Mittwoch, 11. Juli 2018

Brieffreundschaft Schweiz–Norwegen und zurück

Von Primo gemalt: Die fliegenden Briefe
Ich konnte meine norwegische Brieffreundin Brit wieder einmal in Zürich begrüssen. Nach Ferien im Wallis wollte sie uns vor der Heimreise noch sehen und mit uns sprechen.

Wir kennen uns schon lange. Sehr lange. Und dieses «Kennen lernen» entwickelte sich nach und nach. Jahre lang, immer auf Papier. Als wir jung waren, gab es noch keine Computer. Wir schrieben Briefe, schickten einander Drucksachen und Fotos, wenn wir unser Land, unser Zuhause und unsere Geschichten vorstellen wollten.

Im letzten Ausbildungsjahr in der «Handelsschule des kaufmännischen Vereins Zürich» (Frühjahr 1958) führte uns der Klassenlehrer in verschiedene Firmen. Er wies darauf hin, dass wir nicht nur an der kaufmännischen Seite eines Betriebs interessiert sein sollen. Zu jeder Firma gehöre ein Fachgebiet, eine Branche, und speziell für sie sollte ebenfalls eine Vorliebe vorhanden sein.

Er besuchte dann mit unserer Klasse die Firma PUBLICITAS in Zürich. Dort wurde uns der Betrieb gezeigt. Noch heute «höre» ich wie der Gastgeber uns die Dienste seiner Firma beschrieb. Er sagte: Sollte jemand von Ihnen einmal ein Inserat in eine ausländische Zeitung oder Zeitschrift aufgeben wollen, dann sind Sie bei uns am richtigen Ort. Die PUBLICITAS verfüge weltweit Zugang zu Zeitungs-Verlagen und zu entsprechenden Fachleuten für Übersetzungen. Da dachte ich sofort: Diesen Dienst werde ich einmal nützen, obwohl ich noch nicht wusste, wofür.

Es dauerte dann einige Jahre bis sich mein Versprechen erfüllte. Langsam war ein Interesse am Norden und seinen Menschen gewachsen. Inzwischen war ich verheiratet und Mutter geworden. Mit kleinen Kindern wollte ich damals nicht ins Ausland reisen. Darum wünschte ich mir Brief-Kontakte mit ebenfalls einer Familienfrau, um das Leben aus ihrem Land kennen zu lernen.

Eines Tages erinnerte ich mich an PUBLICITAS und gab ein kleines Inserat in der norwegischen Tageszeitung AFTENPOSTEN auf. Ich wollte Menschen aus Norwegen kennen lernen. Am liebsten auch eine Familienmutter oder überhaupt eine Familie. Mein Inserat wurde offensichtlich perfekt übersetzt. Es meldeten sich bald 3 Frauen.
Mit Brit in Basel
Schiffsreise zu Annedore
Unicef-Karte, Stickbild von Elna Knudsen
Brit: Norwegerin, Volksschullehrerin, Annedore: Buchhändlerin, eine Frau aus Ostberlin, die mit einem Norweger verheiratet war, Elna: Künstlerin, siehe Stickbild, Finnländerin, mit einem Norweger verheiratet. Sie lebte nicht mehr als wir endlich nach Norwegen kamen. Aber ihre Töchter erzählten, dass es immer besondere Momente gewesen seien, wenn Post aus der Schweiz eingetroffen sei und Mama in den Lehnstuhl sass und ihnen erzählte, was ich berichtete.

Brit wurde von ihrer Nachbarin auf das Inserat aufmerksam gemacht. Diese hatte es im Hausfrauenblatt von AFTENPOSTEN entdeckt und ihr geraten, mir zu schreiben. Und bald einmal reiste sie sogar mit einem ihrer Kinder zu uns nach Zürich. Wir verstanden uns sofort und fühlen uns bis heute freundschaftlich verwandt.

Unsere Korrespondenz entwickelte sich für uns alle als eine Art Lebens-Elixier.

Im Jahr 1996 wurde es dann für Primo und mich möglich, die nordischen Freundinnen zu besuchen. Die Frauen und ihre Familien hatten sich inzwischen untereinander auch kennen gelernt. So kam es, dass wir von Familie zu Familie weitergereicht wurden. Alle zeigten gern ihre Welt und erzählten von ihren Aufgaben. Brit hatte es verstanden, sie miteinander bekannt zu machen.
Mit Brit in Trondheim
Wieder zu Hause, schrieb ich ins Tagebuch, in Norwegen hätte ich mich immer beschützt und wohlgefühlt.

Zwei der Brieffreundinnen sind seither schon gestorben. Brit konnte uns dieser Tage, wie schon erwähnt, zusammen mit der einen Tochter nochmals in Zürich besuchen. Wir erinnerten uns an das damalige Inserat von mir. Sie konnte den Text (nach ungefähr 36 Jahren) auswendig zitieren. Auch für sie ist die Freundschaft Norwegen—Schweiz ein Geschenk des Lebens.

Im vergangenen Mai hat uns in Zürich PUBLICITAS überrascht. Wir lasen in der Tageszeitung eine traurige Mitteilung: 11.5.2018 — Eine uralte Institution der Schweizer Presse steht vor ihrem Ende. Am Freitag hat die Publicitas beim Bezirksgericht ihren Konkurs angemeldet.

Donnerstag, 28. Juni 2018

Erschreckender Strukturwandel

Es öffnete sich mir plötzlich eine grandiose Bühne, als ich die Hardturmstrasse auf dem Velo verliess und in der Förrlibuckstrasse weiterfuhr. Nichts ahnend, was mich auf dieser Strecke erwartete. Einige wenige Blicke schenkte ich den renovierten Familienhäusern, die ich seit meiner Kindheit kenne. Der Arbeitgeber «Schaffhauser Wolle» stellte sie seinen Arbeitern zur Verfügung. Eine Mitschülerin aus der Primarschule wohnte hier. Ich durfte sie dort besuchen und bewunderte diesen damals idyllischen Ort mit seinen Gärten und der grossen Wiese. Besonders auch die Rosen am Eingangstor.

Später, als ich mit der Familie in einem Bernoullihaus an der Hardturmstrasse wohnte und ich für Einkäufe zur Pfingstweidstrasse fuhr, kam ich ebenfalls an diesen Häusern vorbei. Da musste ich aus der Geraden in eine schmale S-Kurve abzweigen. Die Pedalen durften ruhen. Das Rad führte weiter. Und in diesen wenigen Momenten erlebte ich auch inneres Loslassen. Da meldeten sich Antworten und Einsichten, nach denen ich lange Zeit vorher gesucht habe. Seltsam schön. Solche Momente gab es mehrmals. Jedesmal unerwartet. Diesmal einfach als Erinnerung an damals. Ich meinte die innere Stimme zu hören: «Weisst Du noch?»

Diese Rückschau dauerte nur Sekunden lang, denn rechtsseitig öffnete sich mir eine gigantische Abbruch-Bühne. Ich stellte das Velo ab, schlenderte eine Weile umher, dachte an alte Zeiten, überlegte mir, wo genau der Bauernhof der Familie Buob untergegangen sein muss. Und sofort wünschte ich mir, dass ich mit Primo zusammen diesen Ort noch genauer anschauen könne.

Der Wunsch wurde sofort erfüllt. Nach dem Mittagessen fuhren wir dorthin. Der Fotoapparat war dabei. Die Aufnahmen können nun für sich selbst sprechen. Besser als meine Worte.

Obwohl schon Wochen zuvor über den vorgesehenen Abbruch eines nur ungefähr 30 Jahre alten Gebäudes gesprochen und geschrieben wurde, erschraken wir beide. Zu sehen, wie ein gesundes Gebäude umgebracht wird, erschüttert einen. Begründet wird diese Form von Totschlag mit «Strukturwandel».

Ich bin in diesem Umfeld aufgewachsen. Darum versuchte ich wieder einmal, das Zuhause aus der Kindheit an den überbauten Orten im Stadtkreis Zürich 5 zu platzieren. Einen Überblick spendete die alte Aufnahme mit dem Fussballstadion Förrlibuck aus dem Buch «Zürich – im Flug gesehen» (Orell Füssli-Verlag). Im linken Bereich oben der Bauernhof der Familie Johann und Marie Buob und rechts oben im Bild mein Zuhause in der Glas- und Spiegel-Manufaktur Müller-Quendoz an der Hardturmstrasse.

Förrlibuck, was bedeutet dieser Name?
Erst seit gestern weiss ich es. Im Internet wurde die Antwort gefunden: Das immaterielle Wesen, auf den die universelle Schuld abgewälzt wird. Ein Förrlibuck sei eine Steigerungsform vom Sündenbock. Stimmt offenbar mit der erwähnten Situation überein.

Freitag, 18. Mai 2018

CARPE DIEM – geflügeltes, lateinisches Wort

Es wird allgemein leicht variiert verstanden.
Pflücke den Tag, geniesse den Tag, nütze den Tag.

Wenn ich jeweils an diesem Ort vorbeikomme, freue ich mich jedes Mal an der kühlen Schönheit des Brunnens, der zwischen den Backsteinwohnungen Mittelpunkt sein darf. Manchmal treffe ich ihn in Gesellschaft mit Schattenbildern und wenn der Wind noch dazu kommt, sehe ich am Boden die Tänze der Baumblätter.

Heute traf ich den Brunnen aber im eigenen Fotoarchiv. Mit derselben Ausdruckskraft, mich ansprechend wie fliessendes Wasser. Und sogleich erkannte ich für mich den ruhigen Tag, den ich mit Erinnerungen geniessen kann.
www.intarsien.de

Ende April wurden wir im deutschen Koblenz erwartet. Freunde wollten uns an Orte führen, die wir allein kaum erreicht hätten. Andererseits wünschte sich Primo, nochmals nach Mehrmut zu kommen. Dort befindet sich das Intarsienmuseum und die Schule von Heinz Echtermann und Corinna Schmeisser. Es wurde ein herzliches Wiedersehen. Das intarsienmuseum und die dazugehörige Schule haben sich mächtig entwickelt. Unsere Freunde staunten. Sie kannten die «Welt voller Märchen und Wunder» noch nicht. So benennt Heinz Echtermann das Holz. Noch immer entlockt er diesem lebendigen Material zauberhafte Bilder.

Auch am weiten Himmel entstanden lebhafte Bilder. Auf heiterem Blau spielten Wolkenfrachten ihre Ausfahrten. Da befanden wir uns im Gebiet der Eifel, einem grossartigen Mittelgebirge gegen Belgien und Luxemburg hin. Zur Zeit unserer Reise blühte der Raps. Sein Gelb malte viele Felder aus. Primo zeichnete nach der Heimkehr aus dem Erlebten seine persönliche Erinnerung.

Ebenfalls in der Eifel gefunden: Die Bruder-Klaus-Kapelle, die vom Schweizer Stararchitekt Peter Zumthor im Auftrag der Bauernfamilie Scheidtweiler aus Wachendorf gestaltet worden ist. Wir hatten schon vor einiger Zeit Publikationen über Zumtors Meisterwerk gelesen, hätten den Weg ohne Auto dorthin kaum angetreten und den Ort vielleicht gar nicht gefunden.

Bruder Klaus wird oft als Landesvater der Schweiz verehrt. Er gehöre aber allen, heisst es in unserem Land, auch wenn er von der katholischen Kirche heilig gesprochen worden ist. Sein Leben als Eremit ist von Visionen gekennzeichnet. Er soll zwanzig Jahre ohne Speis und Trank gelebt haben. Er war ein Mahner, wies den Weg zum Frieden.
Zum Andenken an diesen Menschen ist in Deutschland eine aussergewöhnliche Feld-Kapelle erbaut worden. Als wir sie von weit her erkannten, erschien uns der Bau wie ein riesiger Kasten, einfach so ins Feld gestellt. Mit keinem Bezug zur Natur oder zu Menschen. Doch je näher wir diesem Gebäude kamen, desto näher kamen wir auch Bruder Klaus. Sah ich im vierkantigen Gebäude zuerst nur etwas Eckiges, eröffnete mir dann der innere Weg eine andere Welt. Ich ging allein voraus. Sobald ich dem schmalen, leicht schlangenförmigen Weg folgte – etwas anderes war gar nicht möglich - waren alle harten Ecken verschwunden. Der Weg führte mich ohne Voraussicht ins Innerste. Ich ging ihn, weil er mich führte und landete dann in der Mitte. Das Licht, das von oben im offenen Rund die Kapelle beschien, war das Sonnenlicht. Das dachlose Gebäude wurde vom Himmel erhellt. Der Innenraum war mit 112 Fichtenstämmen geformt worden. Wie wir später lesen konnten, sei diese Baumkonstruktion mit Beton umgossen und drei Wochen lang durch ein Köhlerfeuer getrocknet worden. Dann wurden die Bäume von oben her aus der Öffnung gezogen. Und in dieser Mitte, die zum Licht nach oben führt, fühlte ich mich abgehoben, nicht zu Hause, aber auch nicht in der Fremde. Das Licht von oben wies den Weg. Erst als ich es fotografiert habe, las ich auf dem Rückweg «Fotografieren verboten». Entschuldigung.
Der Turm ist übrigens von allen Seiten mit Glashalbkugeln bestückt. Diese stecken in den Vertiefungen, die das Verschalungsgerüst hinterlassen hat. Sie bilden eine Art Sternenhimmel.
www.feldkapelle.de

In Schleiden, im Garten vom Kloster Steinfeld, durchwanderten wir auch noch das grosse Labyrinth. Unsere Freunde hatten noch keine Gelegenheit, je ein Labyrinth zu betreten. Das erlebte Modell führt auf immer demselben Weg in die Mitte und auf ihm wieder aus ihr heraus und an den Anfang zurück. Man konnte sich nicht verirren. Es gab nur diesen einzigen Weg und er schenkte die Sicherheit, dass er uns sowohl zur Mitte, wie auch wieder an den Eingang zurück führen werde. Ein Symbol des Lebens. Andere Labyrint-Formen verlangen Entscheidungsfreudigkeit und können auf Irrwege führen. Wir freuten uns, dass der Erstlingseindruck für unsere Freunde so positiv erlebt werden konnte.
www.kloster-steinfeld.de

Als Abschluss unserer Reisen erlebten wir dann in Andernach noch den höchsten Kaltwasser Geysir der Welt. Um zum Geysir zu gelangen, wird man mit dem Schiff zur Halbinsel Namedyer Werth gefahren. Zuvor besuchten wir noch das Geysir-Zentrum, wo die Reise zuerst unter die Erde führte. Danach konnten wir eine 15-Minuten dauernde Schifffahrt auf dem Rhein erleben, um zum Naturschutzgebiet Namedyer Werth zu gelangen. Dort erlebten wir den Geysir Andernach. Andächtig standen wir alle da, schauten zu, wie die Fontäne majestätisch zum Himmel stieg.
www.geysir-andernach.de

Und jetzt will mein Text und die dazugehörigen Bilder noch erzählen, dass die Zusammenfassung wirklich zum CARPE DIEM geworden ist.

Sonntag, 22. April 2018

Unser Zürich-Höngg — Schatten alter Erinnerungen

Dieser Tage kamen wir wieder einmal nach Höngg. Hier begann vor 55 Jahren das gemeinsame Leben.

Wir besuchten die Ausstellung der farbig ausstrahlenden FIERZ-BILDER in den Räumen der HÖNGGER-ZEITUNG.
Nach dem Ausstellungsbesuch begann unser Heimweg nach sehr langer Zeit wieder einmal auf dem Chilesteig den Rebhang hinunter, zum ersten gemeinsamen Zuhause «Am Wasser 145». Oben noch stillstehend, mit weitem Blick zur Innenstadt und an diesem Abend auch in die Alpen. Primo sinnierte später darüber, dass uns damals Weite von oben her und solche aus der Stube geschenkt worden seien. Wir wohnten im 3. Stock mit Blick auf die Limmat, die sich vor unseren Augen schlängelte. Weite umgab uns. Sie mag uns beeinflusst haben.
Das Haus war renovationsbedürftig und in keiner Weise komfortabel. Das WC pro Etage für alle Personen, nicht für die persönliche Familie. In der Stube stand ein kleiner Ofen. Mit Holz wärmten wir unser Zuhause. Im ersten Winter erlebten wir die Seegfrörni. Die Milchpackung, die ich in der mit einem Glasfenster abschliessbare Dachlukarne kühl halten wollte, gefror zum Eisklotz.

Wir fühlten uns glücklich an diesem Ort, weil wir unser Nest selber bauen konnten. Wir fühlten uns wohl, auch deshalb, weil Primo als Schreiner mit seinen Talenten für viele Reparaturen zuständig war.

Ein Beweis dafür: An einem Montagmorgen stand ein Polizist vor unserer Wohnungstür. Er sammelte Informationen. In der Nacht vom Freitag auf den Samstag sei die Polizei wegen einer Schlägerei in dieses Haus gerufen worden. Wie wir den Lärm erfahren hätten, wollte er wissen. Keine Ahnung! «Sie haben nichts gehört?» wollte er wissen. Und konnte es kaum glauben. Dann sagte er: «Einen solchen Schlaf möchte ich auch haben.»

7 Jahre gehörten wir hierher zu den Hönggern. Dann wurde das Haus verkauft und die Mieter fortgeschickt.

Heimweh bekamen wir nicht. Aber Erinnerungen sind wertvoll.

An diesem Abend nach dem Besuch im HÖNGGER war mir, wie wenn mein inneres Archiv Spass hätte, mir Bilder aus unserem damaligen Leben als eine Art Dia-Schau vorzutragen.

Da war z.B. Felicitas, die sich im Kindergarten mit Thomas anfreundete. Seine Familie lebte nur fünf Minuten von uns weg. Sie bewohnte ein sehr schönes Haus an der Limmat. Hin und wieder kam Thomas zu uns zu Besuch. Dann stürmte er sofort in die Stube, sprang aufs Sofa, schaute zum Fenster hinaus, sah den Verkehr auf der Europabrücke und rief jedesmal: Ihr habt einfach die beste Wohnung. Das grösste Schauspiel war für ihn die Sirene der Ambulanz. Sie elektrisierte ihn.
Kurz zuvor, bevor die Europabrücke eröffnet wurde, konnten wir Mütter noch auf der Brücke ohne Verkehr mit unseren Kindern im Kinderwagen spazieren. Heute ist so etwas nicht mehr vorstellbar.

Das Kino im Meierhof war auch so ein Ort, der in meinen Erinnerungen bebildert wurde, ebenso das Schulhaus, wo unsere erste Tochter ihre Schulzeit begann und wo im Herbst jeweils auf dem Schulhof eine bescheidene, geruhsame «Dorf-Chilbi» aufgebaut wurde. Ein Karussell, eine Schifflischaukel, ein kleiner Stand mit Schleckzeug, sie beglückten Kinder und Familien.

Ich erinnere mich auch an jenen Knaben, der auf dem Schulhausplatz immer dann auftrat, wenn sich hier etwas ereignete. Er spazierte mit einem Raben, der auf seiner Schulter sass. Er sprach mit ihm. Sie verstanden sich bestens. Wer die beiden entdeckte, stand still. Der Bursche lebte in Höngg, wusste offensichtlich immer genau, wo er Freude bringen und beachtet werden konnte.

Bevor das Hallenbad auf den Schulhausplatz gebaut wurde, war dieser weit offen. Am Abstimmungs-Sonntag kamen die Höngger jeweils aus verschiedenen Richtungen hierher. Das Schulhaus war ein sichtbarer Mittelpunkt. In bester Erinnerungen geblieben, ist mir jener Sonntag, als ich dort in Höngg erstmals als Frau abstimmen oder wählen durfte. Der Vikar aus der Katholischen Kirche nebenan grüsste uns und sagte: «Aha! Frau Schweizerin stimmt ab.»

Das Hallenbad wurde erst später auf dem Schulhausplatz aufgebaut. Noch immer empfinde ich diesen Ort, wie wir ihn heute sehen als eine Bausünde. Verschandelt und den schönen Platz verdunkelt.

An diesem erwähnten Abend in Höngg kamen wir auch an der Apotheke am Meierhofplatz vorbei. Sofort schauten wir uns an und signalisierten einander, dass wir uns gerade jetzt an jene persönliche Geschichte erinnerten, die sogar im Radio als wichtige Mitteilung ausgestrahlt wurde.

Am Morgen jenes Tages kaufte ich hier, wie auch schon, Augenwasser für Säuglinge, wie es die Hebamme in der Mütterberatung vorschrieb.

Gegen Abend telefonierte mir dann eine aufgeregte Nachbarin und wollte wissen, ob ich an diesem Tag in der Höngger-Apotheke Augenwasser gekauft habe. Ja! Ob ich dieses schon benützt habe?
Nein!

Oh, Gott sei dank rief sie entlastend. Sie hätte sofort an mich gedacht, nachdem die Mitteilung im Radio verlesen worden war. Würde ich diese Tropfen benützen, könnte unser Kind erblinden, hiess es.

Dass ich gefunden wurde, ist ein Wunder. In der Apotheke war ich nicht mit Namen bekannt. Alle, die an dieser Geschichte beteiligt waren, konnten dann dankbar aufatmen, als ich die ersehnte Antwort geben konnte, ich hätte die Tropfen noch nicht benützt. Bis man mich fand, muss die mich bedienende Apotheker-Helferin schrecklich gelitten haben.
Meiner Nachbarin Frau Baumann sei Dank!

Wer so etwas erlebt hat, denkt dankbar an die Schutzengel.

Montag, 2. April 2018

Rundläufe, obwohl sie nicht exakt rund sind

Jener Tag, der für mich den Frühling markierte, lockte mich am Morgen ins Freie. Die Nebeldecke liess sich gerade auflösen. Ich erlebte, wie sich das Blau am Himmel entwickelte und meine Lunge einlud, die frische Luft zu kosten.
Das Ziel war nicht vorgegeben, die bemessene Zeit aber schon. Und dann umkehren? Das fällt mir immer schwer. Einfach stillstehen, mich drehen und und dorthin schauen, woher ich gekommen bin und dann zurücklaufen… es widerstrebt mir. Ich liebe jene Wege, die immer wieder in andere führen und mich ohne Umkehr nach Hause lenken.
Am Mittagstisch erzählte ich von diesem inneren Widerstand und dass ich gern jene Wege gehe, die sich zu einem Rundlauf eignen. Primo korrigierte mich: Nein, Du willst einfach nur immer vorwärts gehen.
Ah ja? Wie nenne ich Wege, die Anfang und Ende wieder miteinander verbinden? Noch weiss ich es nicht.
Am frühen Nachmittag marschierte ich nochmals los, hätte gern heitere Bilder eingefangen. Das lichte Blau vom Morgen war aber schon wieder verblasst.

Gleichwohl fotografierte ich Wegkreuzungen. Noch nie sind sie mir so zahlreich begegnet. Ich wollte meinen Rundumlauf auf jeden Fall ohne Umkehr korrekt gehen. Diese Vorgabe liess mich anders als gewöhnlich schauen.

Für meine Leserinnen und Leser zeige ich hier einige markante Übergänge. Die ganze Wanderung aufzuzeigen würde zu viel Platz beanspruchen. Ich kann nur sagen, dass ich immer vorwärts weiter gegangen bin.

Jetzt wünsche ich Ihnen allen ebenfalls angenehme Wege und interessante Übergänge, auch solche die Rückblicke bieten und doch vorwärts führen.

Samstag, 24. Februar 2018

Zitate aus der Blechbüchse

Dieser Tage öffnete ich wieder einmal die rote Blechbüchse, in der ich Zitate aufbewahre. Ich habe den Inhalt über etliche Jahre hinweg vergessen und wundere mich wieder einmal, was für ein Schatz da gehütet wird.

Als ich noch keinen Computer benützte, waren mir die Abreisskalender echte Freunde. Sie boten mir täglich vielseitige Informationen, verlangten aber auch, dass wir täglich das Blatt von gestern abzupften.

Schon damals gab es auch Kalenderblätter, die darüber informierten, wie viele Tage des entsprechenden Jahres schon der Vergangenheit angehörten und wie viele bis zum Jahresende noch anstünden. Z.B. 255-111 = 255 Tage erlebt, 111 noch Zukunft. Ebenso markierten einige Kalender Hinweise auf Sonnenaufgang und -Untergang.

Meine Sammlung enthält Zitate aus verschiedenster Literatur. Ich habe jene Blätter aufbewahrt, deren Texte mich besonders angesprochen haben.

Gestern habe ich selbstvergessen eine Stunde lang Zitate aus meiner Büchse gelesen und Blätter, die mich besonders ansprachen zur Seite gelegt. Rückblickend denke ich jetzt, dass mir die kurzen Sätze sehr viel Weisheit vorgeführt hätten. Ich habe wieder einmal aus mancher Einsicht erkannt, dass Verletzungen von Menschen zum Leben gehören und dass wir lernen sollen, solche Ereignisse aus einer höheren Warte zu betrachten.

Das erste Kalenderblatt, das ich in die Hände nahm, traf mich wie ein Blitz, ohne dass es mich erschreckte. Ich freute und freue mich, dass auch ein anderer Mensch, einer den ich nie gekannt habe, so dachte und fühlte wie ich:

Der Mensch muss sich trotz aller Freundschaft
selbständig entwickeln und nur Anregung empfangen,
nicht zur Nachahmung veranlasst werden und dabei
seine Individualität verlieren.
C. Hilty

Anheim dieser Aussage stelle ich das Wort «Ratschlag».
Man meint es gut und doch können Ratschläge zu
Schlägen werden. Ein Rat allein kann freiwillig umgesetzt
werden. Ein Ratschlag trägt einen Befehl in sich.
R.L.

Auch passend zum obigen Thema lese ich auf dem
Kalenderblatt 12.11.1981:

Nicht jeder, der zum Rechten sieht, sieht immer recht.
Robert Schaller

Und doch brauchen wir Menschen einander.
Isolation ist eine Sackgasse. Nichts auf Erden gedeiht
ohne Annäherung.
Teilhard de Chardin

Mehr zu hören, als zu reden - solches lehrt
schon die Natur.
Sie versah uns mit zwei Ohren,
doch mit einer Zunge nur.
Gottfried Keller

Die Kritik ist eine Bürste, die man bei leichten
Stoffen nicht verwenden darf,
weil sie da alles wegnähme.
Balzac

So gewiss ist der allein glücklich und gross,
der weder zu herrschen noch zu gehorchen
braucht, um etwas zu sein.
Goethe

Schwer ist es, die rechte Mitte zu treffen:
das Herz zu härten für das Leben,
es weich zu halten für das Lieben.
Jeremias Gotthelf

Mittwoch, 31. Januar 2018

Ulm war den Besuch wert

Die Foto, die gleich nach der Ankunft im Hotel entstanden ist, befindet sich immer noch auf meinem Bildschirm. Der heitere Himmel und die in ihn ragenden Kirchtürme ergaben dieses schöne Bild.
Es war die Zeit der Vorweihnacht. Kalte Tage, die man mit Glühwein etwas erwärmen konnte. Mehr noch erwärmte uns eine kunstvoll komponierte Tagessuppe im Café StielBar, in einem künstlerisch geprägten Ambiente. Der Wirt zeigte sich gesprächig, erkannte den Klang unserer Sprache, erzählte, dass er gern in die Schweiz komme. Dann stellte sich noch heraus, als er einen bekannten Musiker aus Zürich nannte, dass es sich um einen Mitschüler von Primo handelte. Die Welt ist oft klein.
Anderntags lockten uns die Türme auf der Foto ins Zentrum der Stadt. Wir suchten und fanden einige Kirchen, die uns interessierten. In der Pauluskirche angekommen, trafen wir mit jugendlichen Sängerinnen und Sängern zusammen. Sie übten Lieder für das Weihnachtsfest. Wir liessen uns gern auf ihre Klänge ein, durften uns setzen und zuhören.

Wir besuchten auch die Kirche St Georg. Ursprünglich als Garnisonkirche gebaut, ist sie heute aber Stadtkirche mit bedeutendsten Kunstwerken. Sichtbar gepflegt. Starke Farben geben dem Raum eine Art Wucht. Sehr schön. An den Seitenwänden viele religiöse Figuren mit ihren Symbolen und Geschichten.
Auf dem Weg dorthin wurden wir auf den Seelengraben aufmerksam. Die niedrigen Häuser ähnelten unserem ehemaligen Zuhause in Zürich im Bernoulli. Es meldete sich ein gewisses Heimatgefühl.

Wir suchten auch jene Kirche, deren Turm sich vom Hotelzimmer aus sehr feingliedrig präsentiert und mich an Russland denken liess. Wir trafen dann keine Kirche an, sondern das aus ihr hervorgegangene Haus der Begegnung Ulm. Und erfuhren dort, dass die Kirche, die zum Kloster der Dominikaner gehörte, im 2. Weltkrieg bombardiert worden sei.

Der Kirchenraum wurde später wieder aufgebaut, jedoch mit Zwischenböden unterteilt und mit einem Haupttreppengang erschlossen.

Dieses Haus der Begegnung, das heute offensichtlich für verschiedene soziale Bereiche eingerichtet ist, konnten wir ganz selbstverständlich betreten und unseren Gwunder (Neugier) stillen. Zum ersten Mal habe ich eine solch umverwandelte Kirche gesehen, die mit Zwischenböden eine vielfältigere Nutzung erreichen konnte. Die hohen Glasfenster von einst sind nur noch als Stückwerke zu sehen.

Wir schauten Männern zu, die sich für einen Musikvortrag vorbereiteten. Und in kleinen Räumen sahen wir junge Frauen beim Mittagsbrot. Wir sahen auch in Räume für Gespräche. Überall empfing uns Ruhe und friedliche Stimmung.

Im Vorwort der Broschüre Haus der Begegnung Ulm die ich hier kaufen konnte, lese ich zeitgemässe, sehr positive Worte, die mir gefallen:
Das Haus der Begegnung möchte ein Ort des Diskurses sein, der Auseinandersetzung verschiedener Ansichten. Christen und Muslime erklären sich, wie sie den Glauben an den einen Gott verstehen, ein deutscher General und ein afghanischer Mudschaheddin können sich bei uns angstfrei treffen. Oder: Wir sorgen auch für den Austausch und die gegenseitige Bereicherung der Fachbereiche untereinander. Bildende Kunst, Theologie, Musik, Politik kommen ins Gespräch. Wir kennen keine Tabuthemen, noch bieten wir rassistischen und ausgrenzenden Grundeinstellungen ein Podium.

Wieder zurück auf der Strasse, entdeckte ich den Briefträger der Deutschen Post und dachte, auch sie sei eine Institution, die Menschen miteinander verbinde, Kontakte und Freundschaften ermögliche und Informationen weiterleite.
Als ich selbst Briefpost austrug, fragte ich mich öfters: Was bringe ich ihnen? Gutes oder schwer Verdauliches? Ich vermute, dass auch ich hin und wieder Schicksalsträgerin war, ohne dass ich es wusste.

Ein weiterer Blog aus Ulm vom 21. Dezember 2017: Ein ungewöhnliches Weihnachtsbild

Donnerstag, 4. Januar 2018

Gedanken zum Faden und Lebensfaden

Die Festtage sind verklungen. Da und dort grüsst man sich auch heute noch mit dem Glückwunsch «Ä guets Nöis» (ein gutes neues Jahr). Aber Tag um Tag zeigt sich jetzt auch wieder vermehrt der Alltag.
In diese Zeit gehören für mich auch bildhafte Gedanken. Ich sehe Freunde und Verwandte vor mir, die im vergangenen Jahr gestorben sind. Und ich sinniere über mein eigenes Leben und über Gedanken, die mich zeitlebens begleitet haben. Und jetzt erinnerte ich mich gerade, dass ich vor ungefähr 20 Jahren für die Zeitschrift Natürlich einen Text geschrieben habe, der für diese erwähnte Anfangszeit eines Jahres immer noch gültig ist.

Der Titel heisst: Lebensfaden
«Warum empfinde ich mit zunehmendem Alter, dass die Jahreskreise sich schneller folgen? Auch meine Mutter sprach es kurz vor ihrem Tod einmal aus, dass sie diese Zeit wie auf einem Karussell drehend erlebe.

Keine Zeit mehr zu haben, Zeit, die so schnell verrinnt, darüber sprechen viele. Wir müssen heute nicht mehr warten. Es gibt nicht nur die grossen Feste im Jahr. Ereignisse reihen sich an Ereignisse wie Perlen auf einer Schnur.

Und doch könnte es sein, dass die letzten Lebensjahre wirklich kürzer und schneller laufend sind. Wieder einmal hilft mir beim Philosophieren meine Alltagserfahrung. Ich denke an einen Wollfaden, der langsam zu einem Knäuel gewunden wird. Der Faden als Lebenszeit. Wir winden ihn auf, indem wir aufwachsen, lernen und das Leben erproben. Eines schönen Tages ist aus dem eigenen Faden ein ansehnlicher Knäuel geworden. Unser Potenzial. Wann diese Mitte erreicht wird, bleibt ein Geheimnis. Doch sobald der Knäuel fertig geworden ist, wickelt er sich schon wieder ab. Er zieht seine Kreise, verschenkt seine Fülle und Kraft. Je länger er dreht und von seinem Umfang verliert, desto kleiner werden seine Umdrehungen. Wir täuschen uns also nicht, wenn wir die letzten Lebensjahre als wirblig und schnell verlaufend erleben.»


Den Faden als Symbol habe ich wohl von meinen Eltern in die Wiege bekommen. Beide arbeiteten damals in Webereien. Faden und Stoff sind Bilder, die sie mir offensichtlich unbewusst vermittelt haben. Mutter nähte und strickte auch viele Kleidungsstücke für ihre 5 Kinder und der Vater verstand es, uns die Qualität eines Stoffes beizubringen. Und mein Mann Primo beschäftigte sich mit dem Faden als Lebensfaden, indem er jene Bildtafel schuf, die ich auch schon gezeigt habe.
Blog vom 24.2.16. Lebensweg oder Lebensfaden, auch roter Faden genannt

Heute habe ich aus meinem sehr bescheiden gewordenen Posten Strickwolle ein Reststück geholt, um den Faden-Knäuel zu zeigen.
Und ich dachte dabei auch an Felicitas, unsere 1. Tochter, ausgebildet als Textil-Designerin, die beruflich in verschiedenen Branchen immer auch mit dem Faden arbeiten durfte.
Edles Material. Design Felicitas Lorenzetti

Als sie im Sommer bei uns zu Besuch war, benützte sie meine Nähmaschine und entdeckte gleich die Unordnung meiner verschiedenfarbigen Fäden. Ob sie mir Ordnung schaffen dürfe? Ja gern. Das Resultat: Siehe Foto.
Sie freute sich ungemein, mir alle Fäden einzuordnen.
Ich bewundere immer wieder ihre Detailtreue, weil ich dieses Talent nicht besitze.

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Ein ungewöhnliches Weihnachtsbild

Als ich dieser Tage ein bestimmtes Stück Holz suchte, hob ich in unserer Werkstatt ein herumstehendes auf, das mich gleich elektrisierte. Es handelte sich um einen Abschnitt Akazie. Es lag noch herum, hatte den Werkstatt-Umzug überstanden, aber noch keine Heimat gefunden. Primo bewahrt solche Hölzer, die ihn bei der Arbeit angesprochen haben, gerne auf.
Sofort erinnerte ich mich, dass wir dieses Holz in Italien suchten und finden konnten. Primo hatte damals den Auftrag erhalten, einen bestehenden Kirchenraum umzugestalten. Er wählte Akazienholz, weil dieses den grün-goldenen Farbton ausstrahlt. Passend zum vorhandenen dunklen Nussbaum der Kirchenbänke. Eine ideale Kombination.

Obwohl diese Arbeit Jahrzehnte zurückliegt, erinnerte ich mich augenblicklich an viele Einzelheiten. Z.B. dass Primo verschiedenfarbige Hölzer aus allen Erdteilen in die Gestaltung mit einbezog. Um die Verbundenheit mit vielen Menschen anzusprechen. Das Holz wurde damals nicht als ein seelenloses Produkt behandelt. Es bekam eine Aufgabe. Ich habe seine Lebendigkeit in vielen Situationen kennen gelernt, weil ich erleben konnte, wie man mit dieser Materie umgehen muss, um ihr gerecht zu werden.

In unserer Bibliothek befindet sich aus jener Zeit eine Schrift, die von der MYTHOLOGIE DES HOLZES spricht. 1991 als Impulsprogramm vom Bundesamt für Konjunkturfragen herausgegeben.

Ich zitiere: «Seit es die Mythologie des Holzes gibt, ist die Menschheit mit Holz verbunden. Bäume waren Symbole des Lebens und des Glaubens, aber auch unerschöpfliche Quellen für Wärme, Behausung und Luxus. Holz begleitet uns heute noch durchs ganze Leben, es ist nicht mehr wegzudenken. Trotzdem haben wir den Wald entzaubert, haben Holz als banales, zweitrangiges Material deklassiert. Wir haben die Wahl, ob wir wieder zu ihm zurückfinden wollen. Aber wozu? Die Argumente dafür hat der Autor dieser Dokumentation zusammen gestellt. Sie sprechen vom seelischen Wohlbefinden in einer natürlichen Umgebung, vom Umweltschutz und Walderhaltung. Sie zeigen die faszinierenden Möglichkeiten, die im Baustoff Holz stecken. Sie überzeugen uns, dass im Holz die Zukunft liegt, und zwar eine realistische und ethische gleichermassen. Ein Lesevergnügen für alle, die einmal weniger über Technik, sondern zur Abwechslung mal über philosophische Zusammenhänge nachdenken wollen.»

Und jetzt komme ich auf das gefundene Stück Akazie zurück.

Es spricht mich als eine aussergewöhnliche Weihnachtsdarstellung an. Es ist ein geschenktes Bild. Von der Natur erschaffen. Hier wurde nichts von Menschenhand gestaltet. Es ist ein gewachsenes Bild. Ich sehe in ihm eine lichtvolle Gestalt und in ihr selbst ein Wesen, das aus ihr hervorgeht.

Da staunen meine Leserinnen und Leser vielleicht auch.

Und das klassische Weihnachtsbild mit Maria, Josef und Kind habe ich vom Weihnachtsmarkt in Ulm mitgebracht. Dieser vielseitige Mittelaltermarkt hat besonders Primo bezaubert. Hier konnte er mit Handwerkern sprechen, die ihre eigene, minutiöse Arbeit zur Schau stellten.
Und am Abend beim Eindunkeln sorgten «Die Kreuzmusikanten» (5 Bläser) vor dem Münsterportal für weihnachtliche Stimmung. Ihre Klänge zogen Jung und Alt an. Man stand da, ganz ruhig und liess sich von den berührenden Klängen aus dem Alltag wegtragen. Zur Weihnacht hin.
Aus der Engelgasse grüsse ich alle meine Leserinnen und Leser und wünsche überall frö-ööh-liche Weihnacht.