Mittwoch, 10. Oktober 2018

Festtag für unser gemeinsames Leben

Ankunft vor dem Gasthaus Feld in Feusisberg
Kürzlich bin ich auf dem Trottoir umgefallen. Ich überquerte die Hauptstrasse, nachdem ich einen Brief in den Postbriefkasten geworfen hatte. Auf dem Rückweg störte mich einer der «lödeligen» Socken, der nach vorne gerutscht war. Ich nahm mir vor, diesen raschmöglichst zurück zu ziehen, sobald ich wieder bei meinem Velo angekommen sei.

Diesem Gedanken müssen meine schnellen Schritte widersprochen haben. Darum stolperte ich über die eigenen Füsse und fiel hin.

Ich muss mich beim Fallen leicht abgerollt haben. Wie das geschah, weiss ich nicht. Der Schlag hatte meine Knochen nicht angegriffen. Das spürte ich sofort. Fürs erste blieb ich eine Weile liegen und dachte: Was geschieht jetzt?

Da sprach mich eine Frau an, die ich im Alter etwa 10 Jahre jünger als ich es bin einschätzte.

Sie half mir aufstehen und begleitete mich einige wenige Schritte bis zur Sitzbank an der Bushaltestelle. Dann sprach sie sehr selbstsicher: Jetzt müssen Sie sich einen Rollator aneignen. Und ich dachte dazu: Wenn diese Frau wüsste, dass ich auf dem Velo vom Stadtrand herunter gefahren bin, dann würde sie gewiss die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Seltsam solche Befehle!

Ich liess mich nicht in weitere Gespräche ein. Wir verabschiedeten uns. Ich dankte für die Hilfe. Ich wurde nicht weiter beachtet oder angesprochen. Ich konnte normal gehen, machte danach noch kleine Kommissionen und ging dann heim. Immer ein Stück weit normal Velofahren, dann wieder ein Stück zu Fuss, das Rad vor mich herschiebend. Weder die eine noch die andere Variante signalisierte mir, dass ich Hilfe brauche.

Zu Hause wusste mein Ehemann, welche Salben jetzt aufzutragen seien. Es traten keine Schmerzen auf und auch keine Ängste.

Ich dachte dazu, dass dieser Sturz «Obacht» gerufen habe. «Du solltest ruhiger und gelassener gehen und handeln. Nicht mit einem ersten Gedanken davon eilen.» Mein Vater sagte jeweils in vergleichbaren Momenten: Das war eine Warnung.
 Feusisberg und Blick zum Zürichsee
Wenige Tage später konnte ich meinen Vorsatz anwenden. Primo hatte mich zum Mittagessen nach Feusisberg eingeladen. Das war der Ort, wo wir vor 57 Jahren Hochzeit feierten.

Wir fuhren nach Schindellegi und marschierten von dort aus nach Feusisberg, ins Restaurant Feld.

Erst bei der Bezahlung für das Mittagessen, das uns gemundet hat, wiesen wir kurz auf unsere Geschichte hin. Die Serviertochter informierte die Wirtin, die sich dann noch mit uns unterhielt. Als wir den Jahrgang unserer Hochzeit nannten, lachte sie. Da sei sie noch ein kleines Kind gewesen.
steil aufwärts
Es war ein heiterer Tag mit viel Weitsicht auf den See und in die Berge. Es lockte uns, immer höher zu steigen. Die Wirtin konnte uns den zeitlichen Rahmen für den Weg nach Einsiedeln nennen: 3½ bis 4 Stunden.

Wir fühlten uns aufgenommen von dieser hügeligen Welt, in der wir immer höher aufsteigen konnten. In der ersten sehr steilen Etappe wollte ich eins sein mit meinen Füssen und Schuhen. Auf sie aufpassen, auf sie hören. Sie spüren. So kam ich gut voran. Das Umfallen hat mich gelehrt, mit den Gedanken weniger voraus zu eilen. Da zu sein, wo ich jetzt gerade bin. So fühlte ich eine innere Ruhe, die Kraft und Ausdauern spenden kann.

Weitere Fotos zeigen Blickwinkel unserer Wanderung.
Blick auf den Zürichsee mit der Ufenau
Teufelsbrücke
Sankt Meinrad
Paracelsus Geburtshaus
Ankunft in Einsiedeln, Glocken läuteten gerade zum Gottesdienst
Krönender Abschluss: Vermicelles im Sternen Bistro Einsiedeln

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