Montag, 21. März 2016

Wenn Bäume ihre Gesichter und ihre Innenwelt zeigen

Die Foto, die ich meinen Gedanken hier voranstelle, ist nur wenige Tage alt. Das Bild hat sich mir als Überraschung gezeigt. Ich habe es nicht gesucht, hätte gar nicht wissen können, dass da 2 Pflanzen an einer Friedhofmauer ihr Alter feiern, sich gegenseitig berühren und diesen verzauberten Moment mit den neu erblühten blauen Blumen teilen. Hier findet Absterben statt und gleichzeitig werden wir aufmerksam auf neues Leben.

Ähnliche Gedanken kamen auf dem Sonntagsspaziergang auf.
Im Wald begegneten wir viel gefälltem Holz. Prächtige Stämme, wie sie für die Holzbearbeitung interessant sind. Wir bewunderten ihre Querschnitte, aber auch ihre Verletzungen vom Fällen. Manche zeigten uns ihr Gesicht. Und von den Jahrringen liessen sich Wachstumsgeschichten und Alter ablesen.

Auch die verschiedenen Beigen mit krummen und knorrigen Ästen verwiesen auf manche Schönheit. Und der Waldboden erzählte uns ebenfalls Geschichten. Spannende Geschichten.

Meine Ostergrüsse überbringt die hölzerne Frau im Eichengewand.

Mittwoch, 24. Februar 2016

Lebensweg oder Lebensfaden, auch roter Faden genannt

Primo Lorenzetti «Der rote Faden» 2. Andruck


Diese Begriffe sind uralt und immer noch gültig. Und immer noch verständlich. Auf ein Leben zurückschauen, heisst die Wege erkennen, die wir gegangen sind.

Vor 20 Jahren gestaltete Primo einen solchen Lebensfaden auf einer 16 mm dicken Multiplexplatte. Ich war nicht zugegen, als er ihn aufzeichnete, stelle mir aber vor, wie schwungvoll er vorgegangen ist.

Dann schnitt er die ersten beiden Schichten der Sperrholzplatte ab, liess nur den aufgezeichneten Faden stehen. Er nennt diesen Prozess ausgrunden.

Das Sperrholz ist für eine solche Arbeit bestens geeignet. Massives Holz hingegen, das auf Temperaturen und Luftfeuchtigkeit sensibel reagiert, würde eine solche Arbeit zerstören.

Der Druckstock, wie er hier zu sehen ist, hängt neuerdings wie ein Bild in unserer Wohnung. Noch immer verbreitet diese Arbeit Freude. Je älter wir werden verstehen wir, dass die aufgezeichneten Wege darauf hinweisen, dass sie eines Tages zu Ende sind.

Unsere Enkelkinder haben diesen Faden nie gesehen. Vor 20 Jahren waren sie noch nicht auf der Welt. Und der Druckstock damals im Lager der Werkstatt gut versorgt.

Dieser Tage, als ich Zeichnungen und Briefe der beiden Mädchen ordnete, fand ich ein A4-Blatt mit einer Fadenzeichnung ähnlicher Art. Von Nora. Da war sie gerade 5-jährig und besuchte noch die Ecole Maternelle in Paris. Erstaunlich die Ähnlichkeit mit Grossvaters Werk. Wahrscheinlich haben wir uns schon damals darüber gewundert. Und diese Überraschung dann wieder vergessen.

Als Kind wusste ich noch nichts von sogenannten Lebenswegen. Und solche Zeichnungen, wie ich sie gerade vorstelle, habe ich keine gemacht. Ich erinnere mich aber, dass ich mich in der Schulzeit unfrei fühlte. Ich sah mich in einem Bahnwagen, war Teil von ihm, musste zwangsläufig immer auf seiner Schiene bleiben. Doch eines Tages träumte ich, dass ich angekommen sei. Der Zug hielt an. Ich stieg aus. Hier endete das Geleise. Was für eine grosse Erleichterung. Ich befand mich in einer Einöde, einer Art Pampa. Ganz allein. Aber erlöst und frei. Und auf eine bescheidene Art glücklich. Da begann mein persönlicher Weg. Er mag dem Bild meines Mannes und den Schwüngen von Nora heute sehr ähnlich sein.

Freitag, 29. Januar 2016

Hemberg im Toggenburg: Wohnort von Freunden
und Dorf von nationaler Bedeutung

Wir reisten dem Obersee entlang. Im Nebel. An diesem Morgen zeigte er sich wie das Meer. Als graue Unendlichkeit. Mit vielen Möven im Uferbereich von Schmerikon. Wir befanden uns im Regio-Express nach Wattwil. Weiterfahrt im Postauto nach Hemberg. 325 Höhenmeter aufwärts.

Im Postauto wurden anfänglich laute Gespräche geführt, die zwangsläufig alle Reisenden mithören mussten. Ganz still aber sass eine junge Frau auf einem einzelnen Sitz und strickte. Eine Stimmung wie in einer Stube. An jeder Station stiegen Fahrgäste aus. Neue kamen nicht hinzu. Primo und ich gehörten zu den wenigen, die bis nach Hemberg reisten.

Ich erhoffte für mich den Ausstieg aus der Nebelsuppe, diesen magischen Moment, wenn die Nebeldecke durchbrochen wird. Wenn sich ihre Fetzen in kleinste Partikel auflösen und zu Wassertröpfchen werden, in denen in Bruchteilen von Sekunden Regenbogenfarben aufscheinen.

Dieses Auseinanderdriften habe ich aus dem Postauto bergwärts gut verfolgen können. Nicht lange. Auf der Höhe von Wattwil-Eggberg erfüllte sich, was ich zu erleben hoffte. Ein blauer Himmel und eine strahlende Sonne lachten uns an. Sofort erweiterten sich die Horizonte. Die Räume dieser Gegend wurden sichtbar. Hügel, Berge und Felswände liessen sich aus der Vogelperspektive anschauen. Kurz vor unserem Ziel bemerkte ich linksseitig unserer Fahrbahn und tief im Tal einen Kessel, der immer noch von dichtem Nebel beherrscht war. Die Sonne hatte ihn noch nicht austrocknen können. Dieses Nebelgebiet erschien von oben herab wie ein norwegischer Fijord.

Ankunft in Hemberg, Station Post. Da wurden wir erwartet und herzlich begrüsst.

Unser Gastgeber machte als erstes auf den gefrorenen, glitschigen Boden aufmerksam. Aufpassen! Er sei hääl, sagte er in seinem Dialekt. Er war besorgt, wollte einen Unfall verhindern.

Von der Post herkommend, grüsste er zwei Personen und stellte uns diese vor. Männer, die hier leben und arbeiten. Eine der Zufälligkeiten, die Ausflüge bereichern. Solche ermöglichen es, nicht nur das Äussere eines schmucken Ortes, sondern auch etwas von der Mentalität der hier lebenden Menschen zu erhaschen. Aus den heiteren, von Sonne und Wind gestählten Gesichtern sprachen Freundlichkeit und Schalk.

Als weitere Beigabe zur Begrüssung empfanden wir das 11-Uhr-Glockengeläute der reformierten Kirche gleich nebenan. Dieses ist alte Tradition, die auch in Zürich in verschiedenen Kirchgemeinden noch lebt. Wenn Glocken läuteten, wurde früher gemeinsam gebetet. An diesem Tag und an diesem Ort sprachen sie uns auch an.

Hemberg ist ein Dorf von nationaler Bedeutung. P. führte uns im Auto durch den prächtigen Ortskern zu seiner entlegenen Klause, wie er das alte, jetzt sorgsam umgebaute Haus in der Nachbarschaft eines Hochmoors benennt. Hier erwartete uns seine Frau L. und hiess uns ebenso herzlich willkommen. Sie führte uns an einen ganz speziellen Ort, zu einer hölzernen Bank, wo wir an eine sonnengebräunte Scheunenwand anlehnen und ankommen konnten. Mit Blick zu den Churfirsten, der Bergkette mit dem mehrfach unterbrochenen First. Einmalig dieser Ort, das Licht und der freie Blick, den wir in der Stadt kaum mehr kennen. Und fern von aller Hektik, dominanten Bauten, Betonwüsten, Verkehrslärm und Stress. Nichts trennte uns von dieser Alpenwelt. Wir erlebten wieder einmal, was uns und gewiss vielen Mitmenschen wirklich gut tut.

Später, auf dem Vorplatz der Stube, ebenfalls im Freien, entdeckte ich noch den Säntis aus dem Nachbarkanton Appenzell. Er ebenfalls eine Berühmtheit. Er ist der höchste Berg im Alpstein, 2502 m.ü.M.

Freundschaften ermöglichen solche Ausflüge an Orte, die wir allein vermutlich nicht fänden. Und ein Haus betritt man auch nur, wenn dazu eingeladen worden ist.

Der ganze Tag war Licht erfüllt und noch nach der Heimkehr beim Einschlafen zeigte das innere Archiv Bilder von diesem Bilderbuchtag. Gehörtes und Gesehenes, Ernstes und Heiteres, alles wurde registriert.

Wir alle reden und erzählen gern. Und jedes mal, wenn wir einander nach Jahren wieder einmal treffen, entdecken wir erneut gemeinsame Bekannte. P. hat ein besonderes Gespür dafür.

An diesem Tag, von den Churfirsten aus der Nähe beeindruckt, drängte sich aber auch die Frage auf, warum uns auch der Säntis immer wieder anspreche. Da begann ich mich zu erinnern, dass wir ihn vor etwa 40 Jahren einmal gesucht haben. Er zeigte sich nicht. Das Wetter bot keine besondere Aussicht oder Übersicht. Hä-nu-so-dänn sagen wir, wenn wir etwas nicht ändern können. Wir zogen weiter, gingen auf dem vorgesehenen Wanderweg, bis uns eine Sitzbank zum Ausruhen einlud. Den prominenten Berg hatten wir schon vergessen, als sich der Nebelvorhang sachte zu lichten begann. Wir wussten nicht, was uns bevorstand, ahnten nur, dass sich hier etwas verändere. Und sahen plötzlich den Säntis. Wir sassen ihm gegenüber. Es fühlte sich an wie ein Wunder. Nur für uns?

Wir konnten niemanden fragen. Aber seither ist eine gewisse Freundschaft zwischen ihm und uns immer noch lebendig. Dort wo es möglich ist, schauen wir nach ihm aus. Z.B. wenn wir mit der S-Bahn ins Zürcher Oberland reisen. Je nach Wetter – wahrscheinlich liebt er den Föhn – kann man ihn im Umfeld von Bubikon sehen.
Auf dieser Foto zwinkert er mir durch die blattlosen Büsche zu.
Wahrscheinlich hatte er uns damals den ersten magischen Moment vermittelt.

Der angefügte Link ist eine Einladung: www.bak.admin.ch
Er führt zur Geschichte von Hemberg, dem Dorf von nationaler Bedeutung.

Samstag, 9. Januar 2016

Ein Nachruf auf aussergewöhnliche Neujahrsgrüsse

Wenn Post von U., B. und Ph. eintrifft, befinden wir uns immer in der Übergangszeit von Weihnachten zum Neujahr. Die Botschaft, die uns dann erreicht, ist jeweils von sprödem Humor umgeben und trägt immer ein leicht zu lösendes Rätsel auf sich. Hinweise müssen erspürt werden. Worte dazu fehlen. Philipp lässt uns gerne zappeln. Und er freut sich, wenn wir reagieren.

So sieht die Neujahrspost diesmal aus:

So präsentierte er am 30. Dezember 2015 das noch unbekannte Jahr 2016. Keine Sprüche dazu. Keine Hinweise, keine Wegweiser, keine Ziele. Nur ein weisses Blatt Papier, das die unmittelbare Zukunft darstellen muss. Das dürfte seine Botschaft sein.
Primo gab ihr sofort den Namen Entfaltung von A5 zu A3

Ganz anders die Sonne aus der Familie unserer ehemaligen Nachbarn im Bernoulli. Die Töchter von Veronika haben die Karte gestaltet. Spielerisch und lustvoll. Ihre unverdorbene Kreativität begeistert. Es wurde mit gebrauchtem Geschenkpapier gearbeitet.



Weisheit und Holz sind hier verbunden. Der Schreiner freute sich sehr. Die Karte stammt von einem ehemals auch "Hölzigen".



Wenn Gestalter Neujahrsgrüsse versenden, werden ihre Ideen immer professionell realisiert. Diesmal bewunderten wir ein zusammengefalltetes Plakat mit ausgestanzten Zahlen. 2016 gab sofort einen Sinn. Weitere Zahlen verstand ich erst, als ich den Glückwunsch-Text nochmals las. Da blitzte das Wort zahlreich im Zusammenhang mit geselligen Momenten und unvergesslichen Gelegenheiten auf.

Geburtstag und Neujahr scheinen dem Gestalter wichtig zu sein. Er hat die beiden Worte ebenfalls ausstanzen lassen. Zu seinen Festtagen gehören offensichtlich feinste Backwaren. Rezepte und Puderzucker lagen bei. Viele Details dieses Neujahrgrusses verweisen auf einen Ästheten.



Hier ein Blick auf Nachrichten und gute Wünsche eines Mannes, der nächstes Jahr vielleicht nicht mehr unter uns weilt. Erstaunlich seine Anstrengungen, wie er uns mitteilt, dass ein längst versprochener Besuch in unserer Werkstatt nicht mehr möglich sei. Eine beachtliche Leistung. Sie berührt uns. Einige wenige solcher letzter Schriftzüge besitze ich auch von meinem Vater.

Das ganze Wesen der Weihnachtsbriefe und Weihnachtskarten erinnert mich aber an meine Mutter. Diese gab mir in jungen Jahren jeweils zwischen Weihnachten und Neujahr die Aufgabe, die Adressenliste unserer zahlreichen Verwandten neu zu schreiben. So weit ich mich erinnern kann, gab es jedesmal Änderungen zu berücksichtigen. Sei es wegen Umzügen oder Todesfällen, aber auch wenn sich jemand einen eigenen Telefonanschluss einrichten liess.
Ich freute mich immer auf diese Aufgabe. Noch sehe ich solche Listen vor mir, sehe, wie sie sich von Jahr zu Jahr veränderten. Es war eine Art Rapport, eine Kontrolle, die uns zeigte, wie sich die Grossfamilie veränderte.

Später erlebte ich den Schwiegervater, wie er dieses Jahresend-Ritual taxierte. Er setzte voraus, dass man sich ein gutes neues Jahr anwünschte. Persönlich oder schriftlich. Als eine Form von Anstand.

Einmal bekam er keine Neujahrskarte von einem Verwandten, dem er Geld ausgeliehen hatte. Da musste ich für ihn die sofortige Rückzahlung der Schuld verlangen.

Die Karten zu Weihnachten und zum Jahreswechsel gehören in unserer Familie immer noch zur persönlichen Kultur.

Auch die Enkelinnen haben uns schon mehrmals Signale gesendet, dass sie sich an Karten und Briefen freuen.

Heute schickte die bald 10-jährige Nora dieses Bild mit dem ausstrahlenden Stern.


Sie schrieb dazu, dass sie diese Zeichnung nur machen konnte, weil wir Grosseltern eine so nette Tochter Felicitas hätten. Wörtlich heisst es weiter: Mama hat mir zur Weihnachten Zauberstifte gekauft. Mit denen konnte ich das Bild machen.

Ob die Enkelinnen unsere Tradition weitertragen, steht in den Sternen.
In ihren Sternen.

Freitag, 1. Januar 2016

Neujahrsgrüsse

Im Freien, den Temperaturunterschieden ausgeliefert, zerbarst Primos Komposition aus farbigen Schmelzglasscheiben.
Ihre Risse erzählen mir, dass das, was Menschen gestalten, oft auseinander bricht.
Aber das Licht dahinter, es währt ewig. Die Sonne geht jeden Tag wieder auf.

Gott schicke:
Den Tyrannen Läuse
Den Frauen Nerze
Den Einsamen Hunde
Den Kindern Schmetterlinge
Den Männern Wildschweine
Uns allen aber einen Adler
Der uns zu Ihm trage.

Alter Neujahrswunsch

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Die kleine Tanne, der Christbaum, Wohnorte mit Namen Wald und das Stille-Nacht-Schnarchkissen

Die kleine Tanne
Als unsere Töchter noch bei uns lebten, entdeckte Felicitas, damals Sekundarschülerin, auf einem gemeinsamen Spaziergang an einem Waldrand ein kleines Tännchen. Wie eine Miniatur. Sie grub es aus und setzte es in einen Tontopf. Diesen stellte sie im Garten an einen geeigneten Platz. Der kleine Baum wuchs bedächtig. Zu Weihnachten wurde er regelmässig ins Haus getragen.

Schwierig empfand ich jeweils nach den Feiertagen, den richtigen Augenblick zu erhaschen, um den Topf wieder ins Freie zu bringen. Die Pflanze, die über die Feiertage von Zimmerwärme umgeben war, sollte ob tiefen Aussentemperaturen nicht erschrecken.

Felicitas nahm diesen Baum nicht mit, als sie von Zuhause wegzog. Er gehörte schon längst zur Familie. Wohl schenkten wir ihm noch Zuneigung, doch geschmückt wurde er nie mehr.

Eines Tages bemerkte ich, dass die Wurzel den Topf gesprengt hatte. Wir sagen im Dialekt
S hät en verjagt
. Zur selben Zeit vernahmen wir von Felicitas, dass sie nach Canada auswandern werde. Ich vermute, dass sie die Schweiz damals genau so empfunden hatte, wie das Bäumchen den Topf. So interpretierten wir den Befund und versetzten die kleine Tanne ins Erdreich eines Wäldchens, weit weg von uns. Hier konnte es sich besser entfalten.

Der Baum, der Christbaum wird
Am vergangenen Sonntag benützten Letizia und Primo die Gelegenheit, den diesjährigen Familien-Christbaum aus dem Forstgarten Albisgüetli selber zu schneiden. Grün Stadt Zürich (Departement für den Bau und die Pflege sämtlicher städtischer Grünflächen) lud an diesem Tag dazu ein. Auf einem begrenzten Feld durften Bäume ausgesucht und eigenhändig geschnitten werden. Mustergültig die Organisation. Moderat die Preise. Allseitige Begeisterung. Beachtlicher Aufmarsch von Familien mit Kindern. Gute Stimmung am Ort. So wurde ich informiert.

Den Baum für unsere diesjährige gemeinsame Weihnacht habe ich erst auf einer Foto gesehen. Ich erwarte das Weihnachtsfest mit einer wohltuenden Entspanntheit. Bin nicht mehr für alles verantwortlich.

Vielleicht wirkt auch schon das Geschenk von Felicitas:
Das Stille-Nacht-Schnarchkissen aus Oesterreich.

So wird es beschrieben:

Diese wohlriechende Duftkombination sorgt für einen tiefen und entspannten Schlaf und setzt die Pulsfrequenz runter. Die Inhaltsstoffe sorgen für freie Atemwege. Am Besten unters Kopfkissen legen oder direkt darauf schlafen.

In der Sprache der Herkunft* dieses wertvollen Geschenks tönt es so:
Stille-Nocht-Schnorchpoista
Va den guadn Gschmoch schlofst gonz bessa,
s'Heaschz weaschd schtada und s'schnaufn geht
a leichta. An Bestn untan Poista legn, mogst owa a glei drauf schlofn.

Diese Geschichte ist zu schön, um Felicitas gegenüber zu verheimlichen, dass ich ihr Paket, das dieser Tage in Zürich angekommen ist, schon geöffnet habe. Ich vermutete, der Inhalt könnte mir eine kleine Geschichte fürs Blog-Archiv bereit halten.

Was mich auch berührte, ist der Ort Wald im österreichischen Pinzgau. Ich selbst stamme auch von einem Ort mit diesem Namen. Der meine: Wald im Kanton Zürich. Beide Orte tragen in ihrem Wappen 3 Tannen. In jenem von Wald im Pinzgau verweisen zusätzlich drei goldene Kugeln auf den Kirchenpatron Sankt Nikolaus.

Es freut mich, dass der Nikolaus in meinen diesjährigen weihnächtlichen Gedanken auch dabei ist.

* Adresse für Gebrauchsartikel mit Tradition:
www.gipfelrausch.at

Sonntag, 13. Dezember 2015

Vom Papierstern über schmutzige Fenster
zum Licht und zu Farben

Besuch bei der Tochter Letizia. Ich bringe ihr unseren Christbaumständer. Sie wird für die Familie den Weihnachtsabend gestalten. Primo hat von der Stafette gesprochen, dass er ihr diese Aufgabe jetzt übergebe. Sie freut sich. Und wünschte sofort, dass auch die wenigen Christbaumkugeln aus dem Nachlass ihres Grossvaters zu dieser Übergabe gehören.

Wir sitzen eine Weile zusammen und sie fragt mich, ob mein Zuhause schon weihnächtlich geschmückt sei. Sie könnte uns einen aussergewöhnlichen Stern herstellen. In wenigen Minuten. Ja gern!

Einer in Deutschland gekauften Packung mit Papiertüten für Sandwichs entnahm sie 7 Stück, und zauberte nach einer Anleitung aus dem Internet im Nu einen Papierstern. Hier der Link zur Anleitung: www.vimeo.com/148355957

Erstaunlich wie wenige Bedingungen erfüllt werden müssen, um ein solches Kunstwerk zu erschaffen. Als Zuschauerin wirkte diese Aktion wie ein Jahrmarktzauber. Gern nahm ich den Stern entgegen. Mit wenigen Handgriffen konnte er in die Ausgangslage zurückgefaltet werden. Unverletzt brachte ich ihn heim. Und dort gelang es auch mir, ihn aufzufalten.

Da hängt nun das zarte Gebilde am Fenster im Stübli, wie wir unser kleines Esszimmer nennen. Ich beobachte, wie es auf Feuchtigkeit und Wärme und wahrscheinlich auch auf uns und unsere Bewegungen reagiert. Es scheint zu atmen, ist auf seine Art lebendig.

Tags darauf, am Sonntagmorgen, sassen wir länger als an Werktagen üblich am Frühstückstisch. Wir hörten Radio. Dazu schaute ich beinahe pausenlos zum Stern am Fenster, bis der Blick auf einmal zu den schmutzigen Fensterscheiben wechselte.
Auf einmal sah ich nicht mehr nur den dreidimensionalen Stern, sondern auch Staub und Schmutz auf dem Glas. Der tiefe Sonnenstand warf eine Zeit lang fadengerade Strahlen auf unsere Fensterscheiben. Oh je! Wie schmutzig diese geworden sind. Sie hätten es nötig, gründlich gereinigt zu werden. Ganz besonders jetzt vor Weihnachten. An diesem Morgen interessierte mich aber nur noch, was am Glas hängen geblieben sein mag. Primo zählte sofort auf: Feinstaubige Erde, vom Wind überwirbelter Wiesen und Felder, von zersetzten Baumblättern, Pollen von Pflanzen, Russ von Kaminen, von Autoabgasen, Abrieb von Pneus, Abrieb von Asphalt. Alle zu kleinsten Partikeln zerfallen.

Wie ich so dasass und weiter zu den Fenstern schaute, vollzog sich noch eine eindrückliche Schau, eine Demonstration von vorbeiziehenden Staubpartikeln. Im Gegenlicht zeigten sie sich mir als kleine Schäumchen. Von der Luft getragen schwebten sie tanzend an mir vorbei.
Eine berührende Lektion.

Und dann noch die Zugabe. Plötzlich fiel mir auf, dass Kratzer im alten Glas ebenfalls von der Sonne angestrahlt wurden und als Finale meiner Beobachtungen noch prismatische Farben um sich warfen.
Über das Prisma am Fenster wirft das Sonnenlicht die Regenbogenfarben auf die gegenüberliegende Wand.
Und das alles am 13. Dezember, dem Namenstag von Santa Lucia, der heiligen Lucia. Ihr Name bedeutet die Lichtvolle. Die junge Frau, die diese Figur verkörpern darf, trägt eine Lichter-Krone. Ihr Fest entstand in Schweden, strahlt aber in andere Länder aus. In Zürich werden wir jedes Jahr auf sie aufmerksam. Die hier lebenden Schweden feiern ihre Lucia und bringen sie uns näher. Ein sympathisches Fest. Meine Familie war auch schon dabei.

Dienstag, 24. November 2015

Ein Abend in der Innenstadt. Lichter zur Weihnachtszeit

Dieser Tage räumte ich die verdorrten Pflanzen aus den Blumenkisten ab. Noch während ich damit beschäftigt war, fielen Hagelkörner vom Himmel. Und Winde pfiffen mir um die Ohren. Nur eine kleine Weile. Wie ein Spuck. Ein leicht zu deutendes Zeichen: Der Winter zieht ein.
Und mit ihm die Weihnachtszeit. Zürichs Festbeleuchtungen wurden am vergangenen Donnerstag eingeschaltet und die Vorweihnacht eröffnet.

Mit Tochter und Ehemann war ich an jenem Abend in die Stadt gekommen. Wir trafen uns, um den erweiterten Weihnachtsmarkt auf dem Sechseläutenplatz anzuschauen. Auf dem Weg dorthin, besuchten wir den Neumarkt. Seit Jahren bewundern wir an diesem Ort die schlichte, feinfühlig farbige Weihnachtsdekoration. Zeitgleich mit der Bahnhofstrassen-Weihnachtsbeleuchtung wurde auch sie eingeschaltet.

Es sei eine Tradition, sagte uns die Buchhändlerin aus der Reisebuchhandlung am Rindermarkt, dass man an diesem Tag die eigenen Türen öffne und sich mit den Gästen unterhalte. Sie offerierte uns einen exotischen Tee und ermunterte uns, auf weitere offene Türen zu achten.
Zufällig waren wir zur rechten Zeit am rechten Ort, wo sich Neumarkt, Rindermarkt und Froschaugasse treffen. An dieser Stelle hatte sich kurz zuvor die Feuerwehr-Musik Zürich-Altstadt aufgestellt. Wir wussten nicht einmal, dass eine solche existiert. Erst an diesem Abend lernten wir sie kennen. Wir liessen uns gern von ihrer Musik einnehmen. Wir waren nicht die einzigen, die den warmherzigen Tönen lauschten. Auch Kinder freuten sich. Manche Augen leuchteten. Alt und Jung blieb stehen. Vielleicht erging es andern Erwachsenen wie mir. Die Musik trug mich in die Kindheit zurück, als sie noch ohne Elektrokabel auskam und den Ohren nicht schadete. Und auch die Sinne nicht erschreckte.

Die Feuerwehr-Musikanten freuten sich an unserer Begeisterung und lächelten verschmitzt.



Auf unserem weiteren Anmarschweg Richtung Bahnhof Stadelhofen und Bellevue kamen wir am Grossmünster vorbei. Die Tür war offen. Es traten viele dunkel gekleidete Personen ins Freie. Sehr ruhig, in sich gekehrt. Hatten sie an einer Feier teilgenommen? Es muss sich um etwas Bewegendes, Trauriges und um Abschied gehandelt haben. So meine Interpretation. Mehr weiss ich nicht. Die Foto spricht für sich. Jede Person, die sie betrachtet, kann sich dazu eine Geschichte ausdenken. Ereignete sich diese vielleicht in Paris?

Eine Viertelstunde später befanden wir uns im neuen Weihnachtsdorf auf dem Sechseläutenplatz. Inmitten von ungefähr 100 orangeroten, zu einem Dorf aufgestellten Verkaufs- Holzhäuschen, hier Hütten genannt. Sie lassen an Skandinavien denken.
An diesem Abend wurde hier Vernissage gefeiert. Fröhlich gestimmte Menschen prosteten einander zu. Ja, ihr Werk verdient Applaus. Hier tritt eine neue Generation auf, die sich dem Thema Weihnachten auf ihre Art annimmt. Mir gefallen die Gedanken, die den Vorbereitungen des Festes unterlegt worden sind. Für Weihnachts-Romantiker, Stadtzürcher und Besucher aus der ganzen Welt erschaffen. Von Neuem und Traditionellem ist die Rede. Mit starkem lokalen Bezug.

Am Sonntag danach konnte ich diesen Ort aus dem fahrenden Tram überblicken. Sehr belebt, heiter, wie auf einer beliebten Spielwiese.

Nachbar des neuen Weihnachtsdorfes ist das Opernhaus. Es offeriert den kostenlos klingenden Adventskalender in ihrem Haus. Und ergänzt so die materielle Seite von Weihnachten mit Musik. Dass es ein Gesamtkunstwerk werde!

Musikalischer Adventskalender im Zürcher Opernhaus

Montag, 26. Oktober 2015

Von Zündorf nach Weiss:
Romantische Fähre führt über den Rhein

Der Rhein bei Köln
Unsere Veloausfahrt als Familie. Ein Konvoi zu sechst. Angeführt vom Schwiegersohn ab Bayenthal dem Rhein entlang Richtung Bonn. Über die Autobahnbrücke ans andere Ufer. Angekommen in einem wohlgeordneten, lieblich grünen Land. Wiesen und Bäume. Land der Seligen?

Wir fuhren auf dem Rheinuferweg in den imposanten Flussbogen hinein. Dem Wasser nahe. Der Raum des Rheins zeigt sich in diesem Abschnitt besonders offen und weit. Sein Name Weisser Bogen.

Gerade als die Freude an dieser gemeinsamen Fahrt gross geworden war, schleuderte das neue Fahrrad unsere Enkelin Nora zu Boden. Es entglitt ihrer Führung. Es warf das Kind über den Uferwerg auf die gegenüberliegende Wegseite. Ein Pedal hatte sich aus der Verankerung gelöst. Glücklicherweise kam Nora mit dem Schrecken davon. Sie wurde nicht verletzt. Und der weiche Stoff ihrer Hosen wehrte auch Hautschürfungen ab. Wir erlebten sofort grosse Anteilnahme von Spaziergängern. Berührend. Eine Frau brachte ein Glas Wasser, um den Schock zu entspannen. Ihr Mann entnahm seiner Tasche, die mit «1. Hilfe gekennzeichnet» war ein Pflaster. Felicitas – Noras Mama – nahm es gern an, als psychologische Hilfe, wie sie sagte. Grossvater konnte in der Zwischenzeit das Pedal provisorisch fixieren.
Dann setzten wir uns ans Ufer. Wir schauten aufs Wasser. Sein Fluss beruhigte uns. An diesem Tag wurde die Deutsche Einheit gefeiert. Es zogen verschiedene kleine Schiffe an uns vorüber, die diesem Gedenken einen besonderen Glanz verliehen.

Dann Weiterfahrt auf den Rädern Richtung Zündorf. Offensichtlich ein beliebter Ausflugsort. Kein freier Platz in einer der Gartenwirtschaften. Aber an einem Kiosk konnten wir Eis im Cornet kaufen und die grossen Portionen geniessen. Mit Kleidergrössen verglichen, müssten sie mit XXL bezeichnet werden. Sehr, sehr cool wurden sie empfunden.
Wieder gestärkt, fuhren wir zur Schifflände. Felicitas informierte, dass uns eine Fahrt über den Rhein bevorstehe. (Von Zündorf nach Weiss). Was für eine tolle Überraschung! Viele Leute bereits am Warten. Wir schlossen uns an. Der kleinen, romantischen Fähre mit Namen Krokolino zuzuschauen, wie sie Fussgänger und Radfahrende verschluckte und sie sicher ans andere Ufer brachte, bezauberte. Erstaunlich, wie viele Velos dieses kleine Schiff aufnehmen konnte.

Zur Zeit unserer Überfahrt begann die Fähre plötzlich zu schwanken. Richtung Bonn zog ein grosser Rheinkahn vorüber. Und als Überraschung dahinter noch einer aus der Gegenrichtung nach Köln. Die Wellen trafen aufeinander, wurden zum Wellensturm. Die kleine Fähre, sicher gesteuert, brachte uns problemlos ans gegenüberliegende Ufer. Da lachten auch jene Passagiere wieder, die im Sturm ui-ui-ui oder oohhh gerufen hatten. Erschrecken und Spass sind oft Verbündete.

Die Weiterfahrt auf unseren Rädern führte auf einem Radweg von Weiss durch den Naturpark Rheinland. Einmalig für uns die Radwege, wie sie Kölns Wälder bieten können. Gross und weit sind Ihre Räume. Offensichtlich vom Grundwasser des Rheins gut genährt. Die Bäume aufrecht, von gutem Wuchs, gross und stark. Zu hohen Hallen gewachsen. Mit Domen vergleichbar und doch viel grösser als sie.

Und dann...! Nochmals bockte das Pedal an Noras Rad und versagte jeglichen Dienst. Und jetzt? Wir rechneten aus, dass unser Heimweg zu Fuss ca. 3 Std. dauern würde. Der Schwiegersohn entschloss sich, sein eigenes Velo zu fahren und gleichzeitig links neben sich Nora, auch auf dem Rad sitzend, heimzuführen. Mit der rechten Hand steuerte er sein eigenes Gefährt und mit der linken jenes von und mit Nora. Eine Glanzleistung. Ohne Zwischenhalt oder weitere Probleme kam unser Familien-Konvoi dann unversehrt nach Hause.
Die Freude an den Velo-Ausfahrten mit dem Grossvater schrieb Nora in den Sand.

Sonntag, 18. Oktober 2015

Neu für mich: Mein Fahrrad hat mich ins Ausland begleitet
Reise nach Köln und zurück

Für mich ist der Velotransport eine ganz spezielle Dienstleistung der Bahn, aber auch von Primo, der sich um mein Rad kümmerte. Allein hätte ich den Selbstverlad nicht geschafft. Die internationale Fahrradkarte (20 Euro) sicherte für die Hin- und Rückfahrt einen reservierten Platz. Wir reisten im Euro-City-Zug nach Köln.
Nach der Fahrkartenkontrolle im Umfeld von Freiburg im Breisgau, entschlossen wir uns, im Bordrestaurant zu essen. Wir machten uns auf den Weg. Unser Sitzplatz und das Restaurant lagen weit auseinander. Unterwegs trafen wir auf eine weitere Kontrollperson. Wir wurden aufgefordert, unsere Billette nochmals vorzuweisen. Wir zeigten alle Papiere, auch jene fürs Velo. In ihrem Übereifer entwertete die Schaffnerin dann die Fahrkarte für unseren Rückweg nach Zürich. Ich machte darauf aufmerksam. Sie notierte mit dem Vermerk SR (siehe Rückseite) die irrtümliche Entwertung. Die Karte für die Heimreise sei noch gültig. – «Kein Problem!» wurde uns zugesichert. Hatte sie uns falsch eingeschätzt? Meinte sie, wir würden schwarzfahren?

Wie eine strenge Lehrerin wies sie uns zurecht. Sie kritisierte, dass wir unsere Plätze und die persönlichen Habseligkeiten verlassen hätten und wies auf Diebstähle hin. Ja, unsere Jacken hatten wir zum Essen nicht mitgenommen. Hastig assen wir dann einen Teller feinster Suppe und kehrten an die unberührten Plätze zurück. Später hörten wir eine Mitteilung über Lautspecher, man vermute, dass Taschendiebe zugestiegen seien.

So macht Reisen immer weniger Spass.

Bevor wir Bonn erreichten, wurden wir ebenfalls über Lautsprecher informiert, dass eine Person dringend medizinische Hilfe benötige. Wenn sich Ärzte im Zug befänden, möchten sie sich unverzüglich im Wagen XY melden. Aus unserem Blickfeld folgten 4 Personen diesem Notruf. Danach hielt der Zug ausser Fahrplan in Bad Godesberg-Bonn an. Hier holten Sanitäter eine junge Frau ab.

Eine Woche später verhinderte eine Stellwerkstörung die fahrplanmässige Rückreise nach Zürich. Der Zug aus Hamburg konnte in Köln nicht einfahren. Als er nach halbstündiger Verspätung auf dem Perron eintraf, kam Hektik auf. Die Wagen wurden gestürmt. Wir empfanden die Aussteige- und Umsteigezeiten sehr kurz bemessen.

Unsere 13-jährige Enkelin half uns beherzt. Weil der Grossvater zuerst eine Anzahl voluminöser Rollkoffer umbeigen musste, um das Velo an der vorgesehenen Halterung aufhängen zu können, kümmerte sie sich um unser Gepäck. Sie sorgte dafür, dass jene Personen, die unsere reservierten Sitzplätze erobert hatten, umzogen und schob unsere persönlichen, schweren Gepäckstücke an geeignete Orte. Dann verliess sie den Bahnhwagen. Sie rief uns noch zu, wo unsere Gepäckstücke deponiert seien und winkte adieu. Die Türen schlossen automatisch. Der Zug fuhr ab.

Dass unsere bezahlten Sitzplätze nicht erneut erorbert wurden, dafür sorgte die mit uns reisende 9-jährige Enkelin. Ruhig sass sie am Ort und verteidigte die Sitzplatz-Nummern 41, 42, 43. Die reisetüchtigen Kinder von heute wissen, wie das geht.

Auch diesmal konnte nicht übersehen werden, wie rücksichtslos reservierte Plätze eingenommen werden. Wir waren nicht allein von diesen Eroberungen betroffen. Immerhin habe ich keinen Streit miterlebt. Wenn aufmerksam gemacht wurde, diese Plätze seien reserviert, erhoben sich die angesprochenen Personen. Meist folgte vorher noch ein Blick zu den Reservationsanzeigen. Für manche mag es ein Spiel oder Sport sein, einen Platz zu ergattern. Anständig empfinde ich aber solches Verhalten nicht.

Im Blog vom 12.01.2014 habe ich dieses Problem schon einmal, jedoch aus einer andern Perspektive, beschrieben.

In Basel erneut eine Durchsage, die uns betraf. Wieder eine Störung, die unsere Weiterfahrt verzögerte. Wir wussten aber, dass dieser Zug nach Zürich zurückkehren musste. Also blieben wir sitzen. Mit uns nur 5 weitere Personen. Alle andern Reisenden wechselten in einen Regionalzug. Schlussendlich kamen wir in Zürich beinahe zeitgleich an.

Für die Heimfahrt nach Zürich-Altstetten benützten wir Tram Nr 4. Ohne Velo, aber mit schwerem Gepäck. Schon fühlten wir uns daheim und vor allem auch entspannt. Da trat aber noch der VBZ-Kontrolleur auf und verlangte die Fahrkarten.

Ich seufzte, war doch noch auf Köln programmiert, sagte das dauere aber einen Moment, den er mir gern gewährte. Ich weiss nicht, ob er dachte, es stünde für ihn ein Fischfang von Schwarzfahrenden bevor. Primo wies als erster seine Karten vor und ich folgte dann nach. Da antwortete er sichtlich überrascht, aber freundlich: «Vorbildlich!»

Die Velostation Zürich Nord – neben dem Landesmuseum – wird als Integrationsprojekt von Migranten betreut. Hier konnte ich mein Velo zweimal in einem gesicherten Raum abstellen. Als ich es anfänglich anmelden wollte, wurde ich nicht gleich verstanden. Auf einmal sagte einer der Betreuer aus einem fernen Land: «Du willst Dein Rad parken?» Jawohl! So hätte ich sprechen müssen.

Als ich am Tag danach mit ihm erschien und es «parken» wollte, freuten sich die Männer, dass ich von ihnen etwas gelernt habe. Als ich es später auslöste, um nach Köln mitzunehmen, wurde ich mit erhobener Hand und ebensolchem Daumen verabschiedet. Ich verstand, dass man der Grossmutter viel Power wünschte.

Nach der Rückkehr verbrachte mein Rad nochmals eine Nacht in dieser Station. Als ich es abholte, dankte ich und sagte: «Nun bin ich froh!» Der Mann, der mich nun kannte, antwortete sofort: «Wir auch!»