magische Wirkung auf mich. Hier nehme ich feinste Energien wahr. Hier verweile ich gerne. Hier tanke ich auf. Jede Jahreszeit beschenkt uns da mit Farbklängen nach eigener Art. Und im Winter, wenn die Berge verschneit sind und sie noch niemand entjungfert hat, lässt uns ihr Anblick ehrfürchtig werden. Am liebsten verweile ich dann am frühen Morgen in ihrer Umgebung, einfach zu Zeiten, wenn es nicht laut ist und nicht viele Mitmenschen unterwegs sind.
Früher war es nur der Strandweg, dem Naturschutzgebiet entlang nach Busskirch, den ich immer wieder ging. Seit 2001 hat er Konkurrenz bekommen. Der neue, eichene Holzsteg über die engste Stelle im Zürichsee ist zum Liebling für Ausflügler geworden. Mit seinen 481 Metern Länge ist er eine Art Riviera und führt von Rapperswil nach Hurden. Von dort führt ein Wanderweg auf dem Land nach Pfäffikon, neuerdings an einem abgetrennten Vogelschutzgebiet vorbei. Lukarnen mit Ausblicken im Bretterverschlag, auf verschiedene Körpergrössen eingerichtet, geben Aussicht auf seltene Vögel, aber auch auf den unverbauten Rand des Zürichsees. Hier haben wir am vorletzten Sonntag wieder einmal einen bewegenden Sonnenuntergang erlebt.
Die Geschichte des Steges geht bis ins 14. Jahrhundert zurück und ist im Internet gut dokumentiert.
Wer wissen will, was Schwingung ist, begebe sich auf den von andern Menschen benützten Steg, setze sich auf eine Bank, lasse mit sich geschehen, was das Holz will. Es ist selbstverständlich ungefährlich, aber bewegend im eigentlichen Wortsinn.
Sowohl in Busskirch wie in Hurden treffen Wanderer und Spaziergänger auf alte, gut gepflegte Kapellen. Und an beiden Orten gibt es Speis und Trank. In Hurden sind es vornehme Gasthäuser. In Busskirch ein gemütlicher Gasthof. Es sind eigentliche Stationen, denn über Rapperswil führte der alte Pilgerweg (hier auch Schwabenweg genannt) nach Einsiedeln und als fernstes Ziel nach Santiago de Compostela. Hier haben die Pilger von einst Rast gemacht. Darüber zu sinnieren, lässt mich an ihrer langen Reise ein kurzes Stück teilhaben.
Die Verfasser von „Magic Places of Switzerland“ sprechen mir aus der Seele, wenn sie im Internet schreiben: „Kraftplätze sind nicht in erster Linie spektakuläre Orte, an denen die grossen Wunder geschehen, sondern Orte, an denen relativ ungefiltert Schwingungen ausströmen, die in allen Wesen der Natur eine Antwort auslösen.“
So treffend hätte ich es nicht sagen können.
Donnerstag, 22. Februar 2007
Die Parabel vom Mann, der Wasser schöpfen musste
Am Sonntagmorgen. Ich hatte gerade die Sendung „Perspektiven“ über „Demut, ein christliches Urwort kehrt zurück“ auf Radio DRS 2 gehört und mich danach gefragt, was bewirken eigentlich solche Sendungen? Wir hören zu und dann, was geschieht dann?
Das Thema erinnerte mich an etwas in mir vor Jahrzehnten Eingelagertes, und es ergänzte dieses, doch könnte ich jetzt den ganzen Beitrag mit dem Gespräch zwischen Lorenz Marti und dem Basler Theologen Michael Bangert nicht wiederholen.
Es war einfach eine halbe Stunde wohltuender Konzentration, innerer Ruhe und Zustimmung. Danach Freude, dass dieses Thema nach langer Zeit wieder einmal besprochen worden ist. Und Hoffnung, dass es an vielen Orten gut ankomme, denn es kam frisch und lebendig daher.
Und heute ist mir die passende Parabel noch in den Sinn gekommen. Ich hatte sie vor gut 20 Jahren einmal gehört und dann aufgeschrieben. Sie beantwortet meine Frage. Da ist sie.
Ein Glaubender, der sich unglücklich fühlte, weil er alles, was er jeweils aus den Schrift-Auslegungen seiner Religion hörte, gleich wieder entschwinden sah, suchte einen Weisen am Rand der Wüste auf. Ihm schilderte er sein angebliches Unglück, das reiche Gut seiner Religion nicht fassen zu können.
Anstatt auf seine direkte Frage einzugehen, schickte ihn der Weise mit einem geflochtenen Korb, der bis anhin verstaubt in der Ecke seines Zeltes gestanden hatte, zum Brunnen und hiess ihn, Wasser holen. Der Mann tat, wie ihm geheissen, hoffte vielleicht auf ein Wunder, denn jedem ist im vornherein klar, dass ein lockeres Geflecht keine Flüssigkeit aufbewahren kann. Und so war es auch. Kaum geschöpft, sickerte das Wasser davon.
Der Fragende kam zurück und bedauerte, dass er die Aufgabe nicht erfüllen konnte. Der Weise aber verhielt sich ungerührt und schickte ihn mit demselben Auftrag erneut fort. Muss ich vielleicht zuerst eine besondere Geduldsprüfung bestehen, überlegte er sich. Mit dieser Haltung fiel es ihm nicht so schwer, noch einige Male mit immer demselben Auftrag erfolglos an den Brunnen geschickt zu werden.
Dann aber bekam er die Antwort.
Der Weise fragte: „Was ist mit dem Korb geschehen. Schau genau hin!“
„Er wurde gereinigt, ist jetzt sauber.“
„So ist es. Und so verhält es sich mit den gehörten Worten. Auch sie sickern durch, aber sie reinigen dich.“
Das Thema erinnerte mich an etwas in mir vor Jahrzehnten Eingelagertes, und es ergänzte dieses, doch könnte ich jetzt den ganzen Beitrag mit dem Gespräch zwischen Lorenz Marti und dem Basler Theologen Michael Bangert nicht wiederholen.
Es war einfach eine halbe Stunde wohltuender Konzentration, innerer Ruhe und Zustimmung. Danach Freude, dass dieses Thema nach langer Zeit wieder einmal besprochen worden ist. Und Hoffnung, dass es an vielen Orten gut ankomme, denn es kam frisch und lebendig daher.
Und heute ist mir die passende Parabel noch in den Sinn gekommen. Ich hatte sie vor gut 20 Jahren einmal gehört und dann aufgeschrieben. Sie beantwortet meine Frage. Da ist sie.
Ein Glaubender, der sich unglücklich fühlte, weil er alles, was er jeweils aus den Schrift-Auslegungen seiner Religion hörte, gleich wieder entschwinden sah, suchte einen Weisen am Rand der Wüste auf. Ihm schilderte er sein angebliches Unglück, das reiche Gut seiner Religion nicht fassen zu können.
Anstatt auf seine direkte Frage einzugehen, schickte ihn der Weise mit einem geflochtenen Korb, der bis anhin verstaubt in der Ecke seines Zeltes gestanden hatte, zum Brunnen und hiess ihn, Wasser holen. Der Mann tat, wie ihm geheissen, hoffte vielleicht auf ein Wunder, denn jedem ist im vornherein klar, dass ein lockeres Geflecht keine Flüssigkeit aufbewahren kann. Und so war es auch. Kaum geschöpft, sickerte das Wasser davon.
Der Fragende kam zurück und bedauerte, dass er die Aufgabe nicht erfüllen konnte. Der Weise aber verhielt sich ungerührt und schickte ihn mit demselben Auftrag erneut fort. Muss ich vielleicht zuerst eine besondere Geduldsprüfung bestehen, überlegte er sich. Mit dieser Haltung fiel es ihm nicht so schwer, noch einige Male mit immer demselben Auftrag erfolglos an den Brunnen geschickt zu werden.
Dann aber bekam er die Antwort.
Der Weise fragte: „Was ist mit dem Korb geschehen. Schau genau hin!“
„Er wurde gereinigt, ist jetzt sauber.“
„So ist es. Und so verhält es sich mit den gehörten Worten. Auch sie sickern durch, aber sie reinigen dich.“
Sonntag, 11. Februar 2007
An die Werber und Grafiker: Bitte um etwas mehr Sorgfalt!
Seitdem es die computertechnischen Möglichkeiten gibt, Bilder verändern zu können, begegne ich oft Publikationen, denen der eigentliche Wahrheitscharakter abhanden gekommen ist. Sie gaukeln etwas vor, das so nicht der Realität entspricht. Wenn nicht vermerkt ist, dass es sich um eine Fotomontage handelt, dann ist die Bildaussage für mich unwahr. Eine Art Lüge.
Beispiel: Das Restaurant „Mère Catherine“ im Nägelihof, nahe beim Grossmünster in Zürich, wirbt mit einer Postkarte für Mittelmeergefühle und die feine Mittelmeerküche in Zürich. Sie suggeriert Zürich mit Meeranstoss. Die Luftaufnahme über die rechte Seeuferseite, dort wo die Limmat aus dem See ausfliesst, wurde so verändert, dass es den Fluss nicht mehr gibt und Zürich mit feinem Sandstrand am Meer liegt. Das Limmatquai und die Altstadt rund ums Grossmünster blieben unangetastet. Für alle, die Zürich kennen, ist das eine lustige Sache. Schicke ich diese Karte aber Freunden, die noch nie in Zürich waren, nehmen sie automatisch an, sie entspreche der Wahrheit. Denn es fehlt ein Hinweis darauf, dass es sich um eine Fotomontage handelt.
Ebenso stört mich die Rückseite des „ZürichCARD-Guide 2007“, der für eine Pauschalkarte wirbt, die sowohl den Eintritt in über 40 Museen, freie Fahrt mit Tram, Bus, Bahn, Schiff und Seilbahn im Bereich des Zürcher Verkehrsverbunds und einige weitere Angebote beinhaltet. Das Titelblatt zeigt das Grossmünster mit dem Limmatschiff. Auf der Rückseite dieses Führers finden wir Zürich und Umgebung aus der Vogelperspektive. Ein Bild ganz in Grün, nur aus Landschaft bestehend. See, Limmat und Sihl sind angeschrieben. Die Stadt und die gesamte Besiedlung dieses Gebietes sind aber ausradiert. Mitten im Bild nur der kurz vor der Vollendung stehende Sihlcity-Komplex.
Ich verstehe. Die Werber wollen uns das Verhältnis dieser grossen Sihlcity-Innovation zeigen. Diese so genannte „kleinste Grossstadt“ ist gewaltig. Sie wird 80 Läden, 13 Restaurants, 1 Fitness-/Wellnesscenter, 9 Kinos, 1 Kulturhaus, 4 Tanzflächen, 132 Hotelzimmer beherbergen. Eröffnung am 22. März 2007.
Aber wieder meine Frage: Werden Aussenstehende mit solchen Bildern nicht getäuscht? Zürich ist eine Stadt. Die Steine dominieren. Es gibt Grünflächen und Parks, aber keine unbebaute Landschaft, wie sie abgebildet ist. Und bitte: Ist denn ein solcher Führer nicht in erster Linie für Menschen gedacht, die Zürich entdecken wollen? Wir, die wir hier leben, können ob solchen Konstruktionen ja lachen. Muss ich jetzt immer warnen, wenn ich Freunden im In- und Ausland solche Broschüren zustelle, damit sie dann nicht enttäuscht sind?
Ein ähnliches Thema ist mir heute Morgen ganz unerwartet auch noch beim Kauf eines Liters Milch begegnet. Genau gesagt spreche ich von einem Liter Milchdrink mit dem Label „Zürich region“ und dem Hinweis des Migros-Engagements „Aus der Region. Für die Region“. Diese Milch hat unnötigerweise eine neue Verpackung bekommen. Die alte war schlicht und unspektakulär, gab aber den Eindruck von etwas Unverfälschtem, Natürlichem.
Jetzt wird mit der neuen Aufmachung auf ein Produkt der Region verwiesen und man benützt Bilder der Stadt. Im Label „Zürich region“ treffen wir das Grossmünster als Buchstabe „Ü“ an. Zudem ziert eine schlecht reproduzierte Foto des Limmatquais vier Seiten der Milchpackung. Züribiet ist aber nicht Stadt-Gebiet. Es weist auf den Kanton mit seiner Landwirtschaft hin. Die grafische Umsetzung orientiert sich aber nicht daran. Ich lebe seit 1947 in Zürich und habe nie bemerkt, dass am Limmatquai, einer langen Flaniermeile mit historischen Häusern, Kühe grasten.
In meinen Augen ist es eine Beleidigung den Milchproduzenten gegenüber, dass sie ihr landwirtschaftliches Produkt mit Bildern aus der Stadt verkaufen müssen. Hier fehlt so ziemlich in allen gestalterischen Belangen ein Feingefühl und Sorgfalt. Mich stört auch die unterschiedliche Schreibweise des Worts Region. Im Label klein, im so genannten Versprechen von Migros „Aus der Region. Für die Region.“ dann wieder gross.
Das alles beelendet mich. Etwas mehr Wahrhaftigkeit und Sorgfalt täte unserer Alltagswelt gut, und vor allem die Kinder fänden wieder eine Basis, auf der sie ihre Entdeckungen zu rechtem Wissen aufbauen könnten.
Beispiel: Das Restaurant „Mère Catherine“ im Nägelihof, nahe beim Grossmünster in Zürich, wirbt mit einer Postkarte für Mittelmeergefühle und die feine Mittelmeerküche in Zürich. Sie suggeriert Zürich mit Meeranstoss. Die Luftaufnahme über die rechte Seeuferseite, dort wo die Limmat aus dem See ausfliesst, wurde so verändert, dass es den Fluss nicht mehr gibt und Zürich mit feinem Sandstrand am Meer liegt. Das Limmatquai und die Altstadt rund ums Grossmünster blieben unangetastet. Für alle, die Zürich kennen, ist das eine lustige Sache. Schicke ich diese Karte aber Freunden, die noch nie in Zürich waren, nehmen sie automatisch an, sie entspreche der Wahrheit. Denn es fehlt ein Hinweis darauf, dass es sich um eine Fotomontage handelt.
Ebenso stört mich die Rückseite des „ZürichCARD-Guide 2007“, der für eine Pauschalkarte wirbt, die sowohl den Eintritt in über 40 Museen, freie Fahrt mit Tram, Bus, Bahn, Schiff und Seilbahn im Bereich des Zürcher Verkehrsverbunds und einige weitere Angebote beinhaltet. Das Titelblatt zeigt das Grossmünster mit dem Limmatschiff. Auf der Rückseite dieses Führers finden wir Zürich und Umgebung aus der Vogelperspektive. Ein Bild ganz in Grün, nur aus Landschaft bestehend. See, Limmat und Sihl sind angeschrieben. Die Stadt und die gesamte Besiedlung dieses Gebietes sind aber ausradiert. Mitten im Bild nur der kurz vor der Vollendung stehende Sihlcity-Komplex.
Ich verstehe. Die Werber wollen uns das Verhältnis dieser grossen Sihlcity-Innovation zeigen. Diese so genannte „kleinste Grossstadt“ ist gewaltig. Sie wird 80 Läden, 13 Restaurants, 1 Fitness-/Wellnesscenter, 9 Kinos, 1 Kulturhaus, 4 Tanzflächen, 132 Hotelzimmer beherbergen. Eröffnung am 22. März 2007.
Aber wieder meine Frage: Werden Aussenstehende mit solchen Bildern nicht getäuscht? Zürich ist eine Stadt. Die Steine dominieren. Es gibt Grünflächen und Parks, aber keine unbebaute Landschaft, wie sie abgebildet ist. Und bitte: Ist denn ein solcher Führer nicht in erster Linie für Menschen gedacht, die Zürich entdecken wollen? Wir, die wir hier leben, können ob solchen Konstruktionen ja lachen. Muss ich jetzt immer warnen, wenn ich Freunden im In- und Ausland solche Broschüren zustelle, damit sie dann nicht enttäuscht sind?
Ein ähnliches Thema ist mir heute Morgen ganz unerwartet auch noch beim Kauf eines Liters Milch begegnet. Genau gesagt spreche ich von einem Liter Milchdrink mit dem Label „Zürich region“ und dem Hinweis des Migros-Engagements „Aus der Region. Für die Region“. Diese Milch hat unnötigerweise eine neue Verpackung bekommen. Die alte war schlicht und unspektakulär, gab aber den Eindruck von etwas Unverfälschtem, Natürlichem.
Jetzt wird mit der neuen Aufmachung auf ein Produkt der Region verwiesen und man benützt Bilder der Stadt. Im Label „Zürich region“ treffen wir das Grossmünster als Buchstabe „Ü“ an. Zudem ziert eine schlecht reproduzierte Foto des Limmatquais vier Seiten der Milchpackung. Züribiet ist aber nicht Stadt-Gebiet. Es weist auf den Kanton mit seiner Landwirtschaft hin. Die grafische Umsetzung orientiert sich aber nicht daran. Ich lebe seit 1947 in Zürich und habe nie bemerkt, dass am Limmatquai, einer langen Flaniermeile mit historischen Häusern, Kühe grasten.
In meinen Augen ist es eine Beleidigung den Milchproduzenten gegenüber, dass sie ihr landwirtschaftliches Produkt mit Bildern aus der Stadt verkaufen müssen. Hier fehlt so ziemlich in allen gestalterischen Belangen ein Feingefühl und Sorgfalt. Mich stört auch die unterschiedliche Schreibweise des Worts Region. Im Label klein, im so genannten Versprechen von Migros „Aus der Region. Für die Region.“ dann wieder gross.
Das alles beelendet mich. Etwas mehr Wahrhaftigkeit und Sorgfalt täte unserer Alltagswelt gut, und vor allem die Kinder fänden wieder eine Basis, auf der sie ihre Entdeckungen zu rechtem Wissen aufbauen könnten.
Mittwoch, 31. Januar 2007
Der Held am Herd. Stoff für eine Geschichte aus dem Tram
Der öffentliche Verkehr hat mir schon manchmal Zufallskontakte oder Stoff für kleine Geschichten verschafft. So wieder einmal am letzten Samstag, als ich wegen des vielen Schnees nicht mit dem Velo zum Einkaufen fahren konnte. Auf dem Heimweg wurde ich auf einen etwa 5-jährigen Buben aufmerksam. Er sass auf dem Schoss des Vaters, direkt hinter mir. Er sprach mit seinem kleinen Bruder, wandte sich dann aber plötzlich an die Eltern und verkündete: „Ich will einen Rein sagen.“ Die Mutter korrigierte: „Einen Reim.“ Und der Bub meldete: „Ja, ich sage jetzt einen Reimt.“ Dieses Wort machte ihm Mühe, aber der Satz, der ihm wichtig war, kam flüssig aus ihm heraus: „Der Held kocht nicht am Herd.“
Ich hätte so gern laut gelacht. Diese Botschaft kam unerwartet, hatte keinen Bezug zum vorherigen Gespräch. Der Vater reagierte ganz nüchtern. Er sagte: „Ja, das stimmt.“
Soso, der Held kocht nicht am Herd. Wo denn? Draussen in der Wildnis, am offenen Feuer, am Meer oder zwischen Felsen? Und was kocht er? Brät er einen Hasen, den er gejagt hat oder vielleicht ein gestohlenes Huhn? Sicher nicht einen Cervelat aus der Hosentasche.
Gerne hätte ich gewusst, wo er den für ihn so wichtigen Satz aufgefangen hat. Am Fernsehen vielleicht? Und warum imponierte er ihm? Ich weiss es nicht. Meine Fragen stiegen einfach wie Luftblasen aus dem Wasser und zerplatzten dann. Eines steht aber für mich fest: Ein solcher Satz ist für Männer gemacht.
Wird dieser Knabe vielleicht in 30 oder 40 Jahren einmal erzählen, dass er diese Worte immer mit sich getragen habe? Sie hätten verhindert, dass er ein Stubenhocker geworden sei? Mut und Unerschrockenheit seien dank ihm zu seinen Zielen geworden?
Als ich am Abend dann am Herd stand und das Mehl für die Suppe röstete, dachte ich wieder an den kleinen Helden und wie wir uns voneinander unterscheiden. Er braucht keinen Herd, ich aber schon und zudem noch die Wärme einer Küche. Ich bin also keine Heldin, aber ich koche gern für die Helden meiner Familie.
Ab sofort nenne ich meine Mehlsuppe „Heldensuppe“, weil sie entstand, als ich zu dieser Einsicht fand.
Das Rezept ist einfach. Die Suppe gelingt immer, wenn ihr Zeit geschenkt wird.
Zutaten für 3 Portionen:
80 Gramm Halbweissmehl
40 Gramm Butter
1 ¼ Liter Fleischbrühe
Reibkäse nach Belieben
Zubereitung: Das Mehl wird in der Bratpfanne ohne eine Fettzugabe solange geröstet, bis es braun geworden ist. Bei mittlerer Hitze dauert das etwa 10 Minuten. Man soll ganz dabei sein, auf keinen Fall weglaufen. Ich benütze dafür einen Gusseisentopf oder die gusseiserne Bratpfanne. Keine Teflonpfanne.
Das Mehl wird mit einer Holzkelle oder einem Holzlöffel unaufhörlich gewendet, damit es nicht anbrennt. Dann wird Wasser und die Bouillonwürfel oder kalte, schon vorbereitete Fleischbrühe, zum braunen Mehl gegossen und mit dem Schwingbesen gemischt.
Aufkochen. Die Butter dazugeben.
Auf mittlerer Hitze 45–50 Minuten köcheln lassen.
Etwas überwachen. Von Zeit zu Zeit mit dem Schwingbesen lockern.
Mit Reibkäse abschmecken.
Diese Suppe hat mir schon manches Kompliment eingetragen.
Ich hätte so gern laut gelacht. Diese Botschaft kam unerwartet, hatte keinen Bezug zum vorherigen Gespräch. Der Vater reagierte ganz nüchtern. Er sagte: „Ja, das stimmt.“
Soso, der Held kocht nicht am Herd. Wo denn? Draussen in der Wildnis, am offenen Feuer, am Meer oder zwischen Felsen? Und was kocht er? Brät er einen Hasen, den er gejagt hat oder vielleicht ein gestohlenes Huhn? Sicher nicht einen Cervelat aus der Hosentasche.
Gerne hätte ich gewusst, wo er den für ihn so wichtigen Satz aufgefangen hat. Am Fernsehen vielleicht? Und warum imponierte er ihm? Ich weiss es nicht. Meine Fragen stiegen einfach wie Luftblasen aus dem Wasser und zerplatzten dann. Eines steht aber für mich fest: Ein solcher Satz ist für Männer gemacht.
Wird dieser Knabe vielleicht in 30 oder 40 Jahren einmal erzählen, dass er diese Worte immer mit sich getragen habe? Sie hätten verhindert, dass er ein Stubenhocker geworden sei? Mut und Unerschrockenheit seien dank ihm zu seinen Zielen geworden?
Als ich am Abend dann am Herd stand und das Mehl für die Suppe röstete, dachte ich wieder an den kleinen Helden und wie wir uns voneinander unterscheiden. Er braucht keinen Herd, ich aber schon und zudem noch die Wärme einer Küche. Ich bin also keine Heldin, aber ich koche gern für die Helden meiner Familie.
Ab sofort nenne ich meine Mehlsuppe „Heldensuppe“, weil sie entstand, als ich zu dieser Einsicht fand.
Das Rezept ist einfach. Die Suppe gelingt immer, wenn ihr Zeit geschenkt wird.
Zutaten für 3 Portionen:
80 Gramm Halbweissmehl
40 Gramm Butter
1 ¼ Liter Fleischbrühe
Reibkäse nach Belieben
Zubereitung: Das Mehl wird in der Bratpfanne ohne eine Fettzugabe solange geröstet, bis es braun geworden ist. Bei mittlerer Hitze dauert das etwa 10 Minuten. Man soll ganz dabei sein, auf keinen Fall weglaufen. Ich benütze dafür einen Gusseisentopf oder die gusseiserne Bratpfanne. Keine Teflonpfanne.
Das Mehl wird mit einer Holzkelle oder einem Holzlöffel unaufhörlich gewendet, damit es nicht anbrennt. Dann wird Wasser und die Bouillonwürfel oder kalte, schon vorbereitete Fleischbrühe, zum braunen Mehl gegossen und mit dem Schwingbesen gemischt.
Aufkochen. Die Butter dazugeben.
Auf mittlerer Hitze 45–50 Minuten köcheln lassen.
Etwas überwachen. Von Zeit zu Zeit mit dem Schwingbesen lockern.
Mit Reibkäse abschmecken.
Diese Suppe hat mir schon manches Kompliment eingetragen.
Mittwoch, 24. Januar 2007
Den Kindern schmerzt das Ohr, wenn sie giftige Töne hören
Es hiess, der mysteriöse Pfeifton würde nur von Kindern wahrgenommen. Er schmerze in ihren Ohren. Die Foto zum entsprechenden Bericht aus dem Tages-Anzeiger vom 30.12.2006 zeigt einen Knaben, der sich die Ohren zuhält. Er steht an der Kreuzung Uraniastrasse/Seidengasse in Zürich. Auch im Hauptbahnhof, im Durchgang von der Halle her gegen das Alfred-Escher-Denkmal hin, seien diese schrillen Töne zu hören. Aber nur von Kindern. Recherchen ergaben, dass sie von elektronischen Geräten zur Taubenabwehr ausgesendet werden.
Anders als Primo nahm ich die Mitteilung einfach hin, dass Erwachsene diese Pfeiftöne nicht mehr wahrnehmen könnten. Ich weiss, dass mein Gehör schon etwas abgewetzt ist. Er aber wollte bei Gelegenheit den besprochenen Ort finden und dort prüfen, wie es um seine Ton-Wahrnehmung steht. Gut. Sehr gut. Auch ich konnte das beschriebene Signal hören und den Rhythmus der Intervalle, übereinstimmend mit ihm, ausmachen. Das freute mich. Auch wenn uns der Ton nicht weh tat, konnten wir ihn doch hören.
Das brauchte aber seine Zeit. Wir mussten die Lärmquellen analysieren. Es war, wie wenn wir einzelne Instrumente aus einem Zusammenklang isolieren wollten. Wir erschraken über die Lärmfülle, über ihr Gemisch, dem wir täglich ausgesetzt sind und gelernt haben, es zu ignorieren. Da ist es verständlich, dass sich das Gehör im Alter erschöpft.
Das beweist mir auch die 90-jährige Celeste, die mir einen neuen Wecker zeigte und nicht wusste, ob er funktioniere. Sie drehte den Zeiger, bis es läutete. Sehr laut, wie ein Wecker schellt, wenn er einen aus dem Schlaf holen muss. Sie reagierte lange nicht, nahm ihn dann sicherheitshalber ans Ohr, um herauszufinden, ob er läute. Dann sagte sie: „Er funktioniert.“ Dass sie schwerhörig geworden ist, ist mir nicht entgangen. Aber, neben ihr stehend zu erleben, was schwerhörig wirklich heisst, erschütterte mich schon.
Den Ton am Fernsehgerät darf sie nicht mehr einschalten. Die vielen Reklamationen verhindern es. Die Lautstärke, die sie brauchen würde, wäre eine Zumutung an die Nachbarn im Heim. Sie gibt aber nicht auf. Sie verfolgt die Fortsetzungs-Serien mit grösstem Interesse und reimt sich die Geschichte selber zusammen. Sie brauche den Ton nicht, sagte sie mir. Sie könne sich die Geschichten selber ausdenken. Das sei spannend. Sie ahne vieles voraus. Gerade heute müsse eine Entscheidung fallen. Da sie immer noch gerne Familien- und Liebesgeschichten liest und ein Flair für Intrigen hat, bewegt das ihre Fantasie und füllt die vorbeiziehenden Bilder mit Leben.
Und die Tauben im Hauptbahnhof? Auch sie haben etwas begriffen. Mindestens 2 von ihnen wissen bereits, dass die giftigen Töne nicht lebensbedrohend sind. Ich sah sie friedlich auf einem Gewölbeabsatz im Umfeld der Pfeiftonanlage sitzen. Oder ist ihr Gehör auch schon so geschädigt, dass alles, was wehtun könnte, an ihnen abprallt?
Anders als Primo nahm ich die Mitteilung einfach hin, dass Erwachsene diese Pfeiftöne nicht mehr wahrnehmen könnten. Ich weiss, dass mein Gehör schon etwas abgewetzt ist. Er aber wollte bei Gelegenheit den besprochenen Ort finden und dort prüfen, wie es um seine Ton-Wahrnehmung steht. Gut. Sehr gut. Auch ich konnte das beschriebene Signal hören und den Rhythmus der Intervalle, übereinstimmend mit ihm, ausmachen. Das freute mich. Auch wenn uns der Ton nicht weh tat, konnten wir ihn doch hören.
Das brauchte aber seine Zeit. Wir mussten die Lärmquellen analysieren. Es war, wie wenn wir einzelne Instrumente aus einem Zusammenklang isolieren wollten. Wir erschraken über die Lärmfülle, über ihr Gemisch, dem wir täglich ausgesetzt sind und gelernt haben, es zu ignorieren. Da ist es verständlich, dass sich das Gehör im Alter erschöpft.
Das beweist mir auch die 90-jährige Celeste, die mir einen neuen Wecker zeigte und nicht wusste, ob er funktioniere. Sie drehte den Zeiger, bis es läutete. Sehr laut, wie ein Wecker schellt, wenn er einen aus dem Schlaf holen muss. Sie reagierte lange nicht, nahm ihn dann sicherheitshalber ans Ohr, um herauszufinden, ob er läute. Dann sagte sie: „Er funktioniert.“ Dass sie schwerhörig geworden ist, ist mir nicht entgangen. Aber, neben ihr stehend zu erleben, was schwerhörig wirklich heisst, erschütterte mich schon.
Den Ton am Fernsehgerät darf sie nicht mehr einschalten. Die vielen Reklamationen verhindern es. Die Lautstärke, die sie brauchen würde, wäre eine Zumutung an die Nachbarn im Heim. Sie gibt aber nicht auf. Sie verfolgt die Fortsetzungs-Serien mit grösstem Interesse und reimt sich die Geschichte selber zusammen. Sie brauche den Ton nicht, sagte sie mir. Sie könne sich die Geschichten selber ausdenken. Das sei spannend. Sie ahne vieles voraus. Gerade heute müsse eine Entscheidung fallen. Da sie immer noch gerne Familien- und Liebesgeschichten liest und ein Flair für Intrigen hat, bewegt das ihre Fantasie und füllt die vorbeiziehenden Bilder mit Leben.
Und die Tauben im Hauptbahnhof? Auch sie haben etwas begriffen. Mindestens 2 von ihnen wissen bereits, dass die giftigen Töne nicht lebensbedrohend sind. Ich sah sie friedlich auf einem Gewölbeabsatz im Umfeld der Pfeiftonanlage sitzen. Oder ist ihr Gehör auch schon so geschädigt, dass alles, was wehtun könnte, an ihnen abprallt?
Donnerstag, 18. Januar 2007
Schwamendingen ZH zeigt Auswege aus der Schuldenfalle
Wenn eine Schuldenberaterin (Frau Susanne Johannsen) und ein Stadtammann und Betreibungsbeamter aus dem Zürcher Kreis 4 (Herr Bruno Crestani) aus ihrer Praxis erzählen, geht das unter die Haut.
In Schwamendingen beschäftigt man sich diese Woche ausführlich mit der Verschuldung. Die Veranstaltungen, die von 4 Kirchgemeinden aus diesem Quartier organisiert worden sind, wollen Wege aus Armut und Resignation aufzeigen. Hier der Bericht über die 1. Abendveranstaltung.
Die Zahlen sind alarmierend. Innert 10 Jahren haben sich die Betreibungen verdoppelt. Waren es früher 2 von 10 Einwohnern dieses Stadtkreises, sind es in der Statistik von 2005 bereits 4 von 10 und heute vermutlich noch mehr.
Weiter hörten wir, dass ein Drittel aller Schweizerinnen und Schweizer zu unkontollierbarem Kaufverhalten neigen. Und die Hälfte unseres Volks will oder kann nicht sparen.
Wer seine Mittel aufgebraucht hat, zahlt heute einfach keine Steuern mehr oder schiebt die Mahnung der Krankenkasse beiseite. Die schweizerischen Krankenkassen bezifferten die Prämien-Ausstände pro Jahr auf 400 Millionen Franken. Diese müssen über Betreibungen hereingeholt werden.
Werbung und Kreditkarte gehören zu den Verführern. Werbung, weil sie uns bei den Sehnsüchten abholt und auf dieser Ebene permanent beeinflusst, und die Kreditkarte, weil sie die Übersicht vernebeln kann. Wer seine Auslagen bar bezahlt, merkt im richtigen Moment, wenn das Portemonnaie leer wird. Mit der Kreditkarte ist Überziehen aber möglich.
Es ist auch eine Sache des Selbstbewusstseins. Wer es nötig hat, andere zu beeindrucken, alles haben muss, um sicher auftreten zu können, tritt früher oder später in die Schuldenfalle. Man muss einteilen können und lernen, sich an einen Plan zu halten. Und man muss vor allem die Realität erkennen. So viel und nicht mehr steht mir zur Verfügung. Und ich muss wissen, wie viel das Leben kostet. Nach einer Faustregel soll die Miete höchstens ein Drittel des Monatslohns ausmachen, besser sogar nur ein Viertel. Eine Budget-Beratung kann einen Teufelskreis durchbrechen. Und Eltern sollten ihren heranwachsenden Kindern die Möglichkeit geben, sich im Einteilen zu üben. Frau Johannsen rät auch zu Spaziergängen in die Stadt, mit der festen Absicht, kein Geld auszugeben. Es geht darum, zu erfahren, dass Konsum nicht das ganze Leben ist. Eine solche Übung gelingt aber nur, wenn Väter oder Mütter selbst fähig sind, nicht jeder Verlockung zu erliegen.
Der klassische Schuldner sei übrigens männlich und geschieden, war zu hören.
Gut kommt die Kampagne der Stadtammänner an. Diese besuchen die Schulabgänger in der 3. Oberstufe und erzählen aus der Praxis. Lehrer und Schüler müssen ein Budget erstellen, und dieses wird mit den Fachleuten besprochen. Ähnlich wie Polizisten den Erstklässlern beibringen, wie sie die Strasse richtig überqueren, zeigt ein Stadtammann auf, wie wichtig es ist, die eigenen Mittel und deren Grenzen zu kennen. Diese realitätsnahe Orientierungshilfe durch eine Autorität beeindruckt. Die Schüler seien aufmerksam. Das Thema betrifft ihr Leben, sie selbst. Es wird ihnen auch aufgezeigt, wie eine Betreibung abläuft und dass diese registriert wird. Will nämlich jemand wissen, ob eine Person zahlungsfähig ist, kann im Betreibungsamt ihres Wohnortes nachgefragt werden. Jedermann, der das Interesse begründen kann, bekommt diese Auskunft. Für eine Wohnungsmiete kann die Antwort von einer solchen Stelle entscheidend sein. Im Jahr 2005 seien 88 000 solcher Anfragen beantwortet worden.
Alle wollen frei sein, wollen tun und lassen, was ihnen wichtig ist. Wenn aber Vernunft ausgeblendet wird, Alarmglocken unbekannt sind, wird diese Freiheit trügerisch. Sie macht unfrei. Ohne Vernunft und Übersicht kann sie ins Schuldengefängnis führen. Lebenslänglich.
Die Veranstalter wiesen auf folgende Internetadressen zum Thema Budget und Verschuldung hin:
www.budgetberatung.ch
Erhebungsblätter für die persönliche Budgetplanung und Ausgabenkontrolle.
www.maxmoney.ch
Lern- und Arbeitshilfen zum Thema Jugend und Geld
„Der Schuldentilger“ – ein Spiel zu Geld und knappen Finanzen
www.schulden.ch
Viele praktische Tipps rund um das Thema Schulden
www.toolbox-schulden.ch
Zeigt das praktische Vorgehen im Schuldenfall auf
www.schuldenhotline.ch
Tipps rund um das Thema Schulden. Informationen zum Betreibungsrecht.
In Schwamendingen beschäftigt man sich diese Woche ausführlich mit der Verschuldung. Die Veranstaltungen, die von 4 Kirchgemeinden aus diesem Quartier organisiert worden sind, wollen Wege aus Armut und Resignation aufzeigen. Hier der Bericht über die 1. Abendveranstaltung.
Die Zahlen sind alarmierend. Innert 10 Jahren haben sich die Betreibungen verdoppelt. Waren es früher 2 von 10 Einwohnern dieses Stadtkreises, sind es in der Statistik von 2005 bereits 4 von 10 und heute vermutlich noch mehr.
Weiter hörten wir, dass ein Drittel aller Schweizerinnen und Schweizer zu unkontollierbarem Kaufverhalten neigen. Und die Hälfte unseres Volks will oder kann nicht sparen.
Wer seine Mittel aufgebraucht hat, zahlt heute einfach keine Steuern mehr oder schiebt die Mahnung der Krankenkasse beiseite. Die schweizerischen Krankenkassen bezifferten die Prämien-Ausstände pro Jahr auf 400 Millionen Franken. Diese müssen über Betreibungen hereingeholt werden.
Werbung und Kreditkarte gehören zu den Verführern. Werbung, weil sie uns bei den Sehnsüchten abholt und auf dieser Ebene permanent beeinflusst, und die Kreditkarte, weil sie die Übersicht vernebeln kann. Wer seine Auslagen bar bezahlt, merkt im richtigen Moment, wenn das Portemonnaie leer wird. Mit der Kreditkarte ist Überziehen aber möglich.
Es ist auch eine Sache des Selbstbewusstseins. Wer es nötig hat, andere zu beeindrucken, alles haben muss, um sicher auftreten zu können, tritt früher oder später in die Schuldenfalle. Man muss einteilen können und lernen, sich an einen Plan zu halten. Und man muss vor allem die Realität erkennen. So viel und nicht mehr steht mir zur Verfügung. Und ich muss wissen, wie viel das Leben kostet. Nach einer Faustregel soll die Miete höchstens ein Drittel des Monatslohns ausmachen, besser sogar nur ein Viertel. Eine Budget-Beratung kann einen Teufelskreis durchbrechen. Und Eltern sollten ihren heranwachsenden Kindern die Möglichkeit geben, sich im Einteilen zu üben. Frau Johannsen rät auch zu Spaziergängen in die Stadt, mit der festen Absicht, kein Geld auszugeben. Es geht darum, zu erfahren, dass Konsum nicht das ganze Leben ist. Eine solche Übung gelingt aber nur, wenn Väter oder Mütter selbst fähig sind, nicht jeder Verlockung zu erliegen.
Der klassische Schuldner sei übrigens männlich und geschieden, war zu hören.
Gut kommt die Kampagne der Stadtammänner an. Diese besuchen die Schulabgänger in der 3. Oberstufe und erzählen aus der Praxis. Lehrer und Schüler müssen ein Budget erstellen, und dieses wird mit den Fachleuten besprochen. Ähnlich wie Polizisten den Erstklässlern beibringen, wie sie die Strasse richtig überqueren, zeigt ein Stadtammann auf, wie wichtig es ist, die eigenen Mittel und deren Grenzen zu kennen. Diese realitätsnahe Orientierungshilfe durch eine Autorität beeindruckt. Die Schüler seien aufmerksam. Das Thema betrifft ihr Leben, sie selbst. Es wird ihnen auch aufgezeigt, wie eine Betreibung abläuft und dass diese registriert wird. Will nämlich jemand wissen, ob eine Person zahlungsfähig ist, kann im Betreibungsamt ihres Wohnortes nachgefragt werden. Jedermann, der das Interesse begründen kann, bekommt diese Auskunft. Für eine Wohnungsmiete kann die Antwort von einer solchen Stelle entscheidend sein. Im Jahr 2005 seien 88 000 solcher Anfragen beantwortet worden.
Alle wollen frei sein, wollen tun und lassen, was ihnen wichtig ist. Wenn aber Vernunft ausgeblendet wird, Alarmglocken unbekannt sind, wird diese Freiheit trügerisch. Sie macht unfrei. Ohne Vernunft und Übersicht kann sie ins Schuldengefängnis führen. Lebenslänglich.
Die Veranstalter wiesen auf folgende Internetadressen zum Thema Budget und Verschuldung hin:
www.budgetberatung.ch
Erhebungsblätter für die persönliche Budgetplanung und Ausgabenkontrolle.
www.maxmoney.ch
Lern- und Arbeitshilfen zum Thema Jugend und Geld
„Der Schuldentilger“ – ein Spiel zu Geld und knappen Finanzen
www.schulden.ch
Viele praktische Tipps rund um das Thema Schulden
www.toolbox-schulden.ch
Zeigt das praktische Vorgehen im Schuldenfall auf
www.schuldenhotline.ch
Tipps rund um das Thema Schulden. Informationen zum Betreibungsrecht.
Donnerstag, 11. Januar 2007
„Glaubenssache“ nimmt die Glaubenslandschaft ins Visier
„Wir glauben an Gott, an Allah, an Engel, Karl Marx oder an die Kraft der Gedanken. Wir beten zu Maria, meditieren vor Buddha oder legen Karten. Wir glauben. Aber immer weniger von uns glauben das Gleiche.“ Dies ist der Eingangstext im Internet zur Ausstellung „Glaubenssache“.
Die Ausstellungsmacher stellen auch andere Fragen. Nach der Gottesvorstellung, nach dem Gebet, nach der Teilnahme an Gottesdiensten, nach dem Einbezug der Religion in den Alltag usw. Und sie setzen voraus, dass es Gläubige und Ungläubige gibt. So waren denn auch Primo und ich aufgefordert, jene Tür zu wählen, der wir uns zugehörig fühlen. Ich wählte provokativ die Eingangstür für Ungläubige, Primo jene für die Gläubigen. Im Inneren angekommen, haben wir uns sofort wieder getroffen. Doch der Museumsangestellte, der uns die Eintrittskarten verkaufen musste, hatte schon registriert, woher wir kamen und uns je einen (vielleicht entsprechenden) Datenstick für das Glaubenspositions-Spiel übergeben. Ich dachte mir, dass ich möglicherweise als so genannt Ungläubige interessante Argumente für den Glauben bekäme. Das war falsch. Hier wird nicht missioniert. Hier wird die Glaubenslandschaft in der Schweiz dargestellt. Und mit unseren Antworten, die wir dem ausgehändigten Stick aufluden, kann später noch weitere Forschung betrieben werden.
Auf dem Rundgang erzählen 4 Männer und 5 Frauen von ihrem Gottesbild und Glauben. Sie gehören verschiedenen Religionen an. Auf mehrere Kabinen verteilt, sind ihre Aussagen ab Video abrufbar. Es kam mir vor, als sei ich bei ihnen zu Besuch gekommen. Die bequemen Hocker machten es möglich, sich so zu fühlen.
Im grossen Raum werden verschiedene Videos mit Ausschnitten aus Gottesdiensten der hier vertretenen Glaubensrichtungen gezeigt. Jeder Beitrag verlangt aber einen Platzwechsel. Die einzelnen Filme werden immer wieder an die gegenüberliegende Wand projiziert.
Ganz eindrücklich wirkte auf mich die Wand mit den 100 persönlichen Dingen aus der Glaubensbiografie verschiedenster Menschen. Devotionalien, also Andachtsgegenstände, zum Teil aus fernsten Ländern. Es sind Gegenstände mit emotionalem Wert, die den Besitzern in gewissen Situationen Halt geben oder eine Verbindung zu einem lieben Menschen herstellen können. Zu jedem ausgeliehenen Gegenstand kann die dazugehörige Erklärung gelesen werden. Es sind berührende Gedanken und Erfahrungen, die etwas sehr Intimes preisgeben.
Der Computer, der nach jeder Ausstellungsetappe etwas von uns wissen wollte, beschenkte uns am Schluss mit der Auswertung: Dem persönlichen Glaubensprofil gemäss unseren Antworten. Ganz interessant. Es war eine spielerische Erfassung. Dem Resultat konnte ich zustimmen. Ich vermute, dass die Eingangstür der Ungläubigen meine sonst ehrlichen Antworten nicht verfälschen konnte.
Solche Ausstellungen regen auch Tage danach noch zu interessanten Diskussionen an, und sie vermitteln Respekt.
Weitere Informationen im Internet: www.stapferhaus.ch/ausstellungen.html
Diese Ausstellung im Zeughaus-Areal in Lenzburg kann bis 29. April 2007 besucht werden.
Die Ausstellungsmacher stellen auch andere Fragen. Nach der Gottesvorstellung, nach dem Gebet, nach der Teilnahme an Gottesdiensten, nach dem Einbezug der Religion in den Alltag usw. Und sie setzen voraus, dass es Gläubige und Ungläubige gibt. So waren denn auch Primo und ich aufgefordert, jene Tür zu wählen, der wir uns zugehörig fühlen. Ich wählte provokativ die Eingangstür für Ungläubige, Primo jene für die Gläubigen. Im Inneren angekommen, haben wir uns sofort wieder getroffen. Doch der Museumsangestellte, der uns die Eintrittskarten verkaufen musste, hatte schon registriert, woher wir kamen und uns je einen (vielleicht entsprechenden) Datenstick für das Glaubenspositions-Spiel übergeben. Ich dachte mir, dass ich möglicherweise als so genannt Ungläubige interessante Argumente für den Glauben bekäme. Das war falsch. Hier wird nicht missioniert. Hier wird die Glaubenslandschaft in der Schweiz dargestellt. Und mit unseren Antworten, die wir dem ausgehändigten Stick aufluden, kann später noch weitere Forschung betrieben werden.
Auf dem Rundgang erzählen 4 Männer und 5 Frauen von ihrem Gottesbild und Glauben. Sie gehören verschiedenen Religionen an. Auf mehrere Kabinen verteilt, sind ihre Aussagen ab Video abrufbar. Es kam mir vor, als sei ich bei ihnen zu Besuch gekommen. Die bequemen Hocker machten es möglich, sich so zu fühlen.
Im grossen Raum werden verschiedene Videos mit Ausschnitten aus Gottesdiensten der hier vertretenen Glaubensrichtungen gezeigt. Jeder Beitrag verlangt aber einen Platzwechsel. Die einzelnen Filme werden immer wieder an die gegenüberliegende Wand projiziert.
Ganz eindrücklich wirkte auf mich die Wand mit den 100 persönlichen Dingen aus der Glaubensbiografie verschiedenster Menschen. Devotionalien, also Andachtsgegenstände, zum Teil aus fernsten Ländern. Es sind Gegenstände mit emotionalem Wert, die den Besitzern in gewissen Situationen Halt geben oder eine Verbindung zu einem lieben Menschen herstellen können. Zu jedem ausgeliehenen Gegenstand kann die dazugehörige Erklärung gelesen werden. Es sind berührende Gedanken und Erfahrungen, die etwas sehr Intimes preisgeben.
Der Computer, der nach jeder Ausstellungsetappe etwas von uns wissen wollte, beschenkte uns am Schluss mit der Auswertung: Dem persönlichen Glaubensprofil gemäss unseren Antworten. Ganz interessant. Es war eine spielerische Erfassung. Dem Resultat konnte ich zustimmen. Ich vermute, dass die Eingangstür der Ungläubigen meine sonst ehrlichen Antworten nicht verfälschen konnte.
Solche Ausstellungen regen auch Tage danach noch zu interessanten Diskussionen an, und sie vermitteln Respekt.
Weitere Informationen im Internet: www.stapferhaus.ch/ausstellungen.html
Diese Ausstellung im Zeughaus-Areal in Lenzburg kann bis 29. April 2007 besucht werden.
Mittwoch, 3. Januar 2007
Küche aus Persien: Rezepte und spannende Geschichten
Wenn ich den Schalk in den Gesichtern der Gebrüder Kahkesh sehe, verstehe ich gut, dass sie die Erzählung „Die allwissende Nachbarin“, quasi als pädagogisches Gewürz, in ihr Kochbuch einbezogen haben.
In der angesprochenen Geschichte geht es um ein wunderbares Reis-Rezept, das die neu zugezogene Nachbarin der hier ansässigen vermitteln soll. Ihr Mann durfte das Gericht bereits kosten, als er den neuen Nachbarn willkommen hiess. Er schwärmte davon, hatte zum Nachbarn schon gesagt, dass sogar der König ihn um seine Gattin beneiden würde, wenn er wüsste, welch kulinarische Kunstwerke sie zu zaubern vermöge. Und jetzt sollte seine Frau bei dieser tüchtigen Köchin lernen, deren Safranreis nachzukochen. Sie war nicht begeistert.
Wir erfahren, dass seine Frau darob ganz still geworden sei und gedacht habe: „Statt sich für seine Abwesenheit zu entschuldigen, schwärmt er wie ein kleiner, gefrässiger Junge von den angeblichen Köstlichkeiten.“
Erst als er ihr seine Strategie auffächerte, machte sie mit. Er erinnerte sie an ihre Schwester, die bei jedem Essen Verbesserungsvorschläge mache und sie belehre, was zu tun sei, damit der Reis nicht zu körnig oder zu salzig sei. Ein solches Gericht könnte sie beeindrucken und sie von unerwünschten Ratschlägen befreien.
Sie fragte also an und durfte der Nachbarin beim Kochen zuschauen. Sie machte aber einen grossen Fehler. Sie kommentierte alle Schritte mit gespielter Überraschung: „Oh, was für ein Zufall. Ich mache es auch so.“ Oder „Kaum zu glauben, ich mache es auch so.“ Sie wollte nicht die Unwissende sein. Da fühlte ich mit ihr. Ihr Selbstwertgefühl musste sehr angeschlagen sein.
Und dieses Verhalten wurde ihr zum Verhängnis. Die Nachbarin wurde wütend, fragte sich, warum diese Frau bei ihr etwas lernen wolle, wo sie doch alles schon wüsste. So änderte sie kurz entschlossen das Schlussbouquet im Rezept, sagte dazu, dieses könne sie unmöglich kennen. Sie holte im Hof einen frischen Pferdeapfel (Schweizerdeutsch: Ross-Bolle), legte ihn obenauf und schloss den Deckel. Jetzt musste sich dessen Aroma nur noch dem ganzen Gericht einverleiben. 1 Stunde Wartezeit sei angemessen. Die Schülerin wartete aber nicht und verliess eiligst die Versuchsküche.
Sie stürmte nach Hause, hiess den Mann die Schwester und deren Familie einladen und kochte das Gericht, wie sie es eben gesehen hatte. Ob wissend oder unwissend – das weiss ich nicht – provozierte sie Unmut, Streit, ein grosses Desaster. Die Einzelheiten erzähle ich hier nicht. Die ganze Geschichte kann im Kochbuch „Gaumenfreude aus Persien“ nachgelesen werden.
Dieses reich ausgestattete Buch ist auch ein Kunstbuch, ein Lexikon, ein Fotobuch und windet der persischen Kultur und ihrer Küche den ihr gebührenden Kranz. Die bebilderten Rezepte wirken sinnlich. Ich habe selber schon danach gekocht und glücklicherweise keine Fallen entdeckt. Der Pferdeapfel als Aroma-Verstärker wurde nur in der Geschichte als eine Erziehungsmethode eingesetzt.
Und jetzt stelle ich mir vor, dass der Autor der erwähnten Geschichte (Reza Haidari Kahkesh) herzlich über mich lacht, falls er diesen Aufsatz liest. Ja, diese persisch-orientalische Geschichte hat mich beeindruckt.
Hinweis
„Gaumenfreude aus Persien“ aus dem regura-Verlag.
Autoren: Reza Haidari Kahkesh & Babak Haidari Kahkesh
In der angesprochenen Geschichte geht es um ein wunderbares Reis-Rezept, das die neu zugezogene Nachbarin der hier ansässigen vermitteln soll. Ihr Mann durfte das Gericht bereits kosten, als er den neuen Nachbarn willkommen hiess. Er schwärmte davon, hatte zum Nachbarn schon gesagt, dass sogar der König ihn um seine Gattin beneiden würde, wenn er wüsste, welch kulinarische Kunstwerke sie zu zaubern vermöge. Und jetzt sollte seine Frau bei dieser tüchtigen Köchin lernen, deren Safranreis nachzukochen. Sie war nicht begeistert.
Wir erfahren, dass seine Frau darob ganz still geworden sei und gedacht habe: „Statt sich für seine Abwesenheit zu entschuldigen, schwärmt er wie ein kleiner, gefrässiger Junge von den angeblichen Köstlichkeiten.“
Erst als er ihr seine Strategie auffächerte, machte sie mit. Er erinnerte sie an ihre Schwester, die bei jedem Essen Verbesserungsvorschläge mache und sie belehre, was zu tun sei, damit der Reis nicht zu körnig oder zu salzig sei. Ein solches Gericht könnte sie beeindrucken und sie von unerwünschten Ratschlägen befreien.
Sie fragte also an und durfte der Nachbarin beim Kochen zuschauen. Sie machte aber einen grossen Fehler. Sie kommentierte alle Schritte mit gespielter Überraschung: „Oh, was für ein Zufall. Ich mache es auch so.“ Oder „Kaum zu glauben, ich mache es auch so.“ Sie wollte nicht die Unwissende sein. Da fühlte ich mit ihr. Ihr Selbstwertgefühl musste sehr angeschlagen sein.
Und dieses Verhalten wurde ihr zum Verhängnis. Die Nachbarin wurde wütend, fragte sich, warum diese Frau bei ihr etwas lernen wolle, wo sie doch alles schon wüsste. So änderte sie kurz entschlossen das Schlussbouquet im Rezept, sagte dazu, dieses könne sie unmöglich kennen. Sie holte im Hof einen frischen Pferdeapfel (Schweizerdeutsch: Ross-Bolle), legte ihn obenauf und schloss den Deckel. Jetzt musste sich dessen Aroma nur noch dem ganzen Gericht einverleiben. 1 Stunde Wartezeit sei angemessen. Die Schülerin wartete aber nicht und verliess eiligst die Versuchsküche.
Sie stürmte nach Hause, hiess den Mann die Schwester und deren Familie einladen und kochte das Gericht, wie sie es eben gesehen hatte. Ob wissend oder unwissend – das weiss ich nicht – provozierte sie Unmut, Streit, ein grosses Desaster. Die Einzelheiten erzähle ich hier nicht. Die ganze Geschichte kann im Kochbuch „Gaumenfreude aus Persien“ nachgelesen werden.
Dieses reich ausgestattete Buch ist auch ein Kunstbuch, ein Lexikon, ein Fotobuch und windet der persischen Kultur und ihrer Küche den ihr gebührenden Kranz. Die bebilderten Rezepte wirken sinnlich. Ich habe selber schon danach gekocht und glücklicherweise keine Fallen entdeckt. Der Pferdeapfel als Aroma-Verstärker wurde nur in der Geschichte als eine Erziehungsmethode eingesetzt.
Und jetzt stelle ich mir vor, dass der Autor der erwähnten Geschichte (Reza Haidari Kahkesh) herzlich über mich lacht, falls er diesen Aufsatz liest. Ja, diese persisch-orientalische Geschichte hat mich beeindruckt.
Hinweis
„Gaumenfreude aus Persien“ aus dem regura-Verlag.
Autoren: Reza Haidari Kahkesh & Babak Haidari Kahkesh
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