Sonntag, 13. Dezember 2015

Vom Papierstern über schmutzige Fenster
zum Licht und zu Farben

Besuch bei der Tochter Letizia. Ich bringe ihr unseren Christbaumständer. Sie wird für die Familie den Weihnachtsabend gestalten. Primo hat von der Stafette gesprochen, dass er ihr diese Aufgabe jetzt übergebe. Sie freut sich. Und wünschte sofort, dass auch die wenigen Christbaumkugeln aus dem Nachlass ihres Grossvaters zu dieser Übergabe gehören.

Wir sitzen eine Weile zusammen und sie fragt mich, ob mein Zuhause schon weihnächtlich geschmückt sei. Sie könnte uns einen aussergewöhnlichen Stern herstellen. In wenigen Minuten. Ja gern!

Einer in Deutschland gekauften Packung mit Papiertüten für Sandwichs entnahm sie 7 Stück, und zauberte nach einer Anleitung aus dem Internet im Nu einen Papierstern. Hier der Link zur Anleitung: www.vimeo.com/148355957

Erstaunlich wie wenige Bedingungen erfüllt werden müssen, um ein solches Kunstwerk zu erschaffen. Als Zuschauerin wirkte diese Aktion wie ein Jahrmarktzauber. Gern nahm ich den Stern entgegen. Mit wenigen Handgriffen konnte er in die Ausgangslage zurückgefaltet werden. Unverletzt brachte ich ihn heim. Und dort gelang es auch mir, ihn aufzufalten.

Da hängt nun das zarte Gebilde am Fenster im Stübli, wie wir unser kleines Esszimmer nennen. Ich beobachte, wie es auf Feuchtigkeit und Wärme und wahrscheinlich auch auf uns und unsere Bewegungen reagiert. Es scheint zu atmen, ist auf seine Art lebendig.

Tags darauf, am Sonntagmorgen, sassen wir länger als an Werktagen üblich am Frühstückstisch. Wir hörten Radio. Dazu schaute ich beinahe pausenlos zum Stern am Fenster, bis der Blick auf einmal zu den schmutzigen Fensterscheiben wechselte.
Auf einmal sah ich nicht mehr nur den dreidimensionalen Stern, sondern auch Staub und Schmutz auf dem Glas. Der tiefe Sonnenstand warf eine Zeit lang fadengerade Strahlen auf unsere Fensterscheiben. Oh je! Wie schmutzig diese geworden sind. Sie hätten es nötig, gründlich gereinigt zu werden. Ganz besonders jetzt vor Weihnachten. An diesem Morgen interessierte mich aber nur noch, was am Glas hängen geblieben sein mag. Primo zählte sofort auf: Feinstaubige Erde, vom Wind überwirbelter Wiesen und Felder, von zersetzten Baumblättern, Pollen von Pflanzen, Russ von Kaminen, von Autoabgasen, Abrieb von Pneus, Abrieb von Asphalt. Alle zu kleinsten Partikeln zerfallen.

Wie ich so dasass und weiter zu den Fenstern schaute, vollzog sich noch eine eindrückliche Schau, eine Demonstration von vorbeiziehenden Staubpartikeln. Im Gegenlicht zeigten sie sich mir als kleine Schäumchen. Von der Luft getragen schwebten sie tanzend an mir vorbei.
Eine berührende Lektion.

Und dann noch die Zugabe. Plötzlich fiel mir auf, dass Kratzer im alten Glas ebenfalls von der Sonne angestrahlt wurden und als Finale meiner Beobachtungen noch prismatische Farben um sich warfen.
Über das Prisma am Fenster wirft das Sonnenlicht die Regenbogenfarben auf die gegenüberliegende Wand.
Und das alles am 13. Dezember, dem Namenstag von Santa Lucia, der heiligen Lucia. Ihr Name bedeutet die Lichtvolle. Die junge Frau, die diese Figur verkörpern darf, trägt eine Lichter-Krone. Ihr Fest entstand in Schweden, strahlt aber in andere Länder aus. In Zürich werden wir jedes Jahr auf sie aufmerksam. Die hier lebenden Schweden feiern ihre Lucia und bringen sie uns näher. Ein sympathisches Fest. Meine Familie war auch schon dabei.

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