Mittwoch, 31. Januar 2018

Ulm war den Besuch wert

Die Foto, die gleich nach der Ankunft im Hotel entstanden ist, befindet sich immer noch auf meinem Bildschirm. Der heitere Himmel und die in ihn ragenden Kirchtürme ergaben dieses schöne Bild.
Es war die Zeit der Vorweihnacht. Kalte Tage, die man mit Glühwein etwas erwärmen konnte. Mehr noch erwärmte uns eine kunstvoll komponierte Tagessuppe im Café StielBar, in einem künstlerisch geprägten Ambiente. Der Wirt zeigte sich gesprächig, erkannte den Klang unserer Sprache, erzählte, dass er gern in die Schweiz komme. Dann stellte sich noch heraus, als er einen bekannten Musiker aus Zürich nannte, dass es sich um einen Mitschüler von Primo handelte. Die Welt ist oft klein.
Anderntags lockten uns die Türme auf der Foto ins Zentrum der Stadt. Wir suchten und fanden einige Kirchen, die uns interessierten. In der Pauluskirche angekommen, trafen wir mit jugendlichen Sängerinnen und Sängern zusammen. Sie übten Lieder für das Weihnachtsfest. Wir liessen uns gern auf ihre Klänge ein, durften uns setzen und zuhören.

Wir besuchten auch die Kirche St Georg. Ursprünglich als Garnisonkirche gebaut, ist sie heute aber Stadtkirche mit bedeutendsten Kunstwerken. Sichtbar gepflegt. Starke Farben geben dem Raum eine Art Wucht. Sehr schön. An den Seitenwänden viele religiöse Figuren mit ihren Symbolen und Geschichten.
Auf dem Weg dorthin wurden wir auf den Seelengraben aufmerksam. Die niedrigen Häuser ähnelten unserem ehemaligen Zuhause in Zürich im Bernoulli. Es meldete sich ein gewisses Heimatgefühl.

Wir suchten auch jene Kirche, deren Turm sich vom Hotelzimmer aus sehr feingliedrig präsentiert und mich an Russland denken liess. Wir trafen dann keine Kirche an, sondern das aus ihr hervorgegangene Haus der Begegnung Ulm. Und erfuhren dort, dass die Kirche, die zum Kloster der Dominikaner gehörte, im 2. Weltkrieg bombardiert worden sei.

Der Kirchenraum wurde später wieder aufgebaut, jedoch mit Zwischenböden unterteilt und mit einem Haupttreppengang erschlossen.

Dieses Haus der Begegnung, das heute offensichtlich für verschiedene soziale Bereiche eingerichtet ist, konnten wir ganz selbstverständlich betreten und unseren Gwunder (Neugier) stillen. Zum ersten Mal habe ich eine solch umverwandelte Kirche gesehen, die mit Zwischenböden eine vielfältigere Nutzung erreichen konnte. Die hohen Glasfenster von einst sind nur noch als Stückwerke zu sehen.

Wir schauten Männern zu, die sich für einen Musikvortrag vorbereiteten. Und in kleinen Räumen sahen wir junge Frauen beim Mittagsbrot. Wir sahen auch in Räume für Gespräche. Überall empfing uns Ruhe und friedliche Stimmung.

Im Vorwort der Broschüre Haus der Begegnung Ulm die ich hier kaufen konnte, lese ich zeitgemässe, sehr positive Worte, die mir gefallen:
Das Haus der Begegnung möchte ein Ort des Diskurses sein, der Auseinandersetzung verschiedener Ansichten. Christen und Muslime erklären sich, wie sie den Glauben an den einen Gott verstehen, ein deutscher General und ein afghanischer Mudschaheddin können sich bei uns angstfrei treffen. Oder: Wir sorgen auch für den Austausch und die gegenseitige Bereicherung der Fachbereiche untereinander. Bildende Kunst, Theologie, Musik, Politik kommen ins Gespräch. Wir kennen keine Tabuthemen, noch bieten wir rassistischen und ausgrenzenden Grundeinstellungen ein Podium.

Wieder zurück auf der Strasse, entdeckte ich den Briefträger der Deutschen Post und dachte, auch sie sei eine Institution, die Menschen miteinander verbinde, Kontakte und Freundschaften ermögliche und Informationen weiterleite.
Als ich selbst Briefpost austrug, fragte ich mich öfters: Was bringe ich ihnen? Gutes oder schwer Verdauliches? Ich vermute, dass auch ich hin und wieder Schicksalsträgerin war, ohne dass ich es wusste.

Ein weiterer Blog aus Ulm vom 21. Dezember 2017: Ein ungewöhnliches Weihnachtsbild

Donnerstag, 4. Januar 2018

Gedanken zum Faden und Lebensfaden

Die Festtage sind verklungen. Da und dort grüsst man sich auch heute noch mit dem Glückwunsch «Ä guets Nöis» (ein gutes neues Jahr). Aber Tag um Tag zeigt sich jetzt auch wieder vermehrt der Alltag.
In diese Zeit gehören für mich auch bildhafte Gedanken. Ich sehe Freunde und Verwandte vor mir, die im vergangenen Jahr gestorben sind. Und ich sinniere über mein eigenes Leben und über Gedanken, die mich zeitlebens begleitet haben. Und jetzt erinnerte ich mich gerade, dass ich vor ungefähr 20 Jahren für die Zeitschrift Natürlich einen Text geschrieben habe, der für diese erwähnte Anfangszeit eines Jahres immer noch gültig ist.

Der Titel heisst: Lebensfaden
«Warum empfinde ich mit zunehmendem Alter, dass die Jahreskreise sich schneller folgen? Auch meine Mutter sprach es kurz vor ihrem Tod einmal aus, dass sie diese Zeit wie auf einem Karussell drehend erlebe.

Keine Zeit mehr zu haben, Zeit, die so schnell verrinnt, darüber sprechen viele. Wir müssen heute nicht mehr warten. Es gibt nicht nur die grossen Feste im Jahr. Ereignisse reihen sich an Ereignisse wie Perlen auf einer Schnur.

Und doch könnte es sein, dass die letzten Lebensjahre wirklich kürzer und schneller laufend sind. Wieder einmal hilft mir beim Philosophieren meine Alltagserfahrung. Ich denke an einen Wollfaden, der langsam zu einem Knäuel gewunden wird. Der Faden als Lebenszeit. Wir winden ihn auf, indem wir aufwachsen, lernen und das Leben erproben. Eines schönen Tages ist aus dem eigenen Faden ein ansehnlicher Knäuel geworden. Unser Potenzial. Wann diese Mitte erreicht wird, bleibt ein Geheimnis. Doch sobald der Knäuel fertig geworden ist, wickelt er sich schon wieder ab. Er zieht seine Kreise, verschenkt seine Fülle und Kraft. Je länger er dreht und von seinem Umfang verliert, desto kleiner werden seine Umdrehungen. Wir täuschen uns also nicht, wenn wir die letzten Lebensjahre als wirblig und schnell verlaufend erleben.»


Den Faden als Symbol habe ich wohl von meinen Eltern in die Wiege bekommen. Beide arbeiteten damals in Webereien. Faden und Stoff sind Bilder, die sie mir offensichtlich unbewusst vermittelt haben. Mutter nähte und strickte auch viele Kleidungsstücke für ihre 5 Kinder und der Vater verstand es, uns die Qualität eines Stoffes beizubringen. Und mein Mann Primo beschäftigte sich mit dem Faden als Lebensfaden, indem er jene Bildtafel schuf, die ich auch schon gezeigt habe.
Blog vom 24.2.16. Lebensweg oder Lebensfaden, auch roter Faden genannt

Heute habe ich aus meinem sehr bescheiden gewordenen Posten Strickwolle ein Reststück geholt, um den Faden-Knäuel zu zeigen.
Und ich dachte dabei auch an Felicitas, unsere 1. Tochter, ausgebildet als Textil-Designerin, die beruflich in verschiedenen Branchen immer auch mit dem Faden arbeiten durfte.
Edles Material. Design Felicitas Lorenzetti

Als sie im Sommer bei uns zu Besuch war, benützte sie meine Nähmaschine und entdeckte gleich die Unordnung meiner verschiedenfarbigen Fäden. Ob sie mir Ordnung schaffen dürfe? Ja gern. Das Resultat: Siehe Foto.
Sie freute sich ungemein, mir alle Fäden einzuordnen.
Ich bewundere immer wieder ihre Detailtreue, weil ich dieses Talent nicht besitze.

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Ein ungewöhnliches Weihnachtsbild

Als ich dieser Tage ein bestimmtes Stück Holz suchte, hob ich in unserer Werkstatt ein herumstehendes auf, das mich gleich elektrisierte. Es handelte sich um einen Abschnitt Akazie. Es lag noch herum, hatte den Werkstatt-Umzug überstanden, aber noch keine Heimat gefunden. Primo bewahrt solche Hölzer, die ihn bei der Arbeit angesprochen haben, gerne auf.
Sofort erinnerte ich mich, dass wir dieses Holz in Italien suchten und finden konnten. Primo hatte damals den Auftrag erhalten, einen bestehenden Kirchenraum umzugestalten. Er wählte Akazienholz, weil dieses den grün-goldenen Farbton ausstrahlt. Passend zum vorhandenen dunklen Nussbaum der Kirchenbänke. Eine ideale Kombination.

Obwohl diese Arbeit Jahrzehnte zurückliegt, erinnerte ich mich augenblicklich an viele Einzelheiten. Z.B. dass Primo verschiedenfarbige Hölzer aus allen Erdteilen in die Gestaltung mit einbezog. Um die Verbundenheit mit vielen Menschen anzusprechen. Das Holz wurde damals nicht als ein seelenloses Produkt behandelt. Es bekam eine Aufgabe. Ich habe seine Lebendigkeit in vielen Situationen kennen gelernt, weil ich erleben konnte, wie man mit dieser Materie umgehen muss, um ihr gerecht zu werden.

In unserer Bibliothek befindet sich aus jener Zeit eine Schrift, die von der MYTHOLOGIE DES HOLZES spricht. 1991 als Impulsprogramm vom Bundesamt für Konjunkturfragen herausgegeben.

Ich zitiere: «Seit es die Mythologie des Holzes gibt, ist die Menschheit mit Holz verbunden. Bäume waren Symbole des Lebens und des Glaubens, aber auch unerschöpfliche Quellen für Wärme, Behausung und Luxus. Holz begleitet uns heute noch durchs ganze Leben, es ist nicht mehr wegzudenken. Trotzdem haben wir den Wald entzaubert, haben Holz als banales, zweitrangiges Material deklassiert. Wir haben die Wahl, ob wir wieder zu ihm zurückfinden wollen. Aber wozu? Die Argumente dafür hat der Autor dieser Dokumentation zusammen gestellt. Sie sprechen vom seelischen Wohlbefinden in einer natürlichen Umgebung, vom Umweltschutz und Walderhaltung. Sie zeigen die faszinierenden Möglichkeiten, die im Baustoff Holz stecken. Sie überzeugen uns, dass im Holz die Zukunft liegt, und zwar eine realistische und ethische gleichermassen. Ein Lesevergnügen für alle, die einmal weniger über Technik, sondern zur Abwechslung mal über philosophische Zusammenhänge nachdenken wollen.»

Und jetzt komme ich auf das gefundene Stück Akazie zurück.

Es spricht mich als eine aussergewöhnliche Weihnachtsdarstellung an. Es ist ein geschenktes Bild. Von der Natur erschaffen. Hier wurde nichts von Menschenhand gestaltet. Es ist ein gewachsenes Bild. Ich sehe in ihm eine lichtvolle Gestalt und in ihr selbst ein Wesen, das aus ihr hervorgeht.

Da staunen meine Leserinnen und Leser vielleicht auch.

Und das klassische Weihnachtsbild mit Maria, Josef und Kind habe ich vom Weihnachtsmarkt in Ulm mitgebracht. Dieser vielseitige Mittelaltermarkt hat besonders Primo bezaubert. Hier konnte er mit Handwerkern sprechen, die ihre eigene, minutiöse Arbeit zur Schau stellten.
Und am Abend beim Eindunkeln sorgten «Die Kreuzmusikanten» (5 Bläser) vor dem Münsterportal für weihnachtliche Stimmung. Ihre Klänge zogen Jung und Alt an. Man stand da, ganz ruhig und liess sich von den berührenden Klängen aus dem Alltag wegtragen. Zur Weihnacht hin.
Aus der Engelgasse grüsse ich alle meine Leserinnen und Leser und wünsche überall frö-ööh-liche Weihnacht.

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Von dunkler Nacht umgeben

Wir erwarteten einen Gast. Als es um 17 Uhr schon eindunkelte, war ich besorgt, ob er uns finde. Wohl ist unser Hauseingang am Abend beleuchtet, doch die vielen Namen am Tableau sind schlecht lesbar. Wie soll er uns auch finden können?
Es traf sich gut: Ich konnte die Zeitungsbündel für die Papierabfuhr zu den Containern tragen. Einen nach dem andern. Langsam hin und her, ohne frieren zu müssen. Und dann kam K. bei uns an.
Nur darum, weil ich mich um den Besuch kümmerte, dachte ich einmal darüber nach, wie schnell ich mich in eine Art Blase zurückziehe, sobald der Himmel schwarz geworden ist. Eine Weile können Nachbarn dann noch in unsere erleuchtete Wohnung hineinschauen. Aber bald danach schliessen die Rolläden den persönlichen Raum ab.

An jenem Abend wurde mir klar, dass ich mir gar nicht bewusst bin, wie schnell ich bei Sonnenuntergang sofort das elektrische Licht anzünde. Und gleich danach in die Küche gehe und dort für das Abendessen sorge. Da befinde ich mich dann in einer Art Blase, im Zuhause meiner eigenen Welt.

Eine Woche später wiederholte sich dasselbe Problem. Jetzt wollte ein Kunde vorbeikommen und einen Plan abholen. Er nannte einen ungefähren Zeitpunkt und meldete, dass er pressant sei. Und wieder wollte ich dafür sorgen, dass der Zugang zu uns leicht erreichbar sei.

An jenem zweiten Abend musste ich mir etwas anderes einfallen lassen. Es gab jetzt keine Zeitungspakete für die Papierabfuhr. Darum richtete ich mich im gläsernen Windfang ein. Warm angezogen und auf einem mitgebrachten Stuhlkissen auf einer Mauer sitzend, erwartete ich den Kunden. Und lernte zwischendurch heimkehrende Mitbewohner kennen. Namen kenne ich nicht. Ein junger Mann sah mich ganz besonders kritisch an und obwohl er keine Frage stellte, antwortete ich auf seinen fragenden Blick: «Bestellt, aber noch nicht abgeholt…»
Wir schmunzelten beide.

Und während ich so wartete, fiel mir ein, dass ich offensichtlich im Dezember nur selten ausser Haus bin, wenn die Sonne schon untergegangen ist.
Mit solchen Gedanken beschäftigt, zünde ich gleich noch Kerzen an, als ich in unsere Wohnung zurückgekehrt bin und stelle sie in den Eingangsbereich. Und auch da vollzieht sich dann beim Eintreten der Zauber von Dunkelheit und Licht. Primo schätzt solche Überraschung.

Montag, 4. Dezember 2017

Jetzt ist in Zürich-Altstetten der Samichlaus wieder unterwegs

Wie Jahre zuvor, trafen am vergangenen Samstag 6 oder 7 Chlauspaare (Samichlaus und Schmutzli) zu einer Feier in der Kirche Heilig Kreuz in Altstetten ein. Viele Kinder waren gekommen, um den Zauber von Sankt Nikolaus auch dieses Jahr wieder zu erleben. Die Feier wurde von Laien gestaltet. 3 Kinder füllten mit ihrer feinfühligen Musik den grossen Kirchenraum. Ein kleines Mädchen und ein nicht viel älterer Bueb spielten Geige, ein etwas älterer Knabe Klavier.

Und mit Begeisterung wurden kindergerechte Lieder gesungen.

Diese von Laien mit den Kindern gestaltete Feier signalisierte die Aussendung der Chlauspaare für ihre Besuche in der Pfarrei. Die Kinder durften dabei behilflich sein. Sie überreichten den einzelnen Chläusen den Stab und ein goldenes Buch. Und die Schmutzlis bekamen Laternen.

Ich verstand diese Gaben als Symbole. Die Geschichte soll weiter bewahrt und erzählt werden. Darum der Stab als Autorität, die Laternen als Wegweiser und Lichtbringer. Und der helle Klang der Glöckchen grosse Freude.

Auf dem Heimweg sinnierte ich über die erlebte, kindergerechte Feier und ich fragte mich, wer was aus ihr bewahren kann.

In meiner Familie besuchte uns der Samichlaus nur ein einziges Mal. Am 6. Dezember stellten wir jeweils alle einen Schuh vor unseren Ofen. Meist nach dem Nachtessen waren sie dann gefüllt. Der Chlaus war da! Scheinbar unsichtbar.

Nach der Ansicht von uns Eltern ging es Primo und mir darum, eine Überraschung zu spielen. Dem Geheimnis einen Raum zu geben.

Natürlich ahnten unsere Töchter eines Tages, dass das ein Spiel sein muss. Und sie versuchten, uns zu beobachten und hinters Licht zu führen. Der Altersunterschied der beiden ist 6 Jahre. Die Ältere konnte sich gar nicht mehr recht freuen. Und die jüngere sorgte sich um den Klaus. Sie fragte mich einmal, dass ihr aufgefallen sei, dass unser Ofen, den wir mit Holz und Kohle heizten, immer noch starke Wärme ausstrahle. Sie fragte besorgt, wie könne der Klaus, von dem erzählt werde, dass er durch den Kamin ins Haus gelange, uns seine Gaben bringen…
Der persönliche Samichlaus besuchte uns nur einmal. Die Grosseltern waren an diesem Abend bei uns zu Besuch. Da polterte es plötzlich an unsere Fensterläden. Alle horchten auf, liessen Gespräche versanden. Letizia hatte sogar den Schatten vom Bischofstab an unseren geäzten Fensterscheiben entdeckt. Oha! Sie beteuerte, keine Angst zu haben, stand aber wie angewurzelt da. Eine Weile nur, dann sagte sie sehr bestimmend: Papi und ich gehen an die Tür. Der Vater an der Hand des Kindes oder umgekehrt? Letizia war gut vorbereitet. Sie trug Verse auf, sang Lieder und spielte ihre selbst komponierte Melodie. Der Klaus freute sich, dass sie ihn nicht fürchtete.

Er wurde auch beschenkt. Primo holte eine Flasche Wein mit dem Namen «Himmelsleiterli-Wy» aus dem Keller und übergab ihn dem Samichlaus, auf seinen Heimweg deutend. Dieser muss aber eher an die Leiter Richtung Ewigkeit gedacht haben, denn er antwortete, es sei wohl besser, er trinke ihn noch vorher.

Mein Schwager P. spielte an diesem Abend die Rolle von St. Nikolaus. Letizia erkannte ihn nicht, sagte aber später, er sei ihm ähnlich. Von mir wollte sie noch wissen, über wie viele Berge er gehen müsse, bis er zu Hause ankgekommen sei.

Sankt Nikolaus ist der Heilige, der Samichlaus sein Vertreter.
Oft sprechen wir auch nur vom Klaus oder Chlaus.

Einer meiner Blogs aus dem Jahre 2005 zum Thema Samichlaus:
Der unbekannte Samichlaus an der M-Kasse im Kreis 5

Samstag, 25. November 2017

Mein Samstag und der Samstag allgemein

Heute zeigt sich dieser garstig. Die Temperatur ist gesunken. Es regnet. Die Wetterprognosen kündigen den Winter an. Und lösen ein «Aha» aus. Darum fühle ich mich also gerädert. Schwachstellen im Körper jaulten auf.
Ausgleich finde ich dann auf der Velofahrt nach Schlierenberg, wo ich frische Milch hole. Die Anstrengungen bergwärts sind willkommen. Ich atme tiefer und entspanne mich dabei.
Ich begegne keinem Menschen. Obwohl der Himmel verhangen ist und die Bäume ihr Laub verloren haben, freue ich mich auch heute wieder an der offenen, weiten Landschaft. Und grüsse die Lärchen in ihrem seltsamen Altrosa auf der Krete.

Die Milch wird heimgefahren. Dann folgt noch der Lebensmitteleinkauf. Im Coop ist lebhafter Betrieb. Ich finde alles, was wir brauchen. Primo ist heute abwesend.

Es ist still hier. Die Zeit ideal für einen Beitrag ins Blogarchiv. Da meldet sich gleich die Frage nach dem Planeten, der aus astrologischer Sicht zum Samstag gehört. Die Venus! Wie soll ich sie umschreiben? Ich suche nicht in Büchern danach, sondern nach jenem Artikel, den ich 1986 für die Zeitschrift Natürlich schrieb. «Mensch, erkenne dich selbst. Eine Einführung in die Astrologie».

Ein einziges Exemplar ist noch vorhanden. Ich zitierte in diesem Beitrag Alfons Rosenberg nach klassischer Anschauung und lese hier vor:

Venus = Gegensatz zu Mars. Das weiblich Anschmiegsame und Bejahende – das frohe Ja zum Dasein wie es ist, zur Schönheit und zu den Sinnen.

Diese vielleicht etwas altmodisch anmutende Beschreibung soll symbolisch verstanden werden. Als Bild, der Samstag sei zum Aufatmen da. Und tatsächlich: Wer sich am Samstag in der Stadt aufhält, trifft viele Mitmenschen, die dieses Venus-Gefühl zelebrieren. Sie entspannen sich, sind in Gesellschaft, gönnen sich etwas.

Zur Zeit meiner Jugend und noch während meiner Lehre im kaufmännischen Bereich wurde immer auch am Samstagmorgen gearbeitet. Aber der Nachmittag gehörte schon damals der Freizeit.

Seit einem Jahr bäckt unsere venusianisch angehauchte Tochter Letizia für die Eltern regelmässig am Samstag einen Butterzopf und dazugehörig 2 Gipfeli. Aus eigenem Antrieb und eigener Freude. Immer ab 17 Uhr abholbar.

Heute hole ich die Backwaren ab. Wenn es nicht regnet, fahre ich sie mit dem Velo heim.

Das Rezept zum Fletschhorn-Zopf findet man bei Letizia. Link zum Rezept

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Die Post – meine Lieblings-Organisation

Wer mich gut kennt, weiss bereits, dass für mich ein Leben ohne Post Vereinsamung wäre.
Darum erzähle ich gern wieder einmal eine Post-Geschichte, die Applaus verdient.
Wir meldeten unsere Adressänderung. Primos Schreinerei im Welti-Furrer-Areal sei aufgehoben. Alle an sie adressierten Briefe und Pakete sollen neu an unsere Wohnadresse umgeleitet werden.

Tochter Letizia kümmerte sich um das Formular im Internet und füllte es mit unseren Angaben aus. In solchen Augenblicken wird mir jeweils bewusst, wie alt wir geworden sind und ohne Hilfe nicht zurecht kämen.

Kein Problem für jüngere Leute. Die digitale Adressänderung von Letizia übermittelt, wurde sofort automatisch akzeptiert und 4 Tage später fanden wir die korrekt umgeleitete Briefpost im Briefkasten unseres Wohnortes.
Ohne uns zu informieren, hat Letizia für uns noch eine Kontrolle eingefügt. Mir schickte sie eine Fotokarte, wie üblich an unsere Wohnadresse. Für Primo adressierte sie eine Postkarte mit der Schreinerei-Adresse versehen, die nicht mehr gültig war. Jede Karte wurde am selben Tag, aber nicht am selben Ort in der Stadt Zürich in den gelben Briefkasten geworfen. Und beide kamen gleichzeitig bei uns zu Hause an. Beide wurden im Briefzentrum Mülligen zur selben Zeit bearbeitet. Beide Stempel tragen den Tag 18.10.17 und die Uhrzeit 22 Uhr. In dieser Bearbeitungszeit muss der Computer mit unsere Adressänderung konfrontiert worden sein und die neue Anschrift entdeckt haben. Diese drückte er maschinell ans untere Kartenende und ermöglichte so, dass beide Sendungen wieder zusammenfanden und miteinander in unserem Briefkasten landeten.

Wir staunten und freuten uns!

Tags darauf erhielten wir Briefpost mit gelben Klebern, auf denen unsere Heimadresse aufgedruckt worden ist. Offenbar können nur Sendungen maschinell bearbeitet werden, wenn die Briefumschläge sorgfältig und in einem gewissen Rahmen angeschrieben sind, damit sie der Computer problemlos erfassen kann. Aber offensichtlich kann er keine Adressen vom Fenstercouvert automatisch bearbeiten. Mit Unebenem arbeitet er nicht. Ich stellte auch fest, da wo gelbe Adresskleber nötig waren, ist der Brief uneben. In einem gelb beklebten Couvert fand ich zum Beispiel einen Weihnachtsstern, in einem anderen Bettelbrief einen Kugelschreiber. Solche Sendungen können nicht maschinell bearbeitet werden, folgere ich jetzt.

Wahrscheinlich gehören die gelben Kleber noch zur postalischen Handarbeit. Ebenso die Korrektur der Postleitzahl 8084 auf einem Brief für uns. Richtig wäre 8048 gewesen.

Letizias Karte «Ich hol Dir die Sterne vom Himmel» verlangt noch einen Hinweis:
Letizia spricht da ihren Vater als Kunigunde Elfriede Pümperlitz an. Diese ist in unserer Kommunikation eine Figur, mit der wir Spass machen und kleine Geschichten erzählen, damit das Leben nicht immer nur ernst ist.

Tage zuvor ist im Tages Anzeiger ein Artikel über jene Mieter aus dem Welti-Furrer-Areal erschienen, die ihre Werkstätten jetzt verlassen müssen. Auch Primo wurde befragt und fotografiert. Und dieses Interview hatte Kunigunde Elfriede Pümperlitz natürlich gelesen. Dass den 4 Männern je eine Figur aus den Geschichten von Asterix und Obelix übertragen wurde, faszinierte natürlich unsere Kunigunde.
Das gallische Dorf von Zürich-West – Tages-Anzeiger-Artikel vom 12.10.2017

Samstag, 7. Oktober 2017

Ein Ausflug ohne festgesetztes Ziel

Primos Idee: Unvorbereitet reisen. Ohne Fahrplan, ohne fixes Ziel usw.

Dafür eignet sich im Kanton Zürich der 9-Uhr-Pass bestens. Mit ihm lässt sich günstiger und unkonventionell reisen. Einsteigen und aussteigen wo es einem gerade gefällt. Mit diesem Pass reisten wir an jenem Tag im Tram und Postauto. Die Eisenbahn wurde uns verwehrt.

Gerade als wir im Tram in Oerlikon angekommen waren, erlitt die Fahrleitung im Umfeld dieses Ortes einen Defekt. Wir konnten nicht mit der Bahn weiter reisen.
Das Tram führte uns dann zum Flughafen. Dort konnten wir zur Mittagszeit essen, aber nicht mit der Bahn weiter reisen. Im überdachten Bushof standen Postautos zur Abfahrt bereit. Wir liessen uns von einem Chauffeur beraten. Er nahm uns mit auf seinen Kurs, meldete nach vorheriger Absprache unseren Umsteigeort und die Busstation rechtzeitig zur Weiterfahrt nach Freienstein und Teufen. Die Fahrt in eine uns nicht bekannte Falte im Kanton Zürich.
In Rorbas hatten wir noch Zeit, um uns umzusehen. Imponiert hat mir die Tössbrücke. Und die Wege, obsi und nitzi (aufwärts und abwärts). Und die von weitem her sichtbare reformierte Kirche. Ebenso die vielen gepflegten Häuser nach alter Manier. Zu ihnen gesellen sich farbige Frauen aus Holz und zeigen uns, dass alte und junge Schönheit zueinander passen.

Nach der Rückfahrt nach Kloten auch Rückfahrt wieder im Tram zum Zürcher Hauptbahnhof. Da war der Tag noch jung und die Ideen noch nicht verbraucht. Erneut wendeten wir uns dem Tram zu, allerdings in eine andere Richtung, zum Römerhof. Dort wartete bereits die Zahnradbahn und führte uns in wenigen Minuten zum Dolder, dem bekannten Erholungsgebiet.

Hoch über der Hektik der Stadt wanderten wir ein Stück weit über den Zürichberg. Die Alpen grüssten. Die Aussicht Rigiblick war unser nächstes Ziel. Dort wollten wir noch die Seilbahn Rigiblick benützen. An diesem Tag wurden Renovationsarbeiten ausgeführt. Eine Reise in der Seilbahn nicht möglich. Wir wurden auf einen kleinen Bus verwiesen. Er werde uns ins Tal führen. Und diese Fahrt, sie gab unserem Ausflug noch das letzte Tüpfli aufs i. Sie führte Serpentinen gleich durch Strassen, die wir noch nie betreten haben. Vorbei an vornehmen Häusern mit Bäumen und schönen Gärten. Hier wohnt das reiche Zürich.

Obwohl uns an diesem Tag verschiedene Hindernisse im Weg standen, empfanden wir unseren Ausflug vielseitig und spannend. Ich freute mich besonders auch, dass wir hier oben auf dem Zürichberg eine Stele entdeckten, die

Susanna Orelli-Rinderknecht 1845—1939 gewidmet ist.

Sie ist die erste Frau, der 1919 die medizinische Ehrendoktorwürde verliehen worden ist.
Sie starb im Jahr 1939 und ich kam 1939 auf die Welt.

Sie war eine Vertreterin der Schweizer Abstinenzbewegung und Gründerin des Zürcher Frauenvereins.
Wie wahr auch ihre Weisheit, die auf der Stele festgehalten ist:
IM GUTEN LIEGT EWIGE LEBENSKRAFT.

Die Begegnung mit ihrem Andenken gab unserem Ausflug zum 55. Hochzeitstag einen besonderen Glanz.

Freitag, 22. September 2017

Augen oder Gesichter, die mich angesprochen haben

Diese erste Foto entstand im Frühjahr 2010, als wir an einem Sonntagmorgen zu dritt Bärlauch suchten. Anfänglich regnete es. Am Waldrand angekommen, brauchten wir keine Schirme mehr. Wir steckten sie weg, ohne dass ein besonderes Bild hätte entstehen müssen.

Erst als wir unsere Portion Bärlauch gepflückt hatten, entdeckten wir das schöne Bild, das die Schirme darstellen. Ich mag Zufälligkeiten und fotografiere sie gern. Jetzt, 9 Jahre, später treffe ich das Bild in meinem Fotoarchiv unverhofft an. Und wieder denke ich an Vögel.

Meist sprechen mich aber Gesichter an, wenn ich Gemüse oder Früchte rüste, Brot aufschneide oder bei Primo in der Werkstatt aufgeschnittenes Holz betrachte.

Augen und Gesichter, die ich hier zeige, sind nicht speziell für diesen Beitrag gestaltet worden. Es sind Momentaufnahmen, Zufälligkeiten, wie ich das Bild unverhofft gesehen habe. Auch am Grashalm wurde nichts gestaltet. Er schaute mich so freundlich an. Mit Augen, die eigentlich Grashalmäste sind.

Freitag, 8. September 2017

Die Stadt Schlieren kennen gelernt

Lisbeth hatte angerufen und mich zu einem Mittagessen im Garten des historischen Stürmeier-Hauses in Schlieren eingeladen. Wir haben uns lange nicht mehr gesehen. Sie war krank, brauchte Ruhe und Abgeschiedenheit. Als sie anrief, fühlte sie sich stark und traute sich zu, mich anderntags durch das neue Schlieren zu führen. Sie liebt ihren Wohnort, ist immer informiert, was sich da regt und entsteht.

Die leckeren Speisen mundeten. Der Aufenthalt im Freien am Rand eines kleinen Parks vermittelte mir Ferienstimmung. Lisbeth führte mich nach dem Essen noch an einen Teich, zum Ortsmuseum und zur Mozart-Tafel, die davon erzählt, dass die längste und grösste Konzertreise im Leben von Wolfgang Amadeus Mozart mit seiner Familie im Spätsommer und Herbst 1766 durch die Schweiz führte. Damals war das Wunderkind erst 10 Jahre alt
Artikel aus dem Tages Anzeiger

Schlieren sei die erste und bisher einzige Mozartstadt im Kanton. Lisbeth erzählte, dass hier in gewissen Abständen in Schlieren Mozartwerke aufgeführt würden. Wenn ich recht verstanden habe, hier im Park. Die rote Säule, die davon berichtet, ist leider beschädigt worden. Wie an vielen Orten, wenn es unzufriedene Menschen nicht ertragen, dass andere sich an Kultur oder nur auch an Ordnung freuen können, beschädigen sie diese.

Weiter wurde ich auf den Kirchplatz geführt. Der rund gestaltete Festplatz liegt wie ein Teppich vor der Kirchentür. Er ist aus verschieden ornamental eingelegten Pflastersteinen gestaltet. Die wenigen Häuser in diesem Umfeld ergänzen den Platz und lassen ihn zu einem Raum wahrnehmen.
Ich wusste bis anhin nicht, dass der Stadtkern von Schlieren eine so gut erhaltene Schönheit ist. Gern liess ich mich durch den Park und an den Teich führen. Die Sonne schien und spielte mit dem Grün verschiedener Parkbäume. Mütter und Kinder spazierten hier. Kaum zu glauben, dass nicht weit daneben starker Verkehr braust. Wie der Park trotzdem Ruhe schenken kann, ist sein persönliches Geheimnis.
An diesem Nachmittag hatten wir zusammen auch noch das neue Schlieren mit seinen gigantischen Hochbauten für Wohnungen und Geschäftsräume angeschaut. Was für eine architektonische Vielfalt! Und wie viel Grün in den Räumen zwischen den Wohnhäusern gepflanzt worden ist. Eine Wohltat. Noch sind hier nicht alle Räume schon besetzt. Geschäfte und Gaststätten werden wohl demnächst einziehen.
Ich fragte mich, was denn in diesem riesigen Areal früher angesiedelt war. Wie schnell man alte Bilder vergisst, wenn neue dominant werden und einen in Bann ziehen. Primo erinnerte mich daran, dass hier auf einer grossen Fläche noch vor wenigen Jahren ein mächtiger Occasions-Autohandel stattfand.
Die alten hochgewachsenen Bäume aus dem kleinen Park der Firma Geistlich, die früher in diesem Gelände ihre Leimsiederei betrieb, stehen noch alle treu beisammen. Unternehmer aus vorigen Jahrhunderten bauten oft neben der eigenen Fabrik eine Villa und pflanzten exotische Bäume. Diese Geistlich-Baumgruppe, ganz in der Nähe vom SBB-Bahnhof Schlieren ist heute noch von weitem sichtbar. Sie erscheint jetzt klein, weil das umgebrochene Land nochmals so gross zu sein scheint, wie dasjenige, auf dem die futuristischen Wohn- und Geschäftshäuser bereits aufgezogen worden sind.

Begeistert bin ich dann gegen Abend hin auf dem Veloweg, der Eisenbahnstrecke Baden-Zürich entlang, wieder heimgefahren. Nochmals schaute ich zu den Parkbäumen hin. Könnt ihr hier bleiben? fragte ich. Grosse Stille. Ich sah sie alle zusammen in ihrem Verbund, in ihrer Aufgabe ein Park zu sein. Obwohl der eine, den ich die «Tanne» nenne, wie eine Kirchturmspitze wahrgenommen werden könnte, wenn dieser Park aus einem günstigen Blick betrachtet wird. Die Gruppe ist aber mehrheitlich homogen zu sehen.

Verständlich, dass ich zu Hause rapportierte und bewirkte, dass wir beide am darauffolgenden Sonntag nach Schlieren fuhren, wo ich einige von mir beschriebenen Orte noch vorstellen konnte.
Auch Primo kannte den alten Stadtkern noch nicht, aber wie voraus gesehen, interessierten ihn die Neubauten mit ihren gigantischen Häuserreihen und grundsätzlich die vielfältige Architektur. Und selbstverständlich auch jene Fläche, die als Nächstes überbaut wird.

Vor der Heimkehr wollte ich noch den schönen Platz vor der Kirche im alten Ortskern zeigen. Und da wartete dann eine Überraschung auf uns. Es fand ein lebensfrohes Fest mit Auftritten von ausländischen Trachtengruppen statt. Von mildem Wetter begleitet. Musik in Fülle. Die ersten beiden Gruppen wurden von mitgebrachten Instrumenten begleitet. Wunderschön die feinen Klänge für den Tanz. Ganz anders dann jene Gruppen mit lauter Konserven-Musik. Da wurden meine Ohren strapaziert. Ich empfand diese Lautstärke noch schmerzvoller als die brausende Orgelmusik in der Kirche.