Es wurde gemeldet, dass sich der Winter seit 30 Jahren nicht mehr so kalt zeige wie gerade jetzt. Obwohl Strassen und Teile von Fusswegen vom Schnee geräumt wurden, blieben doch auch Restanzen liegen. Vorsicht ist geboten. Velofahren habe ich mir verboten. Lebensmittel trage ich jetzt im Rucksack heim. Hin und wieder auch mehrmals am selben Tag, damit die Last den Rücken nicht schädigt.
Der Winter ist ein strenger Abschnitt im Jahreslauf. Er kann hart sein wie gefrorener Schnee. Kalt, abweisend und gefährlich. Von uns verlangt er Achtsamkeit und Vorsicht. Obwohl die städtische Schneeräumung dafür sorgt, dass wir überall gesäuberte Wege finden, gibt es auch kleine Abweichungen. Etwas Vergessenes. In meinem Umfeld z.B. die Treppe, die von der Strasse zu den Glas-Containern führt. Obacht! sagen wir an solchen Orten und das heisst Achtung! Aufgepasst! Glücklicherweise gibt es bei diesem Treppenabgang rechtsseitig eine niedrige Wand, die mir als Geländer dient.
Als der erste Schnee gefallen war, bewunderte ich die Bäume in ihrem weissen Kleid. Auch die verschneiten Dächer, die Wiesen in unserem Umfeld usw. Aber Tag um Tag verblasst die Schönheit im Schnee. Er ist schmutzig geworden. Aber ich weiss, eines Tages, wenn uns die Sonne wieder erreicht, und der Schnee schmilzt und das Schmelzwasser allen Schmutz davon trägt, dann kann ich wieder unbeschwert gehen und aus der strengen Vorsicht heraustreten, einfach wieder meinem eigenen Temperament entsprechend.
Noch bevor es soweit ist, möchte ich ein paar Fotos zeigen, auf denen der Winter seine Kunst darstellen kann. Beim Bahnhof Zürich-Alststetten wurde zur Zeit, als der Vorplatz gestaltet wurde, eine Gitterwand installiert, an der Gewächse hochklettern sollten. Diese machten aber nicht mit. Das dürftige Experiment blieb erfolglos. Die Pflanzen fühlten sich an dieser Wand nicht wohl.
Aber jetzt hat die Eiskönigin eingegriffen und die armseligen Grünflächen am Gitter zu Naturschönheiten erhoben.
Geschichten von Rita Lorenzetti-Hess aus Zürich-Altstetten und
Archiv sämtlicher Blog-Beiträge aus der Zeit beim Textatelier Hess von Biberstein
Mittwoch, 25. Januar 2017
Samstag, 21. Januar 2017
Eine Briefmarke wirbt für einen sensiblen Umgang mit der Natur
Dem Briefkasten entnahm ich eine Postkarte, die in der Ukraine aufgegeben wurde. Sofort erkannte ich die von der Schweizer Post herausgegebene Sondermarke mit dem Thema Ökologie in Europa (Think Green, Be Green). Solche habe ich öfters und gern benutzt. Gestaltung, die Farbe Grün und besonders ihre Botschaft entsprechen mir.
So vertraut mir die erwähnte Briefmarke einen Augenblick lang erschien, sie ist nicht deckungsgleich mit unserer Sondermarke. Jene aus der Ukraine ist eine Verwandte von ihr. Auch sie wirbt speziell für den Umweltschutz. Sie trägt ebenfalls Grün. Aber sie trägt auch Details auf sich, die nur für die Ukraine wichtig und passend sind.
Links von ihr die Ergänzung im kleineren Format: Die abgebildete Frucht eines gesunden Baumes mit einem seiner Blätter.
Die beiden Sondermarken ergänzen sich gut. Aber nur jene links mit der Zahl 3oo ist für das Porto zuständig.
Ich habe die Fotos aus der Schweizer Philatelie und jene auf der Postkarte zusammen fotografiert. Viel Spass beim Suchen der Unterschiede.
Die Postkarte selbst ist auch ein Unikat. Mit Schwüngen geschmückt. Links und rechtsseitig und auch am unteren Rand hüllen sie die Grüsse in einer Art Umarmung ein. Und für eine gute Reise «Par Avion» ist sogar ein Engel verantwortlich.
Im Dezember entdeckte ich in der Sihlpost Zürich eine neu eingerichtete Philatelie. Und dort konnte ich nochmals von den erwähnten Sondermarken Ökologie in Europa kaufen.
Die Briefmarken «Europa 2016 - Ökologie in Europa» sind auch online im Postshop der Schweizerischen Post käuflich: www.postshop.ch
Schade, dass ich den Text unter der Foto nicht verstehe.
Und schon ist das Rätsel gelöst. Tochter Letizia überraschte mich mit der Übersetzung des handschriftlichen Textes. Sie konnte berichten, dass es sich bei dem Bild auf der Postkarte um das Hauptgebäude der Nationalen Jurij-Fedkowstsch-Universität Czernowitz handle. Früher Erzbischöfliche Residenz in Czernowitz (Residence of Bukovinian and Dalmatian Metropolitans). Und heute UNESCO-Weltkulturerbe. Der handschriftliche Text auf der Postkarte lasse sich übersetzen mit: «Immer von Bedeutung, über die Zeit hinaus».
Link zu UNESCO-Weltkulturerbe: whc.unesco.org
Aber wie kommt meine Tochter zu einer solchen Übersetzung? Man könnte es moderne Brieffreundschaft nennen. Im vergangenen Herbst suchte Letizia auf der ganzen Welt nach antikem Christbaum-Schmuck. Sie kaufte im Onlineshop von Marina alte sowietische Kugeln. So kam sie auf die Idee, bei ihr anzufragen, ob sie uns helfen könnte. Dass sich Czernowitz dann noch als Marinas Heimatstadt herausstellte, freut uns ganz besonders.
So vertraut mir die erwähnte Briefmarke einen Augenblick lang erschien, sie ist nicht deckungsgleich mit unserer Sondermarke. Jene aus der Ukraine ist eine Verwandte von ihr. Auch sie wirbt speziell für den Umweltschutz. Sie trägt ebenfalls Grün. Aber sie trägt auch Details auf sich, die nur für die Ukraine wichtig und passend sind.
Links von ihr die Ergänzung im kleineren Format: Die abgebildete Frucht eines gesunden Baumes mit einem seiner Blätter.
Die beiden Sondermarken ergänzen sich gut. Aber nur jene links mit der Zahl 3oo ist für das Porto zuständig.
Ich habe die Fotos aus der Schweizer Philatelie und jene auf der Postkarte zusammen fotografiert. Viel Spass beim Suchen der Unterschiede.
Die Postkarte selbst ist auch ein Unikat. Mit Schwüngen geschmückt. Links und rechtsseitig und auch am unteren Rand hüllen sie die Grüsse in einer Art Umarmung ein. Und für eine gute Reise «Par Avion» ist sogar ein Engel verantwortlich.
Im Dezember entdeckte ich in der Sihlpost Zürich eine neu eingerichtete Philatelie. Und dort konnte ich nochmals von den erwähnten Sondermarken Ökologie in Europa kaufen.
Die Briefmarken «Europa 2016 - Ökologie in Europa» sind auch online im Postshop der Schweizerischen Post käuflich: www.postshop.ch
Schade, dass ich den Text unter der Foto nicht verstehe.
Und schon ist das Rätsel gelöst. Tochter Letizia überraschte mich mit der Übersetzung des handschriftlichen Textes. Sie konnte berichten, dass es sich bei dem Bild auf der Postkarte um das Hauptgebäude der Nationalen Jurij-Fedkowstsch-Universität Czernowitz handle. Früher Erzbischöfliche Residenz in Czernowitz (Residence of Bukovinian and Dalmatian Metropolitans). Und heute UNESCO-Weltkulturerbe. Der handschriftliche Text auf der Postkarte lasse sich übersetzen mit: «Immer von Bedeutung, über die Zeit hinaus».
Link zu UNESCO-Weltkulturerbe: whc.unesco.org
Aber wie kommt meine Tochter zu einer solchen Übersetzung? Man könnte es moderne Brieffreundschaft nennen. Im vergangenen Herbst suchte Letizia auf der ganzen Welt nach antikem Christbaum-Schmuck. Sie kaufte im Onlineshop von Marina alte sowietische Kugeln. So kam sie auf die Idee, bei ihr anzufragen, ob sie uns helfen könnte. Dass sich Czernowitz dann noch als Marinas Heimatstadt herausstellte, freut uns ganz besonders.
Donnerstag, 12. Januar 2017
Der Puls der Zeit – der Zeitenlauf
Die Uhr als Zeitmesser
Die Uhr im Kirchturm und Glockenklänge aus der Bilderuhr
Plötzlich fügen sich einzelne Erlebnisse zu einem Ganzen zusammen.Erste Geschichte:
Es war ein gewöhnlicher, ruhiger Morgen, als ich im Supermarkt meines Wohnortes Gemüse aussuchte, es wägen und mit dem Preis markieren wollte.Vor der einen Waage stand ein Afrikaner. Vor einer zweiten andere Kunden, die sich hier zufällig getroffen hatten, stehen blieben und neueste Nachrichten austauschten.
Der Mann aus dem fernen Land klebte gerade die Etikette für die ausgesuchten Früchte an den Plastiksack. Es schien mir, dass er unser System kenne. Im späteren Gespräch dann bemerkte ich, dass ihm auch die deutsche Sprache geläufig ist. Er blieb aber vor seiner Waagschale stehen, obwohl es für ihn nichts mehr zu wägen gab. Er beobachtete die Kundschaft und ihr Benehmen. Mittlerweile hatte sich um diesen Ort ein kleiner Stau ergeben. Wir warteten. Dann fragte ich ihn, ob die Waage frei sei? Er nickte und trat einen Schritt zurück. Als dann auch mein Gemüse seine Preisetikette bekommen hatte, winkte mir der Fremde zu sich und sagte selbstbewusst: «Ich bin Afrikaner. Sie wissen, wir sind langsam. Aber wir haben immer Zeit. Sie haben keine Zeit. Was sagen Sie dazu?»
Ich sah sofort weder die eine noch die andere Lebensart als die einzig richtige und sagte darum: Für ein gutes Zusammenleben müsste ich wahrscheinlich etwas langsamer werden und er etwas schneller. Dann könnten wir uns in der Mitte treffen. Dazu machte ich noch eine passende Handbewegung. Er verstand mich sofort. Er lachte und dankte. Die Antwort hat ihm gefallen.
Eine zweite Geschichte:
Führung durch das Archiv des Uhren-Herstellers LONGINES in Saint Imier, einem Unternehmen, das sich seit mehr als 180 Jahren erfolgreich der Zeitmessung widmet.Die Begrüssung vor der raumhohen Sanduhr im Haus LONGINES werde ich kaum vergessen. Ebenso beeindruckte das Archiv mit den handschriftlich geführten Archiv-Büchern, die seit 1867 aufbewahrt werden. Sie geben Auskunft über das Modell, den Kunden und wohin die Uhr geliefert wurde. Der Raum mit diesen Büchern wird «Das Gedächtnis von LONGINES» genannt. Ich durfte einen Katalog mit dem aufgezeichneten Lebenslauf dieser erfolgreichen Firma mitnehmen. Jede Seite spricht von Präzision, Schönheit und Kultur. Die Uhr und ihr verwandte Messgeräte dienen uns allen.
Longines Uhrenmuseum in St. Imier: www.longines.ch
Eine dritte Geschichte:
Das Nachtessen mit Kirchturmgeläute aus der Bilderuhr. Wir staunten, dass aus einem gemalten und üblich gerahmten Bild Kirchenglocken ertönten. Die Stunde war voll. Es fühlte sich an, wie wir es im Dorf oder sogar in der Stadt gewohnt sind. Sofort brach das Gespräch am Tisch ab. Wir staunten. Die Stimmung veränderte sich. Sie wurde feinsinniger. Es folgten dann alle Viertelstunden kürzer gehaltene Töne.Der Besitzer dieser Bilderuhr erklärte:
Unsere Bilderuhr stammt aus Österreich, von dem Kunstmaler Carl Ludwid Hofmeister, Wien 1828 signiert. Hofmeister gilt heute als der bedeutendste Bilderuhr-Maler des 19. Jahrhunderts. Er war gelernter Glasmaler, hat also mit feinstem Pinselstrich Miniaturen bemalt. Seine Bilderuhren sind daher nicht auf Leinwand, sondern fein auf Kupferblech gemalt. Die frühesten Bilder stammen von ca. 1822. Alle von ihm persönlich gemalten Bilder sind signiert, die Bilder seiner Werkstatt sind nicht signiert.
Wir haben die Bilderuhr wegen ihres zeitgenössischen Bezugs auf Koblenz und der Darstellung des Rheins mit Moselzufluss bei Koblenz und Ehrenbreitstein erworben. Es zeigt gleichfalls eine seltene Darstellung einer schwimmenden Brücke über den Rhein aus Kähnen, mit Fußgängern und Reitern.
Und ich füge noch hinzu, dass das Bild auch ein Liebespaar zeigt, das sich in dieser Welt offensichtlich glücklich fühlt.
Und die vierte Geschichte:
Unsere Gastgeber im Jura freuten sich über das gute Sommerwetter. Das Essen wurde auf die Veranda getragen. Wir sassen auf einer hölzernen Bühne, das weite Jura-Gelände vor uns. Eine Landschaft, die das Herz öffnen kann. Wiesen, Weiden mit Kühen und Wälder, die umfangreiche Flächen abgrenzen, vermitteln Grosszügigkeit und auch Schutz.Die in unseren Augen jungen Leute – sie würden sich aber gewiss eher als Mittelalterleute bezeichnen – freuten sich, ihr umgebautes Zuhause und die dazugehörige Umgebung zu zeigen. Das aus einer Konkursmasse gekaufte Jurahaus konnte seinen Charme behalten. Und doch wurde es auch nach heutigem Schönheitsbewusstsein und den Bedürfnissen unserer Zeit im Innern angepasst.
Als die Sonnenuntergangsfarben erloschen, hüllte uns die Dunkelheit ein. Weit und breit kein künstliches Licht. Eine Erfahrung, die wir in unserem Lebensumfeld in der Stadt nicht mehr machen können. Diese Dunkelheit ängstigte nicht. Im Gegenteil. Ich fühlte mich gut aufgehoben bei Freunden und gleichzeitig auch aufgehoben im Universum. Ich entdeckte im Laufe des Abends, als sich die Dunkelheit noch mehr verstärkte, dass ich meinen Augen den Himmel öffnen konnte, indem ich das Gesichtsfeld abgrenzte. (Aufrecht geschlossene, seitlich am Kopf angelehnten Hände). Wenn ich noch den Kopf nach hinten fallen liess, öffnete sich der Sternenhimmel sofort. Seine Fülle und die Stimmung an diesem Ort – unbeschreiblich schön.
Es zeigte sich hier die Sternenzeit.
In diesen vier Geschichten meldete sich in mir das Thema der Zeit.
Was ist für mich die Zeit?
Es muss sich um das allumfassende Leben handeln. Für uns Menschen ist sie oft Geheimnis und doch allen bekannt. Ihrem Namen begegnen wir in vielen Worten und in verschiedenen Zusammenhängen. Z.B. Arbeitszeit, Freizeit, Auszeit, zur Zeit, zeitgemäss, zeitlang, Zeitschrift, zeitlos, Zeitmangel etc.
Aus dem geläufigen Ausdruck Puls der Zeit höre ich heraus, dass die Zeit ein lebendiger Raum sei, in den wir hineingeboren wurden.
Uhren und Messgeräten verdanken wir, dass die Zeit gemessen werden kann. Sie dienen den persönlichen Zeitabschnitten in der Familie, im Beruf, in der Freizeit, in der Forschung, im Wettbewerb, im Sport und unterwegs, wenn wir uns auf vorgegebene Zeiten nach Fahrplänen einrichten müssen. In vielen Wettbewerben wird die Uhr zur Schiedsrichterin. Und rückwärts blickend bekommt sie in der Geschichtsforschung ihre Aufgabe.
Manchmal erleben wir Situationen, die scheinbar nicht mehr mit der Uhrzeit übereinstimmen.
Immer dann, wenn ich jemanden oder etwas sehnlichst erwarte, erscheinen mir berechnete Zeitabschnitte extrem lang. Es sind dann meine Gefühle, die mitmischeln und die Zeit ausdehnen.
Mein Leben verstehe ich als ein Stück Lebenszeit aus der gesamten Zeit, die unser aller Leben umfasst. Diese persönliche Zeit kann aber erst dann exakt gemessen werden, wenn wir gestorben sind.
Mittwoch, 21. Dezember 2016
Licht und Dunkel, Sonne und Stern
Der Kalender markiert für heute den kürzesten Tag oder die längste Nacht. Es ist der 21. Dezember, der meinem Geburtstag vom 21. Juni, dem längsten Tag, gegenüber steht. Licht und Dunkel sind denn auch Themen, die mich immer wieder berühren und meine Gedanken inspirieren. Und sie sorgten sogar noch für einen Spass.
Schon seit Tagen stehe ich in scheinbar tiefster Nacht auf. Ebenso wundere ich mich gegen Abend, wie früh sich Dunkelheit ausbreitet.
Die obige Foto, vor ein paar Tagen aufgenommen, hat meinen Blick zum Schulhaus aus der Nachbarschaft eingefangen. Für mich ein schönes Bild. Entlaubte Bäume gestalten an dieser Aufnahme mit. Da ist nichts Gestelltes zu entdecken. Es war früher Abend, die Sonne untergegangen. Die Kinder längst aus der Schule entlassen. Nur noch Lehrpersonen am Arbeiten. Mir gefällt dieses Lichtspiel mit der Dunkelheit.
Letizia offerierte wieder einen Weihnachtsstern aus Papier und weil sie gerade mit Goldfolie arbeitete auch noch eine goldene Sonne für unsere Vorweihnachts-Dekoration. Diese Sonne schmückt jetzt den Eingang zur Wohnung, der Stern aus Papier die Stube. Beide Symbole sind für sich sehr schön. Das goldene Strahlenbündel ist aber so gross, dass wir uns an ihm vorbeidrücken müssen. Wer zu uns kommt, schmunzelt über diese Dominanz.
Beide Symbole tragen starke Bilder in sich. Die Sonne ist unsere Quelle für Licht, Kraft, Wärme, für das menschliche Leben überhaupt. Der Stern weist auf das Überirdische hin. Auf das Universum, das uns umschliesst. Auf die jenseitige Welt und auf die Verbindung von Himmel und Erde.
Solche Gedanken sind mir erst beim Schreiben in den Sinn gekommen. Ich wollte ursprünglich nur vom Erlebnis mit der goldenen Sonne berichten.
Ich schlief wenig, erwachte mehrmals, weil der Bewegungsmelder, der uns vor Einbrechern schützen soll, Licht auf hellster Stufe auslöste. Zuerst wunderte ich mich, wie spät oder mehr noch wie früh unsere Nachbarn nach Hause kommen. Es war aber seltsam still, keine Stimmen, keine Schlüssel, die gedreht worden wären, kein Türgeräusch.
Primo sah das dann am Morgen ganz anders. Er dachte an den Wind, der in unsere Laube fuhr und wahrscheinlich mit der goldenen Sonne tanzte. Es muss ein Fest für die beiden gewesen sein. Ein Lichtspiel ähnlich wie in der Disco. Und dieses hat den Bewegungsmelder aktiviert. Nachdem wir am andern Tag die Sonne ins Haus trugen und erst am folgenden Tag wieder am Türrahmen aufhängten, war der Spuk vorbei. Niemand beschwerte sich.
Jetzt wird die Sonne jeden Abend ins Haus getragen und am andern Morgen wieder im Freien aufgehängt.
Zum bevorstehenden Weihnachtsfest füge ich unsere Festtagsgrüsse an:
einander wieder frohe Weihnachten
und ein gutes neues Jahr
zu wünschen.
P. + R. Lorenzetti
Schon seit Tagen stehe ich in scheinbar tiefster Nacht auf. Ebenso wundere ich mich gegen Abend, wie früh sich Dunkelheit ausbreitet.
Die obige Foto, vor ein paar Tagen aufgenommen, hat meinen Blick zum Schulhaus aus der Nachbarschaft eingefangen. Für mich ein schönes Bild. Entlaubte Bäume gestalten an dieser Aufnahme mit. Da ist nichts Gestelltes zu entdecken. Es war früher Abend, die Sonne untergegangen. Die Kinder längst aus der Schule entlassen. Nur noch Lehrpersonen am Arbeiten. Mir gefällt dieses Lichtspiel mit der Dunkelheit.
Letizia offerierte wieder einen Weihnachtsstern aus Papier und weil sie gerade mit Goldfolie arbeitete auch noch eine goldene Sonne für unsere Vorweihnachts-Dekoration. Diese Sonne schmückt jetzt den Eingang zur Wohnung, der Stern aus Papier die Stube. Beide Symbole sind für sich sehr schön. Das goldene Strahlenbündel ist aber so gross, dass wir uns an ihm vorbeidrücken müssen. Wer zu uns kommt, schmunzelt über diese Dominanz.
Beide Symbole tragen starke Bilder in sich. Die Sonne ist unsere Quelle für Licht, Kraft, Wärme, für das menschliche Leben überhaupt. Der Stern weist auf das Überirdische hin. Auf das Universum, das uns umschliesst. Auf die jenseitige Welt und auf die Verbindung von Himmel und Erde.
Solche Gedanken sind mir erst beim Schreiben in den Sinn gekommen. Ich wollte ursprünglich nur vom Erlebnis mit der goldenen Sonne berichten.
Ich schlief wenig, erwachte mehrmals, weil der Bewegungsmelder, der uns vor Einbrechern schützen soll, Licht auf hellster Stufe auslöste. Zuerst wunderte ich mich, wie spät oder mehr noch wie früh unsere Nachbarn nach Hause kommen. Es war aber seltsam still, keine Stimmen, keine Schlüssel, die gedreht worden wären, kein Türgeräusch.
Primo sah das dann am Morgen ganz anders. Er dachte an den Wind, der in unsere Laube fuhr und wahrscheinlich mit der goldenen Sonne tanzte. Es muss ein Fest für die beiden gewesen sein. Ein Lichtspiel ähnlich wie in der Disco. Und dieses hat den Bewegungsmelder aktiviert. Nachdem wir am andern Tag die Sonne ins Haus trugen und erst am folgenden Tag wieder am Türrahmen aufhängten, war der Spuk vorbei. Niemand beschwerte sich.
Jetzt wird die Sonne jeden Abend ins Haus getragen und am andern Morgen wieder im Freien aufgehängt.
Zum bevorstehenden Weihnachtsfest füge ich unsere Festtagsgrüsse an:
Unsere Intarsie erzählt vom HimmelUnd auch von der Gelegenheit,
und der Erde,
von gestern, heute und morgen.
Und von Feiertagen, die sich
in der Mitte treffen.
einander wieder frohe Weihnachten
und ein gutes neues Jahr
zu wünschen.
P. + R. Lorenzetti
Donnerstag, 15. Dezember 2016
Nochmals in Neuwied
Besuch im Herrnhuter-Viertel
Nochmals wurde uns ein Wunsch erfüllt. Wir durften den Ort der Herrnhuter Brüdergemeine kennen lernen. Er befindet sich in einem eigenen Karree, das den lauten Verkehr abweist. Eine Oase. Eine architektonische Schönheit, die Ordnung und Geborgenheit vermittelt.
Der Name Herrnhut bedeutet «der Hut des Herrn».
Herr C. erwartete uns, begrüsste uns draussen im Hof und lud uns in den Gebets-Saal ein. Drinnen erklärte er, dass wir durch den Eingang für die Männer eingetreten seien. Der gegenüberliegende Eingang gehöre den Frauen. In dieser Gemeinschaft sei man einander Bruder und Schwester und sage sich Du.
Und er erzählte von seinen Aufgaben als Vorsteher der Herrnhuter Gemeine und dass dieses Amt immer eine Berufung sei. Man könne sich dafür nicht bewerben. Schon seinem Vater sei es übertragen worden.
Er zeigte uns einen historischen Prospekt der Stadt Neuwied am Rhein. Und sagte dazu, Neuwied sei bis in unsere Tage ein Zufluchtsort für Glaubensflüchtlinge. Er wies in diesem alten Stadtbild auf das linke noch nicht verbaute Karree hin, auf dem bereits die Kirche dargestellt ist. An diesem Ort führten wir gerade das Gespräch mit ihm. Links im Plan markiert: Anbau der Evangelischen Brüder Gemeine.
Mich packte diese historische Darstellung wegen seiner überschaubaren Anordnung, aber auch wegen seinem perfekten Kupferstich.
Einer Schrift über diese Brüdergemeine in Neuwied entnehme ich die folgende Zusammenfassung:
Alte und Erneuerte Brüder-Unität
Die Evangelische Brüdergemeine hat ihren Ursprung in der böhmischen Reformationsbewegung. Anhänger von Jan Hus gründeten im 15. Jahrhundert eine eigene Kirche, die Brüder-Unität. Im Zuge der Gegenreformation wurden ihre Mitglieder verfolgt, die Gemeinden existierten nur im Untergrund weiter. Letzter Bischof der Brüder-Unität war der bekannte Theologe und Pädagoge Johann Amos Comenius.
1722 fanden aus Mähren vertriebene Nachkommen Zuflucht auf dem Gut des sächsischen Grafen Zinzendorf. Unter der Leitung des pietistisch geprägten Grafen gründeten sie Herrnhut, die erste Gemeindesiedlung der Neuen Brüder-Unität.
Über die Flüchtlinge wird berichtet, dass sich im Jahr 1750 die ersten 40 Herrnhuter Glaubensflüchtlinge auf Einladung des Grafen J.F. Alexander von Wied hier ansiedelten. Sie erhielten 1756 in einer «Generalkonzession» Religions- und Gewerbefreiheit. Die Gemeinde wuchs rasch. 1761 zählte sie über 200, im Jahr 1783 bereits über 400 Mitglieder. Ein zweites Karree wurde gebaut und der heutige Kirchsaal eingeweiht.
Es entwickelte sich reges Gewerbe. Und in dieser Zeit blühte das Unternehmen von David Roentgen. Im Unterschied zu seinem Vater Abraham soll sich der Sohn nicht in erster Linie zum Handwerksmeister, sondern zum erfolgreichen Geschäftsmann entwickelt haben. Heute staunen wir, dass Roentgenmöbel erhalten geblieben sind und ein Museum füllen.
In diesen Tagen wird, wie jedes Jahr, auch wieder nach dem Herrnhuter-Stern gefragt. Weltweit ist er bekannt. Und speziell auch für Kirchenräume beliebt. Ich stelle mir vor, dass dieser besondere Stern das Weihnachtsfest darum verschönert, weil er die Familien aus der Herrnhuter Gemeine mit ihrer Herkunft verbindet.
Herrnhutter Sterne: www.herrnhuter-sterne.de
Die Geschichte des Herrnhutter Stammhauses: www.herrnhuter-sterne.de
Die Geschichte des Herrnhuter-Sterns: www.sterne-shop.de
Uns stellte sich in Zürich ein evangelisch-reformierter Pfarrer als Herrnhuter vor. Sein Sohn besuchte die gleiche Primarschulklasse wie unsere Tochter Letizia. Ich erinnere mich an ein Weihnachtsspiel, das er für das Schweizer Radio gestaltet hat. Das ist aber auch bald 50 Jahre her. Solche Kontakte erweitern die Sicht zu andern Konfessionen, zu ihren religiösem Verständnis, ihren Eigenheiten und spirituellen Schätzen. In diesem Sinn freuen wir uns, dass wir in Neuwied offene Türen vorgefunden haben. Sowohl ins Museum wie auch ins Herrnhuter-Viertel und in ihre Kirche.
Zum Abschluss unseres Besuches verwies Herr C. noch auf das Andachtsbuch Die LOSUNGEN, Gottes Wort für jeden Tag.
Die aufgeführten kurzen Texte (Bibeltexte, Gebete) sind je einem Tag zugeordnet. Sie entstammen einer Idee von Nikolaus Ludwig Zinzendorf, Graf von Zinzendorf. Er wollte den Menschen kurze, christliche Leitsätze vermitteln, um ihnen zu helfen, den Alltag zu meistern. Die Ausgabe für 2016, die ich mitgenommen habe, ist die 286. Ausgabe. Ein Taschenbuch.
Im Internet sind Informationen zum Thema Losungen abrufbar. Es wird dort auch erklärt, wie die Texte ausgewählt werden. Zum wesentlichen Teil durch das Los.
Losungen www.losungen.de
Losungen werden erklärt www.losungen.de
Wir baten den Vorsteher, uns die Losung jenes Tages zu lesen. Er machte das gern und wir freuten uns. Als wir uns verabschiedet hatten, sagte jemand von uns: Das war eine Sternstunde.
Der Name Herrnhut bedeutet «der Hut des Herrn».
Herr C. erwartete uns, begrüsste uns draussen im Hof und lud uns in den Gebets-Saal ein. Drinnen erklärte er, dass wir durch den Eingang für die Männer eingetreten seien. Der gegenüberliegende Eingang gehöre den Frauen. In dieser Gemeinschaft sei man einander Bruder und Schwester und sage sich Du.
Und er erzählte von seinen Aufgaben als Vorsteher der Herrnhuter Gemeine und dass dieses Amt immer eine Berufung sei. Man könne sich dafür nicht bewerben. Schon seinem Vater sei es übertragen worden.
Er zeigte uns einen historischen Prospekt der Stadt Neuwied am Rhein. Und sagte dazu, Neuwied sei bis in unsere Tage ein Zufluchtsort für Glaubensflüchtlinge. Er wies in diesem alten Stadtbild auf das linke noch nicht verbaute Karree hin, auf dem bereits die Kirche dargestellt ist. An diesem Ort führten wir gerade das Gespräch mit ihm. Links im Plan markiert: Anbau der Evangelischen Brüder Gemeine.
Mich packte diese historische Darstellung wegen seiner überschaubaren Anordnung, aber auch wegen seinem perfekten Kupferstich.
Einer Schrift über diese Brüdergemeine in Neuwied entnehme ich die folgende Zusammenfassung:
Alte und Erneuerte Brüder-Unität
Die Evangelische Brüdergemeine hat ihren Ursprung in der böhmischen Reformationsbewegung. Anhänger von Jan Hus gründeten im 15. Jahrhundert eine eigene Kirche, die Brüder-Unität. Im Zuge der Gegenreformation wurden ihre Mitglieder verfolgt, die Gemeinden existierten nur im Untergrund weiter. Letzter Bischof der Brüder-Unität war der bekannte Theologe und Pädagoge Johann Amos Comenius.
1722 fanden aus Mähren vertriebene Nachkommen Zuflucht auf dem Gut des sächsischen Grafen Zinzendorf. Unter der Leitung des pietistisch geprägten Grafen gründeten sie Herrnhut, die erste Gemeindesiedlung der Neuen Brüder-Unität.
Über die Flüchtlinge wird berichtet, dass sich im Jahr 1750 die ersten 40 Herrnhuter Glaubensflüchtlinge auf Einladung des Grafen J.F. Alexander von Wied hier ansiedelten. Sie erhielten 1756 in einer «Generalkonzession» Religions- und Gewerbefreiheit. Die Gemeinde wuchs rasch. 1761 zählte sie über 200, im Jahr 1783 bereits über 400 Mitglieder. Ein zweites Karree wurde gebaut und der heutige Kirchsaal eingeweiht.
Es entwickelte sich reges Gewerbe. Und in dieser Zeit blühte das Unternehmen von David Roentgen. Im Unterschied zu seinem Vater Abraham soll sich der Sohn nicht in erster Linie zum Handwerksmeister, sondern zum erfolgreichen Geschäftsmann entwickelt haben. Heute staunen wir, dass Roentgenmöbel erhalten geblieben sind und ein Museum füllen.
In diesen Tagen wird, wie jedes Jahr, auch wieder nach dem Herrnhuter-Stern gefragt. Weltweit ist er bekannt. Und speziell auch für Kirchenräume beliebt. Ich stelle mir vor, dass dieser besondere Stern das Weihnachtsfest darum verschönert, weil er die Familien aus der Herrnhuter Gemeine mit ihrer Herkunft verbindet.
Herrnhutter Sterne: www.herrnhuter-sterne.de
Die Geschichte des Herrnhutter Stammhauses: www.herrnhuter-sterne.de
Die Geschichte des Herrnhuter-Sterns: www.sterne-shop.de
Uns stellte sich in Zürich ein evangelisch-reformierter Pfarrer als Herrnhuter vor. Sein Sohn besuchte die gleiche Primarschulklasse wie unsere Tochter Letizia. Ich erinnere mich an ein Weihnachtsspiel, das er für das Schweizer Radio gestaltet hat. Das ist aber auch bald 50 Jahre her. Solche Kontakte erweitern die Sicht zu andern Konfessionen, zu ihren religiösem Verständnis, ihren Eigenheiten und spirituellen Schätzen. In diesem Sinn freuen wir uns, dass wir in Neuwied offene Türen vorgefunden haben. Sowohl ins Museum wie auch ins Herrnhuter-Viertel und in ihre Kirche.
Zum Abschluss unseres Besuches verwies Herr C. noch auf das Andachtsbuch Die LOSUNGEN, Gottes Wort für jeden Tag.
Die aufgeführten kurzen Texte (Bibeltexte, Gebete) sind je einem Tag zugeordnet. Sie entstammen einer Idee von Nikolaus Ludwig Zinzendorf, Graf von Zinzendorf. Er wollte den Menschen kurze, christliche Leitsätze vermitteln, um ihnen zu helfen, den Alltag zu meistern. Die Ausgabe für 2016, die ich mitgenommen habe, ist die 286. Ausgabe. Ein Taschenbuch.
Im Internet sind Informationen zum Thema Losungen abrufbar. Es wird dort auch erklärt, wie die Texte ausgewählt werden. Zum wesentlichen Teil durch das Los.
Losungen www.losungen.de
Losungen werden erklärt www.losungen.de
Wir baten den Vorsteher, uns die Losung jenes Tages zu lesen. Er machte das gern und wir freuten uns. Als wir uns verabschiedet hatten, sagte jemand von uns: Das war eine Sternstunde.
Montag, 12. Dezember 2016
Wir sind in Neuwied angekommen
Besuch im Roentgen-Museum
Primos Traum erfüllte sich. Wie schon erwähnt, verstand es sein Lehrer in der Gewerbeschule, ihn für die hochkarätigen Arbeiten von David Roentgen zu begeistern. Unsere gefundenen neuen Verwandten wussten Bescheid, kennen das Roentgen-Museum bestens. Es beherbergt die einmalige Sammlung von Roentgen-Möbeln und Kinzig-Uhren.
Vater Abraham Roentgen (1711—1793) und Sohn David Roentgen (1743—1807) werden als bedeutendste Möbelkünstler des 18. Jahrhunderts bezeichnet. Sie arbeiteten für europäische Fürstenhöfe zwischen Paris und St. Petersburg. Zu den Kunden gehörten die russische Zarin Katharina die Grosse, König Ludwix XVI in Frankreich, Wilhelm II. von Preussen und auch Goethes Vater. So erzählt der Prospekt für das Roentgen-Museum.
V. und S. führten uns an diesen Ort. Durch die Ausstellung begleitete uns der Museums-Direktor, Herr Bernd Willscheid. Er zeigte uns Roentgens Verwandlungstische als Schreibtische, Lesepulte und Stehpulte in einem. Er öffnete z.B. eine Deckelklappe auf einem Tisch mit Aufsatz. Dieser konnte in 2 Bewegungsschritten flach/schräg aufgeklappt und weiter hochgezogen und als Lesepult verwendet werden.
Mit weissen Handschuhen berührte er die Möbel und zeigte uns verschiedene technische Raffinessen. Z.B. wie im Holz eingebaute metallische Sprungfedern ein Fach oder eine Schublade mit Fingerdruck an einem bestimmten, geheimen Ort geöffnet werden konnte.
Darin eingerichtet, fanden sich Fächer für Papier, Tinte und Schreibmaterialien für die Herstellung von Dokumenten. Primo machte mich noch auf Geheimfächer aufmerksam. Er wurde auch schon zu Kunden gerufen, die ein Geheimfach vermuteten, es aber nicht öffnen konnten.
Uns allen machte der Ausstellungs-Rundgang Spass. Auch dem Direktor.
Das Prospektblatt, das für das roentgen museum neuwied wirbt, zeigt eine typische Roentgen-Intarsiengestaltung. Man spricht von 4 Ordnungen, auf der sie aufgebaut sei. Die Abbildung zeigt auf der Spitze stehende Quadrate. In ihrem Inneren sind 4 kleinere Quadrate auszumachen. Und diese sind wieder Teile von 4 Quadraten. Man lernt schauen und entdecken. In diesem Muster spielt die strenge Geometrie mit der Holzstruktur. Das Holz ist etwas Lebendiges. Es bringt Farben und Maserung mit ein, die sich von Quadrat zu Quadrat leicht verändern.
Die Fotos sollen zeigen, wie solche Quadrate entstehen. Primo hat mir für diesen Beitrag Muster geschnitten. Sie weisen auf die minutiöse Arbeit hin, die ein solches Unterfangen verlangt. Die Abbildungen zeigen Zuschnitte, die locker zusammengefügt, aber noch nicht verleimt worden sind.
Es sind erste Schritte, die zu solcher Kunst führen können, wie sie von David Roentgen erfunden worden sind.
Roentgen Museum in Neuwied www.kreis-neuwied.de
Vater Abraham Roentgen (1711—1793) und Sohn David Roentgen (1743—1807) werden als bedeutendste Möbelkünstler des 18. Jahrhunderts bezeichnet. Sie arbeiteten für europäische Fürstenhöfe zwischen Paris und St. Petersburg. Zu den Kunden gehörten die russische Zarin Katharina die Grosse, König Ludwix XVI in Frankreich, Wilhelm II. von Preussen und auch Goethes Vater. So erzählt der Prospekt für das Roentgen-Museum.
V. und S. führten uns an diesen Ort. Durch die Ausstellung begleitete uns der Museums-Direktor, Herr Bernd Willscheid. Er zeigte uns Roentgens Verwandlungstische als Schreibtische, Lesepulte und Stehpulte in einem. Er öffnete z.B. eine Deckelklappe auf einem Tisch mit Aufsatz. Dieser konnte in 2 Bewegungsschritten flach/schräg aufgeklappt und weiter hochgezogen und als Lesepult verwendet werden.
Mit weissen Handschuhen berührte er die Möbel und zeigte uns verschiedene technische Raffinessen. Z.B. wie im Holz eingebaute metallische Sprungfedern ein Fach oder eine Schublade mit Fingerdruck an einem bestimmten, geheimen Ort geöffnet werden konnte.
Darin eingerichtet, fanden sich Fächer für Papier, Tinte und Schreibmaterialien für die Herstellung von Dokumenten. Primo machte mich noch auf Geheimfächer aufmerksam. Er wurde auch schon zu Kunden gerufen, die ein Geheimfach vermuteten, es aber nicht öffnen konnten.
Uns allen machte der Ausstellungs-Rundgang Spass. Auch dem Direktor.
Das Prospektblatt, das für das roentgen museum neuwied wirbt, zeigt eine typische Roentgen-Intarsiengestaltung. Man spricht von 4 Ordnungen, auf der sie aufgebaut sei. Die Abbildung zeigt auf der Spitze stehende Quadrate. In ihrem Inneren sind 4 kleinere Quadrate auszumachen. Und diese sind wieder Teile von 4 Quadraten. Man lernt schauen und entdecken. In diesem Muster spielt die strenge Geometrie mit der Holzstruktur. Das Holz ist etwas Lebendiges. Es bringt Farben und Maserung mit ein, die sich von Quadrat zu Quadrat leicht verändern.
Die Fotos sollen zeigen, wie solche Quadrate entstehen. Primo hat mir für diesen Beitrag Muster geschnitten. Sie weisen auf die minutiöse Arbeit hin, die ein solches Unterfangen verlangt. Die Abbildungen zeigen Zuschnitte, die locker zusammengefügt, aber noch nicht verleimt worden sind.
Es sind erste Schritte, die zu solcher Kunst führen können, wie sie von David Roentgen erfunden worden sind.
Roentgen Museum in Neuwied www.kreis-neuwied.de
Dienstag, 29. November 2016
Unsere Liebesgeschichte mit dem Rhein vergrössert sich um ein weiteres Kapitel
Der Rhein ist immer wieder ein Thema in unserer Familie. Allerlei Geschichten mit ihm befinden sich bereits im Blogarchiv. Die Urgeschichte veröffentlichte ich am 25.3.2007. Sie sensibilisierte uns von jeher auch für andere Flussläufe und animierte zu manchen Wanderungen und Reisen. Obwohl wir ihn schon lange kennen, ist uns sein ganzer Lauf bis zur Mündung noch nicht bekannt.
Unsere Gastgeber, die gefundenen neuen Verwandten V. und S., fanden für uns ein Hotelzimmer mit Ausblick auf den Rhein. Auf uns zugeschnitten. Besser hätten sie nicht wählen können. Uns gegenüber die Festung Ehrenbreitstein, eine der grössten Festungsanlagen Europas. Es sei keinem Feind je gelungen, sie einzunehmen, wurde uns gesagt. Aber uns für sie einzunehmen, das gelang ihr. Sie war beleuchtet, als wir das Hotel bezogen. Sie strahlte uns an. Da wussten wir bereits, dass uns die Seilbahn an einem kommenden Tag dort hinauf befördern werde. Diese überquert den Rhein und überwindet 112 Höhenmeter. Sie führt in einen Landschaftspark, der seinerzeit für die Bundesgartenschau Koblenz gestaltet worden ist. Überall, wo sich Einflüsse dieser Schau zeigten, bewunderten wir eine feinsinnige Gartenarchitektur.
Und aus der Höhe konnten wir den Zusammenfluss von Rhein und Mosel überblicken. Obwohl wir zuvor um das deutsche Eck spazierten, schenkte uns erst der Blick aus der Höhe das Gesamtbild der Flüsse Rhein und Mosel, die sich hier vereinigen. Das Prospektblatt spricht von einem spektakulären Ausblick über das UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal.
Imponiert hat mir auch die Römerbrücke über die Mosel kurz vor dem Zusammenfluss mit dem Rhein. Wenn wir jeweils am Abend ins Hotel zurückgefahren wurden, schaute ich regelmässig nach ihr aus. Sie war immer illuminiert. Sie wirkte auf mich wie ein Wegweiser aus ferner Zeit. Sie ist auf der Prospektfoto gut sichtbar.
Wer Übersicht liebt, dem wird Ehrenbreitstein gefallen. Ihr Ort in der Höhe und die Festung als solche, sie imponieren. Wege, Gänge, Hallen und Plätze beanspruchen und gestalten viel Raum. Sie dürfen begangen werden. Alles ist grossräumig, grossartig. Man kommt sich klein vor und freut sich gerade deshalb, dass diese machtvolle Anlage besucht werden darf und dass man den Heimweg problemlos wieder findet.
Hier oben werden im Jahreslauf auch Feste gefeiert und Veranstaltungen inszeniert.
Wir staunten über dieses grandiose Werk. Eine Anlage, die dem Land offensichtlich viel Ehre eingetragen hat. So deute ich den Namen Ehrenbreitstein. Ganz oben auf der offenen Plattform, dem Himmel nahe, erlebten wir den Sonnenuntergang. Und danach trug uns die Seilbahn lautlos wieder ins Tal zurück.
In Koblenz lernten wir Gaststätten mit Tradition kennen. Und wir besuchten Kirchen. In der Nähe unseres Hotels die Basilika St. Kastor. Diese Kirche schaut einen an. Ein Ort mit viel Geschichte und künstlerischem Reichtum. Ebenso berührte uns ihre Umgebung. Der Blumenhof im ehemaligen Umfeld einer Klostergemeinschaft trägt auch Züge der Bundesgartenschau. Eine natürliche Schönheit.
Ausserhalb der Kirchenmauer sind es dann Werke von Künstlern, die den Ort mitgestalten. Es sind weder Engel, die das Tor bewachen noch Heilige, die ihre Geschichte erzählen wollen. Nein, es sind Prestige-Objekte der Menschen von heute. Zum Schmunzeln.
Und nochmals zum Rhein zurück. In Koblenz habe ich ihn nicht nur als Fluss, sondern als Wasserstrasse erlebt. Diese Bezeichnung fiel mir erst ein, als ich Frachtschiffe, Ausflugsschiffe und Hotelschiffe beobachtet habe. Tag für Tag zogen sie zahlreich an uns vorbei oder legten an. Erwachte ich frühmorgens noch vor Sonnenaufgang, stand ich meist eine halbe Stunde am Fenster oder auf dem Balkon und beobachtete das hektische Treiben auf dem Wasser. Und liess mich bezaubern von den mannigfaltigen Lichtspielen.
Einerseits von Lampen an den Schiffen vorbeiziehender Kähne und andererseits von fixer Verkehrs- Beleuchtung. Ich fotografierte eine solche Schau und war dann enttäuscht über meine banale Aufnahme. So beeinflussen uns Emotionen. Sie können alles vergrössern.
Ich schaute auch immer ans rechtsrheinische Ufer und beobachtete die Zugskompositionen mit Frachtgütern. Sie folgten einander in nur geringen Abständen und machten viel Lärm. Die dort wohnenden Hausbesitzer sind nicht zu beneiden. Die Unruhe, die sie ertragen müssen, ist gewaltig.
Abschliessend grüsse ich die Vogelschwärme auf ihrem Zug ins Nachtquartier. Sie haben mich begeistert. Mehrmals konnte ich sie vom Balkon aus beobachten. So tief fliegend erlebe ich sie hier in Zürich nicht. Ich bewunderte ihre Schwünge und auch ihren Zusammenhalt. Wie gut es sich anfühlen muss, zu einem Ganzen zu gehören und von ihm gehalten zu sein.
Unsere Gastgeber, die gefundenen neuen Verwandten V. und S., fanden für uns ein Hotelzimmer mit Ausblick auf den Rhein. Auf uns zugeschnitten. Besser hätten sie nicht wählen können. Uns gegenüber die Festung Ehrenbreitstein, eine der grössten Festungsanlagen Europas. Es sei keinem Feind je gelungen, sie einzunehmen, wurde uns gesagt. Aber uns für sie einzunehmen, das gelang ihr. Sie war beleuchtet, als wir das Hotel bezogen. Sie strahlte uns an. Da wussten wir bereits, dass uns die Seilbahn an einem kommenden Tag dort hinauf befördern werde. Diese überquert den Rhein und überwindet 112 Höhenmeter. Sie führt in einen Landschaftspark, der seinerzeit für die Bundesgartenschau Koblenz gestaltet worden ist. Überall, wo sich Einflüsse dieser Schau zeigten, bewunderten wir eine feinsinnige Gartenarchitektur.
Und aus der Höhe konnten wir den Zusammenfluss von Rhein und Mosel überblicken. Obwohl wir zuvor um das deutsche Eck spazierten, schenkte uns erst der Blick aus der Höhe das Gesamtbild der Flüsse Rhein und Mosel, die sich hier vereinigen. Das Prospektblatt spricht von einem spektakulären Ausblick über das UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal.
Imponiert hat mir auch die Römerbrücke über die Mosel kurz vor dem Zusammenfluss mit dem Rhein. Wenn wir jeweils am Abend ins Hotel zurückgefahren wurden, schaute ich regelmässig nach ihr aus. Sie war immer illuminiert. Sie wirkte auf mich wie ein Wegweiser aus ferner Zeit. Sie ist auf der Prospektfoto gut sichtbar.
Wer Übersicht liebt, dem wird Ehrenbreitstein gefallen. Ihr Ort in der Höhe und die Festung als solche, sie imponieren. Wege, Gänge, Hallen und Plätze beanspruchen und gestalten viel Raum. Sie dürfen begangen werden. Alles ist grossräumig, grossartig. Man kommt sich klein vor und freut sich gerade deshalb, dass diese machtvolle Anlage besucht werden darf und dass man den Heimweg problemlos wieder findet.
Hier oben werden im Jahreslauf auch Feste gefeiert und Veranstaltungen inszeniert.
Wir staunten über dieses grandiose Werk. Eine Anlage, die dem Land offensichtlich viel Ehre eingetragen hat. So deute ich den Namen Ehrenbreitstein. Ganz oben auf der offenen Plattform, dem Himmel nahe, erlebten wir den Sonnenuntergang. Und danach trug uns die Seilbahn lautlos wieder ins Tal zurück.
In Koblenz lernten wir Gaststätten mit Tradition kennen. Und wir besuchten Kirchen. In der Nähe unseres Hotels die Basilika St. Kastor. Diese Kirche schaut einen an. Ein Ort mit viel Geschichte und künstlerischem Reichtum. Ebenso berührte uns ihre Umgebung. Der Blumenhof im ehemaligen Umfeld einer Klostergemeinschaft trägt auch Züge der Bundesgartenschau. Eine natürliche Schönheit.
Ausserhalb der Kirchenmauer sind es dann Werke von Künstlern, die den Ort mitgestalten. Es sind weder Engel, die das Tor bewachen noch Heilige, die ihre Geschichte erzählen wollen. Nein, es sind Prestige-Objekte der Menschen von heute. Zum Schmunzeln.
Und nochmals zum Rhein zurück. In Koblenz habe ich ihn nicht nur als Fluss, sondern als Wasserstrasse erlebt. Diese Bezeichnung fiel mir erst ein, als ich Frachtschiffe, Ausflugsschiffe und Hotelschiffe beobachtet habe. Tag für Tag zogen sie zahlreich an uns vorbei oder legten an. Erwachte ich frühmorgens noch vor Sonnenaufgang, stand ich meist eine halbe Stunde am Fenster oder auf dem Balkon und beobachtete das hektische Treiben auf dem Wasser. Und liess mich bezaubern von den mannigfaltigen Lichtspielen.
Einerseits von Lampen an den Schiffen vorbeiziehender Kähne und andererseits von fixer Verkehrs- Beleuchtung. Ich fotografierte eine solche Schau und war dann enttäuscht über meine banale Aufnahme. So beeinflussen uns Emotionen. Sie können alles vergrössern.
Ich schaute auch immer ans rechtsrheinische Ufer und beobachtete die Zugskompositionen mit Frachtgütern. Sie folgten einander in nur geringen Abständen und machten viel Lärm. Die dort wohnenden Hausbesitzer sind nicht zu beneiden. Die Unruhe, die sie ertragen müssen, ist gewaltig.
Abschliessend grüsse ich die Vogelschwärme auf ihrem Zug ins Nachtquartier. Sie haben mich begeistert. Mehrmals konnte ich sie vom Balkon aus beobachten. So tief fliegend erlebe ich sie hier in Zürich nicht. Ich bewunderte ihre Schwünge und auch ihren Zusammenhalt. Wie gut es sich anfühlen muss, zu einem Ganzen zu gehören und von ihm gehalten zu sein.
Sonntag, 20. November 2016
Nach der Beerdigung öffneten sich Türen und Tore
Es gibt Wünsche, die jahrzehntelang auf ihre Erfüllung warten. Unerwartet erwachen sie eines Tages und werden wahr. Primo erlebte kürzlich einen solchen, beinahe magischen Moment.
Die Beerdigung einer Verwandten aus seiner Grossfamilie fand in kleinem Rahmen statt. Wir trafen uns im Feld des Gemeinschaftsgrabes im Zürcher Friedhof Sihlfeld. Der Sohn der Verstorbenen und seine Frau waren aus den USA angereist. Eine Nichte, von ihrem Mann begleitet, war aus Deutschland nach Zürich gekommen. Dieses Paar kannten wir noch nicht.
Wir standen um das vorbereitete Grab. Da entdeckte ich am Boden abgefallene Blätter eines Parkbaumes, dessen Name ich immer noch nicht kenne. Ich hob eines auf und sagte mehr zu mir selbst als zu anderen, hier sei Leben und Sterben abgebildet. Es war eines von vielen. Sofort wurde ich verstanden. Jedes der abgefallenen Laubblätter trug nämlich neben dem vertrockneten Braun auch ein Stück lebendig wirkendes Grün.
Wenige Augenblicke später sah die Frau aus Koblenz ein vierblättriges Kleeblatt in der Wiese. Sie pflückte es und schenkte es mir.
Es fand keine religiöse Zeremonie statt. Und doch wurde die Lebensgeschichte einer Mutter sehr einfühlsam und liebenswürdig erzählt. Dankbar skizzierte der Sohn ihr Leben und wir Verwandte werden unsere persönlichen Erlebnisse mit ihr denkend dazugefügt haben.
Die Enkelin der Verstorbenen, ebenfalls in Amerika lebend, übergab ihrem Vater einen Text und bat ihn, jemanden zu bestimmen, der ihn am Grab vorlesen könne. Ihr war es nicht möglich, nach Zürich zu reisen. Sie liess ausrichten, dass ihr die Grossmutter diesen Reim beigebracht habe. Vermutlich hat sie ihn immer wieder hören wollen. Darum sollte er auch am Grab nochmals erklingen. Mangels anwesenden italienisch sprechenden Personen, wurde Primo gebeten, den Text L’orfano (La neve) di Giovanni Pascoli zu lesen. Er spricht aber nicht italienisch.
Bevor er zu lesen begann, sagte er, dass er als Italiener geboren worden sei. Kindergarten und ein Jahr Primarschule habe er in der Casa d’Italia erlebt. Der Umzug in die Schweizer Schule verhinderte dann eine weitere Entwicklung der italienischen Sprache.
Die Musikalität aber ging nicht verloren. Seine Seele hat sie am Leben behalten. Und gerade darum, dass der Text am Grab der Verstorbenen nicht übersetzt werden musste, konnten die klangvollen Worte wirken. Es war für alle ein berührender Moment.
Beim anschliessenden Mittagsmahl entstanden zwischen dem Verwandten aus Koblenz und Primo interessante Gespräche. Ihre Berufe wurden besprochen. Als Primo berichtete, dass er als selbständiger Möbelschreiner arbeite, wollte der Mann aus Deutschland wissen, ob ihm Möbel von Abraham und David Roentgen ein Begriff seien. Und das war dann Primos magischer Moment. Er erzählte, dass er vor 60 Jahren, zur Zeit seiner Berufslehre als Möbelschreiner auf David Roentgen und seine Luxusmöbel aufmerksam gemacht worden sei. Sein Lehrer in der Gewerbeschule zeigte den Lehrlingen Lichtbilder von Verwandlungstischen, Kommoden, Stühlen, Schatullen usw. Alles hochkarätige Kunstwerke, denen er immer nacheifern wollte. In späteren Jahren festigten jeweils Publikationen von Roentgen-Möbeln in der Schreinerzeitung die Begeisterung aufs Neue. Und manchmal mag er geträumt haben, das Roentgen-Museum doch einmal aufsuchen zu können.
Und plötzlich ist der Weg dorthin gebahnt. Wir wurden nach Koblenz und nach Neuwied ins Roentgen-Museum eingeladen.
Unsere Gastgeber haben darüber sinniert, ob vielleicht die verstorbene Tante Leni dafür gesorgt habe, dass wir einander kennen lernten.
Und mehr noch staunten wir, als wir erfuhren, dass dieses Paar zu den Donatoren des Roentgen-Museums Neuwied gehört.
Die Beerdigung einer Verwandten aus seiner Grossfamilie fand in kleinem Rahmen statt. Wir trafen uns im Feld des Gemeinschaftsgrabes im Zürcher Friedhof Sihlfeld. Der Sohn der Verstorbenen und seine Frau waren aus den USA angereist. Eine Nichte, von ihrem Mann begleitet, war aus Deutschland nach Zürich gekommen. Dieses Paar kannten wir noch nicht.
Wir standen um das vorbereitete Grab. Da entdeckte ich am Boden abgefallene Blätter eines Parkbaumes, dessen Name ich immer noch nicht kenne. Ich hob eines auf und sagte mehr zu mir selbst als zu anderen, hier sei Leben und Sterben abgebildet. Es war eines von vielen. Sofort wurde ich verstanden. Jedes der abgefallenen Laubblätter trug nämlich neben dem vertrockneten Braun auch ein Stück lebendig wirkendes Grün.
Wenige Augenblicke später sah die Frau aus Koblenz ein vierblättriges Kleeblatt in der Wiese. Sie pflückte es und schenkte es mir.
Es fand keine religiöse Zeremonie statt. Und doch wurde die Lebensgeschichte einer Mutter sehr einfühlsam und liebenswürdig erzählt. Dankbar skizzierte der Sohn ihr Leben und wir Verwandte werden unsere persönlichen Erlebnisse mit ihr denkend dazugefügt haben.
Die Enkelin der Verstorbenen, ebenfalls in Amerika lebend, übergab ihrem Vater einen Text und bat ihn, jemanden zu bestimmen, der ihn am Grab vorlesen könne. Ihr war es nicht möglich, nach Zürich zu reisen. Sie liess ausrichten, dass ihr die Grossmutter diesen Reim beigebracht habe. Vermutlich hat sie ihn immer wieder hören wollen. Darum sollte er auch am Grab nochmals erklingen. Mangels anwesenden italienisch sprechenden Personen, wurde Primo gebeten, den Text L’orfano (La neve) di Giovanni Pascoli zu lesen. Er spricht aber nicht italienisch.
Bevor er zu lesen begann, sagte er, dass er als Italiener geboren worden sei. Kindergarten und ein Jahr Primarschule habe er in der Casa d’Italia erlebt. Der Umzug in die Schweizer Schule verhinderte dann eine weitere Entwicklung der italienischen Sprache.
Die Musikalität aber ging nicht verloren. Seine Seele hat sie am Leben behalten. Und gerade darum, dass der Text am Grab der Verstorbenen nicht übersetzt werden musste, konnten die klangvollen Worte wirken. Es war für alle ein berührender Moment.
Beim anschliessenden Mittagsmahl entstanden zwischen dem Verwandten aus Koblenz und Primo interessante Gespräche. Ihre Berufe wurden besprochen. Als Primo berichtete, dass er als selbständiger Möbelschreiner arbeite, wollte der Mann aus Deutschland wissen, ob ihm Möbel von Abraham und David Roentgen ein Begriff seien. Und das war dann Primos magischer Moment. Er erzählte, dass er vor 60 Jahren, zur Zeit seiner Berufslehre als Möbelschreiner auf David Roentgen und seine Luxusmöbel aufmerksam gemacht worden sei. Sein Lehrer in der Gewerbeschule zeigte den Lehrlingen Lichtbilder von Verwandlungstischen, Kommoden, Stühlen, Schatullen usw. Alles hochkarätige Kunstwerke, denen er immer nacheifern wollte. In späteren Jahren festigten jeweils Publikationen von Roentgen-Möbeln in der Schreinerzeitung die Begeisterung aufs Neue. Und manchmal mag er geträumt haben, das Roentgen-Museum doch einmal aufsuchen zu können.
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| Promenade in Koblenz |
Unsere Gastgeber haben darüber sinniert, ob vielleicht die verstorbene Tante Leni dafür gesorgt habe, dass wir einander kennen lernten.
Und mehr noch staunten wir, als wir erfuhren, dass dieses Paar zu den Donatoren des Roentgen-Museums Neuwied gehört.
Freitag, 4. November 2016
Schuhe gekauft und Haustürschlüssel verloren
Meine Füsse verlangen Achtsamkeit. Trage ich neue Schuhe, jaulen Schwachstellen meist sofort auf. Das Zusammenspiel mit der Wirbelsäule, aber auch mit einigen Muskeln melden sich sofort, wenn die Füsse ein neues Fussbett akzeptieren müssen.
Etwas naiv glaubte ich, ich könne nach 7 Monaten nochmals dasselbe Schuhmodell kaufen. Dieses war eine sehr gute Wahl. Füsse und auch die Wirbelsäule arrangierten sich sofort mit ihm. Darum wollte ich dieser Tage ein Doppel anschaffen, um dem bereits vorhandene Paar das Leben zu verlängern. Ich wollte sie beide abwechselnd benützen.
Nicht mehr möglich. Auch diese (teuren) Schuhe würden laufend neue Veränderungen erfahren, sagte mir der Schuhmacher und Schuhändler. Es liess sich dann beim Grossisten doch noch ein ähnliches Modell mit demselben Leisten finden, dem ich nun zwangsläufig zustimmte. Wie schade, dass ich zu spät gekommen bin. Hoffentlich zeigt sich das neue Paar bald auch von der guten Seite.
Das ist der neue Teil der Geschichte. Der 7 Monate alte erzähle ich auch noch.
Frühjahr 2016 – Damals kaufte ich die erwähnten Schuhe, die ich heute beim selben Schuhändler im Quartier Seefeld wieder zu finden glaubte.
Als ich damals nach Hause zurückkam, fehlte mir der Schlüsselbund. Ich konnte nicht ins Haus eintreten. Erschrocken kippte ich meine Tasche auf den Plattenweg vor dem Haus. Keine Schlüssel. Die Haustür wie üblich abgeschlossen. Glücklicherweise war Frau B. zu Hause. Ich läutete bei ihr. Sie öffnete mir die Haustür und lud mich zu sich ein. Sie half mir beim Suchen. Aber auch sie fand keinen Schlüsselbund.
Ich durfte bei ihr telefonieren, wollte mit dem Schuhändler sprechen und nachfragen, ob die Schlüssel vielleicht in seinem Geschäft gefunden worden seien. Aber auf der Kassenquittung fehlte seine Telefon-Nummer. Frau B. fragte nach dem Namen des Schuhgeschäftes und wusste sofort Bescheid. Auch sie hätte dort schon Schuhe gekauft. Gerade dieser Tage sei ihr ein Reklamegutschein zugekommen. Und diesem Papier konnten wir dann die Telefon-Nummer entnehmen. Ich rief an. Es wurde kein Schlüsselbund gefunden. Seine Kundschaft hätte ihn gewiss aufmerksam gemacht, wäre er in seinem Geschäft liegen geblieben, sagte der Schuhhändler.
Und gleich danach läutete das Telefon bei Frau B. Es meldete sich die Stadtpolizei vom Hottingerplatz. Es wurde nach mir gefragt.
Ich sässe neben ihr. Sie beantwortete Fragen, dann wurde der Hörer weitergereicht. Ich musste dem Polizisten mein Schlüssel-Etui beschreiben und die Schlüssel benennen. Irritiert war ich einen Moment lang, warum sich meine Schlüssel in Hottingen befänden. Ich sei nicht dort gewesen. Aber im Seefeld, wurde mir geantwortet. Dort sei das Etui gefunden worden. (Aus der Jackentasche gefallen).
Die Signatur meines Wohnungsschlüssels wies auf meinen Wohnort hin. Warum die Polizei bei Frau B. anrief, erklärte sie mir. Bei einer Namenssuche stehe Ihr Familienname mit seinem «B» immer oben. Dort werde eine Suche begonnen. Sie sei es gewohnt, in solchen Situation angesprochen zu werden. In meinem Fall enthielt die Liste offensichtlich die Namen der Einwohner unseres Hauses.
Der Polizist lud mich ein, auf den Posten zu kommen. Frau B. hatte mitgehört und gab mir gleich Bus- und Tramlinie an. Ihre Stille Art beruhigte mich. Obwohl innerlich unsicher, fand ich den Weg dorthin. Während der ganzen Tramfahrt hielt ich mich an einer Halterung, die ich sonst nur beim Aussteigen benützte. Ich stand unter leichtem Schock.
Bei der Polizei war schon alles vorbereitet. Ich konnte eine Empfangsbescheinigung mit der Auflistung meiner Schlüssel unterschreiben. Dann erhielt ich meinen Schlüsselbund zurück. Es wurde mir noch Name und Adresse des Finders mitgeteilt, damit ich mich bei ihm bedanken konnte. Ich freute mich, mit ihm zu sprechen. Es war mir ein Anliegen, ihm zu danken. Dieser Mann ist der Meinung, wenn man andern helfe, werde einem auch geholfen. So denke ich auch. Trotzdem schickte ich ihm gern noch einen Finderlohn.
Im Polizeibüro dankte ich mit dem mir seit der Kindheit bekannten Slogan:
Die Polizei, dein Freund und Helfer.
Auf dem langen Heimweg konnte ich den Schrecken loslassen. Ich hatte mir vorher überlegt, welch hohe Kosten entstünden, wenn eine Schliessanlage für alle Mieter neu installiert werden müsste.
Ich habe also Glück gehabt.
Etwas naiv glaubte ich, ich könne nach 7 Monaten nochmals dasselbe Schuhmodell kaufen. Dieses war eine sehr gute Wahl. Füsse und auch die Wirbelsäule arrangierten sich sofort mit ihm. Darum wollte ich dieser Tage ein Doppel anschaffen, um dem bereits vorhandene Paar das Leben zu verlängern. Ich wollte sie beide abwechselnd benützen.
Nicht mehr möglich. Auch diese (teuren) Schuhe würden laufend neue Veränderungen erfahren, sagte mir der Schuhmacher und Schuhändler. Es liess sich dann beim Grossisten doch noch ein ähnliches Modell mit demselben Leisten finden, dem ich nun zwangsläufig zustimmte. Wie schade, dass ich zu spät gekommen bin. Hoffentlich zeigt sich das neue Paar bald auch von der guten Seite.
Das ist der neue Teil der Geschichte. Der 7 Monate alte erzähle ich auch noch.
Frühjahr 2016 – Damals kaufte ich die erwähnten Schuhe, die ich heute beim selben Schuhändler im Quartier Seefeld wieder zu finden glaubte.
Als ich damals nach Hause zurückkam, fehlte mir der Schlüsselbund. Ich konnte nicht ins Haus eintreten. Erschrocken kippte ich meine Tasche auf den Plattenweg vor dem Haus. Keine Schlüssel. Die Haustür wie üblich abgeschlossen. Glücklicherweise war Frau B. zu Hause. Ich läutete bei ihr. Sie öffnete mir die Haustür und lud mich zu sich ein. Sie half mir beim Suchen. Aber auch sie fand keinen Schlüsselbund.
Ich durfte bei ihr telefonieren, wollte mit dem Schuhändler sprechen und nachfragen, ob die Schlüssel vielleicht in seinem Geschäft gefunden worden seien. Aber auf der Kassenquittung fehlte seine Telefon-Nummer. Frau B. fragte nach dem Namen des Schuhgeschäftes und wusste sofort Bescheid. Auch sie hätte dort schon Schuhe gekauft. Gerade dieser Tage sei ihr ein Reklamegutschein zugekommen. Und diesem Papier konnten wir dann die Telefon-Nummer entnehmen. Ich rief an. Es wurde kein Schlüsselbund gefunden. Seine Kundschaft hätte ihn gewiss aufmerksam gemacht, wäre er in seinem Geschäft liegen geblieben, sagte der Schuhhändler.
Und gleich danach läutete das Telefon bei Frau B. Es meldete sich die Stadtpolizei vom Hottingerplatz. Es wurde nach mir gefragt.
Ich sässe neben ihr. Sie beantwortete Fragen, dann wurde der Hörer weitergereicht. Ich musste dem Polizisten mein Schlüssel-Etui beschreiben und die Schlüssel benennen. Irritiert war ich einen Moment lang, warum sich meine Schlüssel in Hottingen befänden. Ich sei nicht dort gewesen. Aber im Seefeld, wurde mir geantwortet. Dort sei das Etui gefunden worden. (Aus der Jackentasche gefallen).
Die Signatur meines Wohnungsschlüssels wies auf meinen Wohnort hin. Warum die Polizei bei Frau B. anrief, erklärte sie mir. Bei einer Namenssuche stehe Ihr Familienname mit seinem «B» immer oben. Dort werde eine Suche begonnen. Sie sei es gewohnt, in solchen Situation angesprochen zu werden. In meinem Fall enthielt die Liste offensichtlich die Namen der Einwohner unseres Hauses.
Der Polizist lud mich ein, auf den Posten zu kommen. Frau B. hatte mitgehört und gab mir gleich Bus- und Tramlinie an. Ihre Stille Art beruhigte mich. Obwohl innerlich unsicher, fand ich den Weg dorthin. Während der ganzen Tramfahrt hielt ich mich an einer Halterung, die ich sonst nur beim Aussteigen benützte. Ich stand unter leichtem Schock.
Bei der Polizei war schon alles vorbereitet. Ich konnte eine Empfangsbescheinigung mit der Auflistung meiner Schlüssel unterschreiben. Dann erhielt ich meinen Schlüsselbund zurück. Es wurde mir noch Name und Adresse des Finders mitgeteilt, damit ich mich bei ihm bedanken konnte. Ich freute mich, mit ihm zu sprechen. Es war mir ein Anliegen, ihm zu danken. Dieser Mann ist der Meinung, wenn man andern helfe, werde einem auch geholfen. So denke ich auch. Trotzdem schickte ich ihm gern noch einen Finderlohn.
Im Polizeibüro dankte ich mit dem mir seit der Kindheit bekannten Slogan:
Die Polizei, dein Freund und Helfer.
Auf dem langen Heimweg konnte ich den Schrecken loslassen. Ich hatte mir vorher überlegt, welch hohe Kosten entstünden, wenn eine Schliessanlage für alle Mieter neu installiert werden müsste.
Ich habe also Glück gehabt.
Samstag, 22. Oktober 2016
Vilnius. Die Weitsicht auf dem Gediminas-Burghügel
Der Zeitpunkt für unseren Ausflug dorthin erwies sich als günstig. Es baute sich langsam ein gewaltiges Gewitter auf und lieferte fantastische Bilder. Die Sonne, kurz vor ihrem Untergang, war daran beteiligt, leuchtete die Wolkenfrachten aus oder durchdrang sie. Und der Wind gab den Wolkenschiffen die nötigen Schübe.
Das war unser letzter Spaziergang und Ausflug in Vilnius. Wenn ich an diese Stadt zurückdenke, «sehe» ich helles Licht, den weiten Platz vor dem Glockenturm und der Kathedrale und einen Himmel, der als ein Gewölbe erscheint.
Primo sagte dieser Tage, eine solche Rundumsicht, wie wir sie erlebt hätten, gehöre nur zu Ferien. Unsere Arbeiten und Pflichten verlangen Detailtreue und einen Blick für die Nähe.
Und ich dachte zu unseren Erlebnissen, es müssen nicht immer Zwei- oder Dreitausender sein, um Weitsicht zu erlangen. 35 Sekunden haben für uns gereicht, um wundervolle Himmelsbilder zu erkennen. Ebenso entdeckten wir das moderne Vilnius mit seinen Glasbauten, als wir in die Tiefe schauten.
Auf dem Rückweg regnete es leicht. Es störte uns nicht. Den Schirm hatten wir mitgenommen.
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